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    DiesesUltraschallbild von Cindy Wildemann Ultraschallbild wurde wenige Minuten vor der Abtreibung gemacht! Errechneter Geburtstermin war der 04.02.2002.
    Ich schrieb damals meine Gedanken und Gefühle auf in der Hoffnung, sie somit besser verarbeiten zu können. Besser damit umgehen zu können, mein eigenes Kind getötet zu haben.
    Nun, da ich doch noch Mutter einer wunderschönen gesunden Tochter werden durfte, möchte ich diese Zeilen für andere Frauen nieder schreiben, die vor der gleichen Entscheidung stehen oder sie auch schon getroffen haben.
    Cindy Wildemann

    13.07.2001
    Heute sind es zwei Tage, nachdem ich Dich abtreiben habe lassen. Das Bild ist nur wenige Minuten davor gemacht worden. Da ich nicht weiß, ob du ein Junge oder ein Mädchen geworden wärst, möchte ich dich Pascal nennen. Dies ist auch der Zweitname deines Vaters und ich denke, er passt zum Mädchen, als auch zum Jungen.
    Dieses Buch widme ich dir – auch wenn du es niemals lesen wirst. Ich hoffe, ich kann somit besser verarbeiten, dass ich dich töten ließ.
    Mir geht es körperlich relativ gut. Als ich aus der Narkose aufwachte, habe ich geweint (ich vermeide jegliche Gefühlsausbrüche vor anderen!). Nun war es endgültig und unwiderruflich! Ich habe mein eigenes Kind getötet. Ob ich mir das je verzeihen kann, weiß ich nicht.
    Auch gestern Abend habe ich geweint. Ich werde dich nie in meinen Armen halten. Du wirst mich niemals anlächeln, denn ich habe meine Entscheidung getroffen und nun bist du weg!
    Ich werde dir so oft schreiben, wie ich kann. Ich hoffe du – mein Kind Pascal – kannst mir verzeihen!
    Ich denke fast jede Minute an dich. Wie wäre wohl jeder einzelne Moment mit dir? Hatte ich wirklich das Recht zu sagen, dass du nicht leben darfst? Hatte ich es? Ich denke nicht. Das Gesetz lässt es jedoch zu. Niemals werde ich dich vergessen, dass weiß ich. Du bist bzw. warst schließlich mein Baby!

    15.07.2001
    Pascal, mein Kleines! Ich kann nicht aufhören an dich zu denken! Heute bin ich zusammengebrochen. Jeder Gedanke an das, was ich dir angetan habe tut mir so unendlich weh. Noch nie habe ich so einen Schmerz fühlen müssen!
    Ich bin mir mittlerer Weile sicher, dass wir zwei unser Leben gut gemeistert hätten. Warum hatte ich vorher daran nur so große Zweifel? Alles der Welt würde ich geben, dich wieder in mir tragen zu dürfen.
    Dein Vater ist momentan der Einzige, dem ich meine Gefühle wegen dir zeigen kann. Er macht sich auch große Vorwürfe! Wir lieben dich und das wird sich nie ändern. Auch wenn du nicht lebst! Wir lieben dich ewig!
    Mir geht es gar nicht gut. Ich esse schlecht und sonst ist auch alles Mist. Ich komme damit nicht zurecht! Ich wollte immer ein Baby und als du in mir warst habe ich mich doch gegen dich entschieden. Und das nur wegen dem Umfeld! Das Ganze drum herum.
    Ich habe mein Herz zum schweigen gebracht, denn es hätte nie zugelassen, dass dir irgendjemand etwas zu Leide tut, Jetzt habe ich einen großen Teil meines Herzens zerstört und der Rest schreit vor Schmerz!

    16.07.2001
    Na mein Kleines … ! Ich bin in der Arbeit und selbst hier muss ich ständig an dich denken. Ich hatte schon alle möglichen Gedanken.
    Meine Mum, also deine Omi, hat mir erzählt, dass man in der Narkose spricht. Vielleicht habe ich ja so gebettelt, dass sie dich mir nicht weggenommen haben … ?
    Aber dann fühle ich wieder die Leere in meinem Bauch und in meinem Herzen. Und dann weiß ich, du bist wirklich nicht mehr bei mir. Ich weiß nicht, wie ich meine Gefühle beschreiben soll …

    18.07.2001
    Du fehlst mir so …! Ich habe nächsten Donnerstag Termin beim Frauenarzt. Das wird schwer. Sie wird mir sagen, dass die Abtreibung „gut verlaufen” ist und ich bekomme den endgültigen Beweis, dass du nicht mehr da bist. Noch kann ich mich in den Gedanken flüchten, dass du ja vielleicht doch noch in mir bist …
    Es tut so weh, wenn ich an dich denke! Ich kann keinen klaren Gedanken mehr fassen. Alles Mögliche geht mir durch den Kopf. Und fast jeder Gedanke dreht sich zum Schluss um dich.
    Du fehlst mir so sehr Pascal! Ich möchte dich so gern in meine Arme schließen! Du bist genau elf Wochen in mir gewesen und ich habe das Gefühl, das Liebste meines Lebens verloren zu haben. Wie oft sagt man so dahin, dass man die Zeit gern zurückdrehen möchte. Aber noch nie habe ich es mir so sehr gewünscht! Du fehlst mir so unendlich!
    Leider habe ich die Erfahrung machen müssen, dass manche Dinge weder rückgängig, noch wieder gut zu machen sind. Ich werde die Zeit mit dir niemals vergessen und ich werde nie aufhören dich zu lieben.
    Du warst mein kleines Baby – ein winziges Stück Leben in mir! Es tut mir so unendlich leid! Ich vermisse dich so sehr mein/e kleine/r Pascal …

    26.07.2001
    Hallo mein kleiner Schatz! Heute hatte ich den Termin beim Frauenarzt! Die Nachuntersuchung!
    Am Anfang war alles okay, bis sie Ultraschall gemacht hat. Das letzte Mal, als ich dort bei der Untersuchung war, habe ich dich zum ersten Mal gesehen. Es tat weh zu sehen, dass nun alles leer ist …
    Alles hat sich gut zurückgebildet, meinte SIE. Draußen saß eine Schwangere mit einem riesigen Bauch. Vor der Praxis sind laufend Frauen mit Kinderwagen vorbei gefahren. Und direkt vor der Tür stand ein Auto – auf dem Rücksitz ein Babysitz mit einem winzigen süßen Baby drin.
    Es war die HÖLLE … !
    Heute habe ich den Gedanken verloren, dass die Ärzte in München dich mir doch nicht weggenommen haben. Ich habe den Beweis gesehen. ULTRASCHALL
    Ich werde dich nie vergessen, das weiß ich. Auch wirst du mir immer fehlen! Erst heute habe ich wirklich Abschied von dir genommen.

