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Unter
dem Post Abortion Syndrom faßt man mitunter erst viele Jahre nach
der Abtreibung auftretende, krankhafte körperliche oder seelische Erscheinungen der Frau zusammen. Im Gegensatz zu den
kurz-, mittel- und langfristigen körperlichen Folgen des gewaltsamen körperlichen Eingriffes, treten sie im Gefolge des
seelischen Erlebens der Abtreibung und der verschiedenen Formen der Bewältigung dieses Konfliktes auf.
Man unterscheidet folgende Grundmuster der Auseinandersetzung mit
Konflikten, wobei für die jeweilige individuelle Form der Konfliktbewältigung die Persönlichkeit der Frau und ihre
Charakterstruktur bedeutsam sind (z.B. SIMON, 1991); natürlich sind Kombinationen möglich:
- Die Verdrängung, d.h. der Versuch, die Abtreibung aus dem Bewußtsein zu vertreiben, sie beiseite zu schieben, wann
immer sie im Bewußtsein auftaucht. Bei der Verdrängung soll es gehäuft zu körperlichen Schmerzzuständen im
Genitalbereich oder auch sonst im Körper (z.B. Rücken-, Brust- oder Kopfschmerzen) kommen. Man spricht von der
"Wiederkehr des Verdrängten" in anderer Gestalt.
- Die Projektion. Der Partner, die mitbestimmende Umwelt, die Ärzte oder andere Personen ihres Umfeldes werden als
die treibenden und entscheidenden Kräfte zur Abtreibung verantwortlich gemacht. Das kann bei der Frau, die abgetrieben
hat, zu launischem Verhalten, Haßgefühlen oder etwa zur Gefühlskälte gegenüber diesen Personen führen. Man bringt
funktionelle Sexualstörungen (s.u.) oder auch Depressionen damit in Verbindung.
- Die Rechtfertigung. Darunter versteht man das öffentliche Bekenntnis zur Abtreibung und die Solidarisierung mit
anderen, die auch abgetrieben haben. Es verfolgt die Absicht, das eigene Handeln nachträglich als richtig zu erklären
(rechtfertigen). Dazu gehört natürlich auch, daß alle Verbindungen zu krankhaften körperlichen, vor allem aber
seelischen Veränderungen im Gefolge der Abtreibung, also das Post Abortion Syndrom etwa, entschieden bestritten werden.
- Die Konfrontation, ist hier der Versuch, durch direkte und bewußte Auseinandersetzung mit der Abtreibung und den
näheren Umständen von damals, wieder mit sich ins Reine zu kommen. In offenen Gesprächen mit Vertrauenspersonen steht
die Frau zu ihrer Schuld, ihr Kind getötet zu haben, empfindet Reue hierüber, trauert um den Verlust des Kindes und
bemüht sich darum, das Geschehene wieder gut zu machen. Dies kann im Rahmen immer wiederkehrender Trauerphasen durch
wiederholte, manchmal geradezu ritualisierte Vorgänge erfolgen (z.B. "Jahrestag der Abtreibung" oder
"Trauertage" mit sozialen guten Taten etc.)
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