    01.08.2001
    Hallo mein Kleines …! Heute ist es genau drei Wochen her, als ich dich abtreiben ließ. Ich muss gestehen, dass ich nicht mehr so oft an dich denke. Natürlich gibt es genügend Situationen im Laufe des Tages, die mich an dich denken lassen. Habe dir ja gesagt, dass ich dich nie vergessen werde, geschweige denn, aufhören dich zu lieben. Aber ich merke, das Leben geht weiter. Auch ohne Dich!
    Das sind harte Worte, das weiß ich, aber es ist eben so. Es fällt mir noch genauso schwer, junge Mütter mit ihren Kindern zu sehen. Aber ich kann die Gedanken und Gefühle schneller wieder sortieren und in die „Schublade” zurückschieben. Auch vermisse ich dich, aber ich versuche eben, nicht in den Gedanken zu versinken, sondern weiter zu gehen.
    Ich möchte niemals wieder in diese Lage kommen und dafür muss ich vorwärts gehen. Alles Mögliche werde ich tun, um mein Leben auf die Reihe zu bekommen. Keinem Schwesterchen oder Brüderchen von dir soll das Gleiche passieren.
    Pascal, bitte glaube mir – Ich werde dich nie vergessen! Ich werde dich immer lieben, denn ich bin deine Mama!!!
    Ich weiß nicht, ob ich deine Abtreibung bereuen darf oder ob es wirklich besser so war. Aber ich weiß, dass ich es nie mehr tun möchte. Ich vermisse dich mein kleiner Schatz!
    Bis bald, deine Mama

    03.08.2001
    Hallo mein kleiner Engel! Ich wollte dir mal wieder schreiben. Es gibt Momente, da vermisse ich dich so unheimlich stark, dass es weh tut.
    Im Leben gibt es so viele Sachen, die man einfach nicht versteht. So viel ändert sich nie – wie meine Gefühle zu dir. Die werden sich niemals ändern. Meine Einstellung zu dem was alles passiert ist, wie eben auch die Abtreibung, ändert sich dafür ständig. So oft bereue ich das alles aber genauso oft denke ich, dass es die richtige Entscheidung war.
    Fest steht, dass ein Teil meines Herzens immer dir gehören wird. Allerdings ist dieser Teil irgendwie zerstört, denn er wird immer leer bleiben. Denn niemals werde ich dir diese Gefühle wirklich geben können, die darin verborgen sind. Dieser Platz in meinem Herzen gehört nur dir und niemand wird ihn je gewinnen können.
    Sicher wird einmal die Zeit kommen, in der ich dein Brüderchen oder dein Schwesterchen im Arm halten werde. Sie bekommen jedoch ihren eigenen Platz in meinem Herzen.
    Ob es falsch oder richtig war, dich abtreiben zu lassen, brauche ich mich nicht mehr fragen, denn es ist vorbei! Ich kann es nur besser machen – und das werde ich auch. Du fehlst mir mein kleiner Engel …
    Deine, dich über alles liebende Mama

    08.08.2001
    Hallo mein kleiner Schatz! Ich sitze gerade in der Arbeit und denke an dich. Ich werde am Samstag auf die zwei Kleinen von meiner Freundin Micha aufpassen. Von zwölf Uhr mittags bis abends. Dein Papa passt mit auf. Die zwei sind fünf Monate (Laura) und zwei Jahre (Timo) alt.
    Wenn ich Laura sehe, denke ich sehr viel an dich. Das ist immer ein bisschen schwer für mich. Aber ich denke, ich habe das Ganze bisher gut verarbeitet. Ich darf nur nicht daran denken, dass du eigentlich schon gelebt hast, denn dann wäre es ja Mord … - so gesehen.
    Du hättest es bei mir gut gehabt, da bin ich mir sicher! Eigentlich waren es egoistische Gründe aber ich denke auch, du hättest dich nur wirklich wohl gefühlt, wenn es mir gut geht. Mich belastet noch viel zu viel. Erst werde ich diese Hürde nehmen und dann an ein Geschwisterchen von dir denken.
    Das ist sicher kein Trost, aber du bist mein Kind – also denkst du sicher so wie ich, erst an andere und dann an dich. Deswegen weiß ich, du wirst mir verzeihen!
    Deine, dich über alles liebende Mama

    12.09.2001
    Hallo mein Kleines! Ich habe dir jetzt wirklich lang nicht mehr geschrieben. Meine schlimmste Zeit ist überwunden und ich muss nicht mehr jeder Sekunde an dich denken.
    Am Samstag hat mich ein Freund gefragt, ob ich schwanger war. Er sagte, er weiß es nicht von jemandem aus der Clique. Ich war überrascht! Ich habe ihm alles erzählt. Als er dann ausgestiegen ist und ich wieder auf dem Heimweg war, musste ich dann doch weinen. Es geht mir immer noch sehr nahe und ich denke mal, das wird auch so bleiben.
    Gestern haben Terroristen Amerika angegriffen. Das World Trade Centre ist platt! Beide Türme. Es kam auf jedem Programm – Sondersendungen und so. Zwei entführte Flugzeuge (Boing 747 oder so) sind von den Terroristen in die Türme gelenkt worden. Da denke ich mir dann schon, dass es besser ist, in diese Welt keine Kinder mehr zu setzen, denn man schenkt ihnen nicht das Leben sondern die Hölle auf Erden. Alles wird schlimmer – teurer – aggressiver …
    Natürlich waren solche Gedanken bei dem Entschluss dich abtreiben zu lassen nicht dabei aber sie lassen mich auch die positiven Seiten aus dem Geschehenen sehen. Ich habe dich nicht dieser Welt/diesem Wahnsinn ausgesetzt. Wer weiß, vielleicht bist du ja sogar an einem Ort an dem du glücklich bist. Vielleicht bist du aber auch nirgends – wer weiß das schon. Aber ich würde mir wünschen, du bist an einem Ort, wo du glücklich und geborgen bist …
    Hab dich lieb …!
    Deine, dich über alles liebende Mama

    16.09.2001
    Hallo mein Baby … ! Eigentlich wollte ich ins Bett, denn es ist schon spät und ich muss morgen arbeiten. Aber zuerst wollte ich dir noch schreiben – das ließ mir keine Ruhe.
    Heute ist ein blöder Tag. Ich habe gestern wieder auf die zwei Kleinen von Micha aufgepasst – acht Stunden. War nicht so schwer, wie ich dachte. Ich habe viel mit Laura, die jetzt schon sechs Monate ist, gespielt und auf einmal, als ich sie so auf dem Arm hatte, musste ich an dich denken.
    Ich hätte dich genauso in den Armen halten können, aber eben nur „hätte”. Das tat sehr weh. Darüber denke ich heute schon den ganzen Tag nach.
    Wird es mir jetzt immer so weh tun, wenn ich Laura auf dem Arm halte? Sollte ich Abstand von ihr nehmen? Oder wäre gerade DAS, das Falsche? Wie wird es erst sein, sollte ich wieder schwanger werden? Wie wird es sein, wenn ich dann dieses Kind in mir spüre – wenn es dann strampelt in meinem Bauch? Was werde ich fühlen, wenn es dann da ist? Werde ich es als Ersatz für dich sehen? Das wäre nicht gut! Wie werde ich dann damit umgehen, dass ich dieses Kind dann austrage und aufwachsen sehe und dich jedoch niemals?
    Ich weiß, dass dies einige Fragen sind, die mich jetzt noch nicht beschäftigen sollten, da ich die Antwort sowieso erst bekommen werde, wenn es soweit ist. Aber sie haben mich heute trotzdem den ganzen Tag beschäftigt.
    Ich hätte heute viel Liebe und Zuneigung gebraucht, aber ich konnte es nicht zeigen. Vielleicht will ich mich ja immer noch bestrafen, denn du wirst ja auch niemals Liebe und Zuneigung spüren können. Geschweige denn, vom Leben überhaupt …!
    Ich sah Laura lachen, spielen und weinen. Alles Dinge, die du niemals tun wirst. Ich weiß, dass ich es jetzt nicht mehr ändern kann, aber vielleicht ist ja gerade DAS das Schlimme. Ich weiß, ich kann es beim nächsten Mal nur besser machen aber wird mir das reichen? Es beim „nächsten Mal” besser zu machen? Es wird reichen müssen, das weiß ich.
    Oh man, Tage wie heute hasse ich. Ich möchte dir auf jeden Fall noch mal sagen, dass ich dich von ganzen Herzen liebe mein/e kleine/r Pascal. Ich denke sehr oft an dich und ich vermisse dich wirklich sehr …
    Deine, dich über alles liebende Mama

    23.09.2001
    Nun Pascal – mein Kleines. Momentan habe ich eine Zeit, in der ich dich wahnsinnig vermisse.
    Es sind immer wieder so viele Momente, in denen ich einfach nur weinen möchte. Ab und zu rutscht mir auch eine Träne raus, die ich sofort wieder weg wische.
    Am 04.02.02 hätte ich dich schon in den Armen gehalten – auch wenn dein Papa meint, du hättest dir bis zu seinem Geburtstag (12.02.) Zeit gelassen. Aber nein – ich habe ja alles versaut …!
    Mich zieht es momentan so stark zu Laura hin. Am Liebsten würde ich sie den ganzen Tag bei mir haben. Ich denke aber, deinem Papa wäre es zu stressig und deswegen frage ich ihn gar nicht erst, ob wir Laura holen und für ein paar Stunden mit zu uns nehmen. Oder Mal für einen Tag oder so. Kann ihn irgendwo auch verstehen. Er hat dich ja auch verloren und warum sollte er sich dann einem ”fremden” Kind widmen. Vielleicht lässt Laura ihn ja auch an dich denken. Ich weiß es nicht. Vielleicht sollte ich mal mit ihm darüber reden …
    Oh Gott, du fehlst mir so wahnsinnig. Wahrscheinlich würde ich nun schon deine Bewegungen spüren können. Ich hätte wahrscheinlich sogar schon Sachen für dich gekauft, so wie ich mich kenne.
    Aber mit dem Ganzen muss ich jetzt wohl fertig werden. Habe mich ja selbst dafür entschieden. Du fehlst mir! Du fehlst mir wirklich. Ich vermisse dich wahnsinnig! Ich liebe dich Pascal mein Baby …
    Deine, dich über alles liebende Mama

    04.10.2001
    Hallo kleine/r Pascal! Eigentlich wollte ich dir nur sagen, dass ich etwas festgestellt habe. Ich erzählte dir, dass ich nicht mehr so häufig an dich denke. Das ist auch richtig so aber dafür ist es mittlerer Weile so, dass in der Zeit, in der ich an dich denken muss, meine Gefühle sehr intensiv sind. Ich kann nicht Schmerz dazu sagen. Es ist einfach nur Herzklopfen, ein wenig Stechen und ein wenig Ziehen. Vielleicht starke Sehnsucht, ich weiß es nicht.
    Als ich das erste Mal lange Zeit von meiner Oma getrennt war, die ich wirklich über alles liebe und wir sie dann besuchen fuhren – dieses Herzklopfen vor lauter Aufregung, wenn man nur noch wenige Meter hat bis man sich sieht. So ein Gefühl habe ich im Herzen, wenn ich an dich denke. Und das macht mich noch verrückt, dass ich nicht weiß warum, bzw. welches Gefühl das sein soll.
    Es ist, als wärst du noch in mir und ich freue mich auf den Geburtstermin. Aber ich weiß ja, dass es nicht so ist und trotzdem habe ich dieses Gefühl, dass sich einfach nicht richtig beschreiben lässt.
    Vielleicht kann ich es dir ja später mal erklären. Werde es hoffentlich noch rausfinden.
    Also bis dann mein Baby!
    Deine, dich über alles liebende Mama

    08.10.2001
    Hallo mein Kleines! Ich habe endlich rausgefunden, was das für ein Gefühl ist, dass ich ständig spüre, wenn ich an dich denke. Es ist tatsächlich Schmerz.
    Ich weiß nicht warum und wieso gerade jetzt, aber es wird immer intensiver. Ich träume ständig von irgendwelchen Leuten, die mir ihr Baby geben. Nicht zum aufpassen, sondern ganz. Ich wache auf und es tut unheimlich weh.
    Die Situationen im Laufe eines Tages in denen ich an dich denken muss werden immer häufiger. Und es tut wirklich richtig weh! Nicht so, wie am Anfang. Anders, irgendwie schlimmer. Der Schmerz sitzt tiefer! Ich kann ihn nicht mehr so schnell und einfach wegstecken.
    Das Schlimme an dem Ganzen ist, dass ich das Gefühl habe, der Schmerz würde nie vergehen, weil er so tief sitzt. Aber das ist wohl mal wieder etwas, wo man einfach durch muss.
    Aus momentaner Sicht war es absolut bescheuert, dich abtreiben zu lassen. Aber die Entscheidung traf ich ja bereits – akzeptieren ist wohl das Zauberwort.
    Ich vermisse dich sehr stark. Ich spüre, wie meinem Herzen ein Teil entrissen wurde, der nie mehr zurückkehren wird.
    Deine, dich über alles liebende Mama

    12.10.2001
    Hallo mein Spatz! Gestern waren es drei Monate seit der Abtreibung und mir kommt es schon ewig vor. Aber egal!
    Gestern habe ich „Schnulleralarm” im TV gesehen. Da geht es um Pärchen, die ein Baby erwarten und und und …
    Habe eine Geburt gesehen und die Eltern danach. War ein echt beschissenes Gefühl. Zu allem Überfluss habe ich heute Nacht auch noch von dir geträumt. Dein Papa hat sich um dich gekümmert und ich war ständig auf Achse. Auf einmal konntest du schon reden und sagtest „Cindy” statt „Mama” zu mir. Ich hatte die ganze Zeit mit dir verloren! Dann bin ich aufgewacht …
    Du kannst dir also sicher vorstellen, wie es mir heute geht. Seit einiger Zeit nun schon, fehlst du mir so richtig extrem. Ich dachte eigentlich, dass es mit der Zeit weniger wird aber da habe ich mich wohl getäuscht.
    Ich vermisse dich wahnsinnig und dieses Kribbeln im Herz, dieser ständige Schmerz beim geringsten Gedanken an dich will und will nicht aufhören! Ich streite ständig mit deinem Papa, denn so kann ich wenigstens die ganzen Gefühle rauslassen. Ich weiß, das ist mächtig unfair ihm gegenüber aber es ist der einzige Weg den ich gefunden habe, alles rauszulassen.
    Zur Zeit weine ich auch wieder wegen dem mit dir. Da ist so viel was raus will. Ich hoffe, es wird bald besser.
    Deine, dich über alles liebende Mama

    15.10.2001
    Hallo mein Baby …! Ich habe am Wochenende wieder auf die zwei Kleinen aufgepasst. Ehrlich gesagt ist es mir sehr schwer gefallen, mich von Laura wieder zu trennen. Habe auch den Satz: „Das könnte leicht DEINE sein!” öfter gehört. Hat jedes Mal gestochen wie die Hölle.
    In solchen Momenten, wenn mich dann jemand fragt, wann ich denn ein Baby möchte, könnte ich schreien.
    Bin heute echt nicht gut drauf und vielleicht deswegen etwas weniger …
    Deine, dich über alles liebende Mama

    10.11.2001
    Hallo mein Kleines! Ich habe dir mal wieder seit Ewigkeiten nicht geschrieben. Das heißt allerdings nicht, dass ich nicht an dich gedacht habe. Das habe ich mehr als nur einmal.
    Ehrlich gesagt fällt es mir immer schwerer das alles hier einfach in eine Schublade zu schieben. Ich kann es zwar hinein tun, aber sie geht einfach immer wieder auf. Ich weine mehr als einmal täglich, weil ich an dich denke – sind wohl Depressionen, schätze ich.
    Ich bin unheimlich sensibel geworden. Irgendwie könnte ich zur Zeit wegen allem heulen. Natürlich nicht vor anderen, da bin ich stark und immer gut drauf. Doch jede Minute, in der ich alleine bin, bringt mich zum heulen. Selbst der Weg zu Arbeit – natürlich nicht immer aber oft genug.
    Ich kann den Schmerz oder auch dieses Gefühl nicht in Worte fassen. Es ist einfach unbeschreiblich. Ich bin kein Mensch, der sich zu anderen stellt und jammert. Aber ehrlich gesagt fällt es mir immer schwerer, mich nicht einfach irgendwo hinzustellen und zu schreien: „Ich habe mein eigenes Baby töten lassen!”
    Natürlich, du warst noch nicht geboren aber warst du nicht trotzdem schon ein Mensch? Ich denke schon und das macht es wirklich nicht leichter …
    Deine, dich über alles liebende Mama

    21.11.2001
    Hallo mein kleiner Schatz! Ich weiß, ich schreibe dir immer seltener aber ich denke deswegen nicht weniger an dich!
    Im Gegenteil! Bald ist Weihnachten! Ich habe das Schmerzensgeld vom Unfall bekommen. Knapp über 12.000,00 DM Tja, jetzt bin ich schuldenfrei. Einer der Gründe, warum ich mich gegen dich entschieden habe, ist somit weg.
    Dein Termin wäre erst am 04.02.2002 also hätte ich jetzt genug Zeit gehabt, Geld für dich zu sparen. Das ist wirklich ein Scheißgedanke! Ich kann es ja positiv sehen, falls ich wieder schwanger werden sollte, gibt es keinen finanziellen Grund mehr.
    Du fehlst mir so sehr! Ich könnte jedes Mal schreiben, wie weh es tut, Mütter mit ihren Kindern zu sehen. Aber ich bin es leid! Ich habe den Schmerz akzeptiert. Ich weiß er wird bleiben …
    Ich habe Tage, da denke ich du bist in mir. Klar, kein dicker Bauch zu sehen aber so stark der Wunsch, ich hätte dich behalten, dass es sich wirklich so anfühlt. Ich versuche mich aus dieser Traumwelt schnellstens zurück zu holen. Ich habe angst davor, sollte ich diese Vorstellung auch nur eine Sekunde zu lang zulassen, behalte ich sie einfach für immer. Quasi nen fetten Knacks weg …!
    Deine, dich über alles liebende Mama

    28.11.2001
    Ich will dich zurück … !!! Die Stimme in mir wird immer lauter und lauter.
    Es wird immer schwerer beim Gedanken an dich nicht einfach los zu heulen. Ständig muss ich daran denken, wie es sich jetzt anfühlen würde, wenn du noch da wärst. Immer öfter tut mir mein Unterbauch weh.
    Nichts werde ich je so bereuen, wie diese verdammte Entscheidung am 11.07.2001!!!
    In der Arbeit gebe ich zur Zeit laufend den Liefertermin 04.02.02 ein. Das war dein Geburtstermin verdammt noch mal.
    Ich kann kein Baby weinen hören. Es macht mich krank! Es macht mich sauer! Eigentlich liebe ich Kinder und ich hatte nie ein Problem. Und jetzt? Ich vermisse dich so … ! Warum verdammt noch mal kann ich es nicht rückgängig machen?
    Ich liebe dich mein Baby
    Deine, dich über alles liebende Mama

    17.12.2001
    Hallo mein kleiner Schatz! Heute ist ein bedeutender Tag.
    Ab heute gibt es den Euro. Weg ist die DM! Und das tollste … Heute in einer Woche ist Weihnachten … - OHNE dich! Super, oder … ? Schon jetzt wird mir schlecht, wenn ich nur daran denke!
    Es vergeht immer noch kein Tag an dem ich nicht an dich denke. So gern würde ich reden, aber mit wem? Ich würde gern mit deinem Papa reden, aber er möchte nicht. Er will vergessen! Wenn ich das doch könnte, dann wäre das alles nicht so schwer.
    Du fehlst mir so sehr, dass ich es mit Worten gar nicht umschreiben kann. Und es tut weh! Immer noch und immer wieder und so stark! Ich hätte vorher wissen müssen, dass ich niemals mit der Abtreibung zurecht komme. Ich wollte doch schon immer ein Kind. Selbst Schuld, was!?
    Jetzt macht es mich ganz langsam kaputt und ich schaue zu. Ich kann nichts tun und ich will auch gar nicht, denn diese Strafe habe ich verdient. Dafür, dass ich so leichtfertig mit deinem Leben umging!
    Deine, dich über alles liebende Mama

    21.12.2001
    Hallo mein kleiner Schatz! In drei Tagen ist Weihnachten. Wahnsinn!
    Gestern hat meine Mum, also deine Oma, meinen BMW zu Schrott gefahren. Ich hatte einen platten Reifen und bin ein gutes Stück ohne Luft gefahren. Seit dem war der BWM sehr schwammig zu fahren. Ich hätte einen neuen Reifen aufziehen lassen müssen aber das habe ich erst danach erfahren.
    Wir haben Auto´s getauscht, weil sie sich ein Autoradio zu Weihnachten wünscht und ich es gleich einbauen lassen wollte. Gott sei Dank ist ihr nichts passiert! Habe mir gleich Gedanken gemacht.
    Wäre es bei mir auch so glimpflich ausgegangen? Wäre ich mit dir schwanger gewesen, hätte ich dich dann verloren? Aber Fakt ist, es ist meiner Mum passiert und es ist nur materieller Schaden! Darüber bin ich sehr froh!
    Jetzt muss ich mich nach nem neuen Auto umschauen. Das Ganze zeigt mal wieder, dass man alles Materielle ersetzen kann – aber es gibt nur dieses eine Leben! Es wird uns geschenkt und wir sollten sehr darauf aufpassen.
    Dir habe ich es leider gar nicht erst geschenkt – leider. Der Weg mit dir würde mir sicher leichter fallen als ohne dich. Ich vermisse dich sehr stark mein/e kleine/r Pascal!
    Deine, dich über alles liebende Mama

    06.01.2002
    Hallo mein kleiner Engel! Tja, Weihnachten ist vorbei …
    Es war nicht so schlimm, wie ich dachte. Dadurch, dass dein Papa und ich viel im Stress waren, waren die Gedanken an dich oft nur kurz. Sylvester war wesentlich schlimmer.
    Ich hatte viel Zeit zum Nachdenken – obwohl Leute um mich rum waren. Die Tante von deinem Papa hat mich gefragt, ob ich noch etwas essen möchte. Ich habe den Bauch rausgestreckt und gesagt: „Nein danke! Ich bin voll wie du siehst!” Sie meinte, es sähe aus, als wäre da ein kleiner Patrick drin.
    Das war ein Schlag mit einem Baseballschläger mitten ins Gesicht. Ich habe es natürlich nicht gezeigt. Wollte ja niemandem die Stimmung versauen. Aber es hat wirklich sehr weh getan.
    Theoretisch könnte ich dich in einem Monat schon in den Armen halten. In meiner Phantasie tue ich dies auch sehr oft. Aber leider wird das eben nur Phantasie bleiben.
    Ich vermiss dich wirklich sehr. Es ist so schwer zu beschreiben, was ich fühle, wenn ich an dich denke. Es sind Schmerzen und Freude zugleich. Ich weiß nicht, ob du das verstehst, denn es fällt mir selbst schwer. Im Moment könnte ich weinen bei dem Gedanken ich könnte jetzt genauso hier sitzen und dich spüren. Deine Bewegungen und deinen Körper. Wie gern würde ich es einfach ändern.
    Corinne – meine Tante, die nur einen Monat älter ist als ich - hat vor Kurzem entbunden. Sie hat sich für ihr Kind entschieden. Warum tat ich es nicht? Warum nur?
    Deine, dich über alles liebende Mama

    11.01.2002
    Hallo Pascal mein kleiner Engel. Heute ist es genau ein halbes Jahr her und es lässt mir absolut keine Ruhe.
    Bin schon den ganzen Tag schlecht drauf, weil ich die Gedanken einfach nicht los werde. Ich hätte vorher nicht gedacht, dass es mich wirklich niemals los lassen wird. Hätte ich es doch nur gewusst, an diesem Tag genau vor einem halben Jahr, ….
    Du fehlst mir so unendlich und ich kann nichts tun um es zu ändern. Du wirst mir immer fehlen und damit muss ich wohl einfach leben. Ich liebe dich mein kleiner Schatz. Du bist/warst und bleibst immer mein Kind.
    Deine, dich über alles liebende Mama

    01.02.02
    Hallo mein kleiner Schatz. Die letzten Tage war viel los und ich habe viel an dich gedacht.
    Ich war ständig schlecht gelaunt, weil ja dein „Termin” auch immer näher rückt. Heute war ich bei Micha und ihren zwei Kleinen. Habe viel mit Laura gespielt. Sie ist jetzt zehn Monate.
    Seit dem bin ich wieder gut drauf. Weiß zwar noch nicht genau warum, aber es ist so. Ich vermisse dich wirklich sehr und je näher der 04.02. rückt, desto schlimmer wird es.
    Ich hoffe, danach geht es mir besser. Denn mich drückt das wirklich sehr stark runter
    Deine, dich über alles liebende Mama

    16.02.2002
    Hallo mein kleiner Engel! Der 04.02. war der totale Horror.
    Ich war so überempfindlich! Hätte bei jedem Scheiß heulen können. Seit dem ist aber einiges anders. Ich habe mich wohl endlich damit abgefunden, dass ich tatsächlich nicht mehr schwanger bin. Den Gedanken oder auch die Hoffnung konnte ich bis dahin nicht ablegen.
    Ich bin allerdings seit dem extrem reizbar und launisch. Dein Papa ändert sich auch nicht und behandelt mich immer wieder wie Dreck. Zuckerbrot und Peitsche ist anscheinend sein Prinzip. Ich weiß nicht, wie lange ich das noch mitmachen kann. Ich liebe ihn, aber was hilft das, wenn er mir immer wieder weh tut. Aber das soll nicht dein Problem sein!
    Ich werde dich immer vermissen. Das weiß ich jetzt mehr als zuvor. Ich werde auch weiterhin ständig an dich denken müssen.
    Du wirst mir immer fehlen, denn du warst ein Teil von mir. Ein Teil, den ich niemals wieder bekommen werde – für immer verloren habe.
    Ich liebe dich mein Kind. Ich liebe dich über alles …
    Deine, dich über alles liebende Mama

    27.02.2002
    Hallo mein kleiner Engel! Anscheinend habe ich mich geirrt.
    Anscheinend habe ich doch nicht abschließen können. Es läuft wohl jetzt in Etappen. Zwei Wochen gut, zwei Wochen schlecht, oder so. Momentan habe ich wieder eine Zeit in der ich ständig an dich denken muss und es auch ständig weh tut.
    Dazu kommt, dass ich mit deinem Papa gerade einen Streit habe. Einen absolut sinnlosen – aber egal!
    Ich vermisse deine Nähe so sehr. Ich bräuchte momentan so viel Liebe und Zuwendung und es macht mich kaputt, dass ich sie nicht bekomme. Ich habe es so satt ständig beweisen zu müssen, dass ich liebe. Du würdest meine Liebe ohne Rückfragen annehmen. Aber du bist ja nicht mehr da …
    Manchmal wünsche ich mir ich dürfte dich nur ein einziges Mal im Arm halten! Dann denke ich wieder, das würde mich komplett zerstören. Ich kann nicht einmal einschätzen ob es mir das Wert wäre. Der viel größere Schmerz, dich nie mehr halten zu dürfen nachdem ich es einmal tat gegen dieses einmalige Gefühl dich einmal spüren zu dürfen – dich einmal berühren, streicheln, küssen und mit dir kuscheln zu dürfen.
    Ich liebe dich mein Engel
    Deine Mama

    22.03.2002
    Hallo mein kleiner Engel! Ich habe gestern meinen BMW bekommen.
    Dieses Auto ist mein großer Stolz und ich war der festen Meinung, er würde mich aus meinem tiefen Loch holen. In ihm fühle ich mich geborgen – so richtig zu Hause. Aber irgend etwas hat gefehlt und ich habe lange gebraucht um rauszufinden, was bzw. wer! Du warst es! Du hast gefehlt!
    Nur du hättest mein Glück perfekt machen können. Ich hatte schon Momente, in denen ich mich riesig über mein Auto gefreut habe, aber die längste Zeit suchte ich, was denn fehlt.
    Es ist zur Zeit sehr schwer für mich an dich zu denken ohne depressiv zu werden. Du wärst jetzt schon sechs oder sieben Wochen alt und würdest vielleicht schon bewusst lächeln!
    Wenn ich bei Laura bin merke ich, wie sie ganz bewusst meine Nähe sucht und ich genieße das ohne Ende. Doch der Gedanke, du könntest dies auch tun, bringt mich fast um.
    Es ist wirklich schwer für mich endlich zu verstehen, wie sehr ich mir auch wünschte, du wärst bei mir, du wirst es niemals sein! Mein kleiner Engel, du fehlst mir so …
    Deine, dich über alles liebende Mama

    19.05.2002
    Hallo mein kleiner Engel! Dieses Mal ist es wirklich lang her, seit ich dir geschrieben habe.
    Es ist viel passiert, zu viel zum erzählen. Ich ärgere mich gerade, weil ich oft schreibe, wenn es mir wirklich schlecht geht. Heute ist wieder so ein Tag. Zum Davonlaufen …!
    Bin sehr schlecht drauf, denke fast schon depressiv. Und ich vermisse dich wie die Hölle! Du wärst jetzt schon über drei Monate alt – Wahnsinn!
    So oft vermisse ich deine Berührungen, die ich nie spüren durfte – deine Nähe, die ich nie fühlen durfte – Dein Lachen und weinen, das ich nie hören durfte. Bin selbst Schuld, das ist klar und vielleicht macht gerade das das alles so schlimm.
    Ich wäre (glaub ich) soweit, dass ich ein Kind austragen könnte ohne es als Ersatz für dich zu sehen. Aber ernsthaft planen könnte ich das noch nicht.
    Die Gefühle für dich werden nie vergehen – das weiß ich. Die Schuldgefühle jedoch wahrscheinlich auch nicht. Ich weiß ich sollte es endlich akzeptieren und den Tatsachen ins Auge sehen. Aber das ist alles wesentlich leichter gesagt als getan.
    Ich liebe dich mein kleiner Engel. Ich liebe dich wirklich über alles. Ich vermiss dich so und mir tut alles so unendlich leid. So unendlich leid! Mein kleiner Engel, ich hoffe, egal wo du jetzt bist – du kannst mir verzeihen.
    Deine, dich über alles liebende Mama

    05.07.2002
    Hallo mein kleiner Engel. Es ist viel passiert. Mit Deinem Papa bin ich nicht mehr zusammen. Ich wohne wieder bei meiner Mum.
    Dies wird der letzte Eintrag in Deinem Buch sein.
    Natürlich liebe ich Dich immer noch, Du bist mein Kind. Aber ich werde jetzt alles abschließen. Tatsachen kann man nicht ändern und ich muss ein neues Leben aufbauen. In sechs Tagen ist es genau ein Jahr her, dass ich Dich abtreiben ließ. Ein ganzes Jahr habe ich gebraucht, um meine Entscheidung endlich zu akzeptieren.
    Dein Platz in meinem Herzen bleibt für immer, das ist sicher! Auch werde ich weiterhin oft an Dich denken. Geht gar nicht anders. Ich liebe dich mein kleiner Engel. Ich hoffe Deine Seele ruht in Frieden!
    Deine, Dich über alles und ewig liebende Mama

    03.11.2002
    Hallo mein kleiner Engel. Ich wollte abschließen, aber ich kann einfach nicht. Wer weiß warum … . Ich weiß einfach nicht ´wie´?
    Ich denke ständig an Dich und weine immer noch, wenn ich zu lang an Dich denke. Morgen wärst du neun Monate alt geworden. Noch drei weitere und du würdest deinen ersten Geburtstag feiern.
    Du fehlst mir so sehr und es tut so weh mit dieser verdammten Entscheidung zu leben. Manche Lieder lassen mich so stark an dich denken, dass mir sofort die Tränen in die Augen schießen. Wenn jemand zu lang über die Geburt seines Kindes redet, fällt es mir so schwer nicht einfach duchzudrehen.
    Alles dreht sich um Kinder und DU BIST TOT!
    Ich hätte dir das wertvollste Geschenk machen können. Das LEBEN! Aber ich wählte den anderen Weg. Wir hätten es geschafft, wir zwei. Du und ich. Ich weiß es!
    Aber leider weiß ich es erst jetzt.
    Ich vermiss dich so mein kleiner Engel. Ich vermiss dich so sehr. Es vergeht fast kein Tag, an dem ich nicht an dich denke. Ich hätte dir so viel Liebe geben können. Was würde ich nicht tun, dass du wieder bei mir wärst.
    Ich liebe dich mein kleiner Engel. Ich liebe dich, wie eine Mutter ihr Kind, auch wenn du nicht lebst, niemals leben wirst. Ich werde dich ewig lieben und du wirst mir immer fehlen.
    Deine dich über alles liebende Mama

    19.11.2002
    Hallo mein kleiner Engel. Mir geht's zur Zeit gar nicht gut. Ich bekomme dich nicht aus meinem Kopf, egal was ich tue.
    Es tut so unendlich weh. Mir ist klar, dass ich nichts ändern kann. Ich habe mich damals entschieden und damit muss ich leben. Die Frage ist nur ´wie´? Wie soll ich damit leben?
    Ich könnte heulen beim Gedanken an dich. Ich habe ein genaues Bild von dir in meinem Kopf und ich bekomme es nicht raus.
    Vielleicht ist es schwerer für mich, weil Sascha einen Sohn hat. Er und Angie haben sich für ihren Kleinen entschieden. Sascha ist zwar bei mir, aber beide sind mit Sicherheit froh, dass sie den Kleinen haben.
    Sascha ist so unheimlich lieb – ich kann mit ihm über alles reden und er hört mit immer zu. Er wäre der perfekte Papa für dich gewesen. Hätte ich ihn nur früher kennen gelernt, dann hätte ich dich behalten können ohne mir Sorgen machen zu müssen. Aber „hätte” ist nicht und so muss ich schauen wie ich damit fertig werde.
    Mein Problem ist aber, egal was ich versuche, ich schaff es nicht. Ich habe etwas getan, womit ich nicht mehr fertig werde und was ich mir wohl nie verzeihen werde. Ich habe versucht zu verdrängen, mich reinzusteigern, viel mit Kindern zu machen, zu vergessen, zu akzeptieren, zu weinen, … . Nichts funktioniert!
    Es tut weh, dich zu vermissen. Zu wiessen, dass ich dich niemals in den Armen halten werde und ich dich niemals lachen sehen werde. Wäre ich zur Zeit allein, das heißt ohne Sascha, würde ich mich wahrscheinlich verbunkern. Nichts mehr an mich ranlassen. Oder ich würde einfach abschalten. Einfach alle Gefühle weg! Aber das geht nicht, denn ich liebe ihn und dieses Gefühl werde ich mit Sicherheit nicht abschalten, denn es hält mich momentan auf dem Boden.
    Weihnachten kommt! Jeder kauft ein und freut sich. Alle feiern mit ihren Familien und Kindern. Jeder denkt an seine Kinder und die Menschen die ihm Nahe stehen. Es wäre Dein erstes Weihnachten gewesen. „Wäre”!
    Ein Fest der Liebe. Verdammt, was würde ich tun, um die Zeit zurück zu drehen. Ich würde mich anders entscheiden, jetzt da ich weiß, wie bekloppt es war zu denken, dass ich mit so einer Entscheidung je leben könnte. Dass ich auch nur im Ansatz glauben konnte, dass das spurlos an mir vorbei zieht, ist schon Idiotie!
    Im Moment würde ich am Liebsten mein Herz rausreißen, nur um diesen Schmerz nicht mehr spüren zu müssen. Ich hocke hier in der Arbeit und würde am Liebsten heulen, aber ich kann nicht. Wie würde das denn aussehen!? Muss warten, bis ich allein bin, dann … , vielleicht … .
    Ich kann die Hoffnung nicht aufgeben, wenn ich mir ganz fest wünschen würde Du wärst bei mir, dass dann alles wieder gut wird! So blöd wie es klingt, so lächerlich und kindisch. Aber ich kann nicht anders. Du fehlst mir so sehr mein Engel, dass es mir fast das Herz zerreißt.
    Deine dich über alles liebende Mama

    22.01.2003
    Hallo mein kleiner Engel. Ich bin gerade in der Arbeit. Seit gestern denke ich wieder intensiv an dich. Mit intensiv meine ich, fast stündlich.
    Es ist mir richtig unwohl, wenn ich denke, dass ich doch irgendwie froh bin, dass alles so gekommen ist. Der Grund dafür ist allerdings ziemlich egoistisch. Denn ich bin nur froh, weil ich so die Probleme mit deinem Vater nicht habe. Hätte ich dich behalten, würde ich es dir nie sagen, denn du würdest es selbst herausfinden, aber dein Vater ist nicht gerade jemand, mit dem man Kinder haben sollte.
    Dadurch, dass du aber nie auf die Welt gekommen bist, muss ich den Kontakt zu ihm nicht aufrecht halten. Darüber bin ich ziemlich froh. Ganz schön egoistisch, oder?! Ich weiß nicht, ob du das verstanden hättest, wenn du älter geworden wärst, aber ich denke schon. Ich glaube, du wärst ein sehr verständnisvoller Mensch geworden.
    Wäre es besser gewesen, oder ist es so besser? Ich sage anderen immer: „Wenn nach einer Entscheidung, bei der man nicht sicher ist, ob sie richtig war, etwas Gutes passiert, etwas was einen glücklich macht, dann war diese Entscheidung richtig. Denn wer weiß ob du das, was du nach diese Entscheidung erlebt hast, was dich glücklich gemacht hat, auch passiert wäre.”
    Es redet sich leicht. Mir hilft das nicht so richtig weiter. Es ist ein Trost, aber das war es dann auch schon. Ich habe schreckliche Gewissensbisse und ich habe mittler Weile ca. alle zwei Wochen einen Tag, der mich richtig runter reißt. Da holt mich nichts aus den Gedanken an dich raus. Gar nichts!
    Jetzt wärst du fast ein Jahr alt. Mein Gott, was du schon alles machen würdest. Bestimmt würdest du schon laufen und „Mama” sagen und vieles mehr. Wir könnten rodeln fahren und und und …
    Es ist nun schon 1 ˝ Jahre her und ich habe es immer noch nicht geschafft, damit richtig abzuschließen. Langsam bekomme ich Zweifel, ob ich das jemals kann. Vielleicht soll das ja auch so sein. Vielleicht darf man gar nicht damit abschließen, einen Menschen getötet, sein eigenes Kind abgetrieben zu haben. Aber ich denke, das muss jeder für sich entscheiden.
    Ich denke mir oft, du bist dort glücklich mit vielen anderen Kindern mit dem gleichen Schicksal. Ich stelle mir vor, dass dort eine schützende Hand über euch wacht und darauf achtet, dass euch nie wieder etwas Schlimmes passiert, denn das Schlimmste habt ihr schon erlebt (wenn man das so nennen kann).
    Irgendwie beruhigen mich solche Gedanken dass es dir dort gut geht. Ich liebe Dich mein Kleines, auch wenn meine Entscheidung das wirklich nicht gezeigt hat. Sei glücklich, egal wo du jetzt bist. Niemand kann dir mehr weh tun, wenn du es nicht zulässt!
    Deine dich über alles liebende Mama

    04.02.2003
    Hallo mein kleiner Engel. Meine Gedanken sind heute schon den ganzen Tag bei dir. Wie gern hätte ich dich heute froh aus deinem Bettchen geholt, dir einen Kuss gegeben und dir alles gute zum Geburtstag gewünscht. Wer weiß ob du wirklich heute vor einem Jahr auf die Welt gekommen wärst, aber die Ärzte haben diesen Termin errechnet und so sehe ich ihn einfach als deinen Geburtstag. Ich denke, du wärst pünktlich gewesen. Wie die Mama eben.
    Du hättest mich heute früh angelächelt, wie du es jeden Tag getan hättest. Du wärst ins Wohnzimmer gelaufen und hättest dich über deine neuen Spielsachen gefreut. Es könnte so schön sein.
    Eine Entscheidung und mein ganzes Leben hat sich dadurch geändert. Und deines hat gar nicht erst begonnen. Es tut weh. Es tut höllisch weh. Der Gedanke, wie weh ich dir getan habe. Der Gedanke, dass ich dir schreibe und du es nie lesen wirst. Der Gedanke, dich niemals sehen und spüren zu dürfen. Und das Wissen, dass ich ganz allein daran Schuld bin. Es tut wirklich wahnsinnig weh!
    Du fehlst mir, obwohl ich dich nie gesehen habe. Ein Ultraschallbild ist die einzige sichtbare Erinnerung an dich. Der Rest Erinnerung ist nur in meinem Herzen und in meinen Gedanken.
    Deine kleinen Finger werde ich nie berühren. Nie auf dein kleines Näschen stupsen oder in deine großen Augen schauen. Nie dein Lächeln sehen oder dein Lachen hören. Nie werde ich dir bei deinen Hausaufgaben helfen oder wichtige Fragen für dich beantworten.
    Alles zerstört an einem einzigen Tag!
    Ich liebe Dich so sehr mein Kleines und nichts wird dieses Gefühl zu dir jemals zerstören.
    Deine dich über alles liebende Mama

    20.03.2003
    Hallo mein kleiner Engel. Jetzt ist es fast zwei Jahre her und es ist wirklich viel passiert.
    Seit einiger Zeit geht es mir wesentlich besser. Ich war im Internet und habe Informationen über das Thema „Abtreibung” gesucht. Habe viel gefunden und eine Seite hat mir wirklich geholfen. Auf dieser Seite schrieb eine Frau, dass sich viele Frauen nicht zugestehen um ihr Kind zu trauern, da sie ja selbst Schuld sind. Aber man hat ein Kind verloren. Wie, ist im Nachhinein egal. Man darf trauern.
    Ich darf es bedauern und ich soll mich nicht selbst bestrafen. Ich habe diese Seite ausgedruckt und oft gelesen. Ich habe viel darüber nachgedacht und ich habe endlich ehrlich um dich trauern können. Das hat so unheimlich gut getan, dies endlich zuzulassen.
    Mir hat das wirklich sehr geholfen und ich bin froh endlich alle Gefühle ehrlich zulassen zu können und nicht immer zu denken, „Ich darf nicht!”.
    Das hat viel verändert. Ich habe gelernt, zu akzeptieren und meine Depressionen, die ich ca. alle zwei Wochen hatte, sind weg. Es tut so gut wieder Leben zu fühlen.
    Die Gefühle zu dir sind unverändert. Ich liebe dich immer noch. Es fühlt sich nun nur besser an.
    Mit Sascha bin ich so unendlich glücklich. Er gibt mir alles, was ich brauche. Hört mir zu und ist unheimlich lieb. Ich habe den Mann fürs Leben gefunden, da bin ich mir sicher.
    Ein Kuss für dich mein kleiner Engel
    Deine dich über alles liebende Mama

    10.10.2005
    Hallo mein Kleiner Engel. Dies wird nun endlich das Abschlusswort.
    Es ist viel Zeit vergangen. Ich wurde schwanger und habe nun noch einen Engel. Wir haben sie Sky genannt. Sie hat mir den Himmel auf die Erde gebracht.
    Ich hatte lang Angst, dass ich sie als Ersatz für dich sehen würde. Sie ist so wie ich mir dich immer vorgestellt habe. Als wärst du zu mir gekommen um mir endlich „Hallo” sagen zu können.
    Ich weiß, dass sie was ganz Besonderes ist. Genauso wie du. Ich habe dich nicht vergessen und ich habe mir die Seiten die ich dir schrieb oft durchgelesen. Ich weine noch immer wenn ich sie lese, weil es noch immer weh tut.
    Ich habe aufgehört darüber nachzudenken ob meine Entscheidung damals richtig war oder nicht, da ich sie nicht mehr ändern kann. Ich habe gelernt sie zu akzeptieren und daraus zu lernen.
    Ihr zwei habt euren Platz in meinem Herzen genau nebeneinander.
    Sky kam am 12.07.2004 zur Welt. Genau drei Jahre und einen Tag nach dem ich eine schwere Entscheidung getroffen habe. Ich werde nie vergessen wie ich mich an diesem 12.07.2001 fühlte. Die Hilflosigkeit, die Wut, die Verzweiflung, der tiefe Schmerz. Aber ich werde auch nie vergessen wie ich mich am 12.07.2004 fühlte. Glück, Hoffnung und Liebe im Überfluss. Das Leben ist des Wahnsinns Bruder.
    Wenn Sky alt genug ist, werde ich ihr von dir erzählen. Von ihrem großen Bruder oder ihrer großen Schwester. Von meinem Kind das nicht leben durfte und doch so lebendig in mir fühlt.
    Ich liebe dich mein Engel! Ich liebe dich, wie eine Mutter ihr Kind nur lieben kann. Das werde ich tun bis in den Tod. Erst dann wirst du mir nicht mehr fehlen!
    Deine dich über alles und ewig liebende Mama


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