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Da
es sich beim ADS bzw. ADHS mit großer Wahrscheinlichkeit letztendlich um eine Stoffwechselstörung
im Bereich des Neurotransmittersystems des zentralen Nervensystems handelt, sind sich heute die
meisten Fachleute darüber einig, dass in ausgeprägten Fällen in erster Linie eine medikamentöse
Behandlung erforderlich ist. Dennoch ist die medikamentöse Behandlung mit der Substanz
Methylphenidat, das unter das Betäubungsmittelgesetz fällt, in der Fachwelt nicht unumstritten. So
wird von verschiedenen Seiten beklagt, dass Methylphenidat ein Mittel zur sozialen Kontrolle
darstellt und vor allem die Last von Eltern und Erziehern beim Umgang mit diesen Kindern lindern
helfe. Außerdem würde den Betroffenen die Verantwortung für ihr eigenes Tun und Verhalten durch die
Gabe von Pharmaka weitgehend abgenommen. In Deutschland schätzt man, dass täglich rund 50'000 Kinder
mit der Substanz behandelt werden, in den USA sollen es sogar schätzungsweise 5'000'000 Kinder sein.
Das
Methylphenidat wirkt im Bereich der Synapsen und verlängert dort die Wirkdauer der körpereigenen
Neurotransmitter Dopamin, Noradrenalin und eventuell auch des Serotonins. Die Funktion der nicht
optimal wirkenden Neurotransmitter wird also weitgehend normalisiert.
Die
Medikamentenmenge, sowie deren Wirkdauer ist von Patient zu Patient sehr unterschiedlich und muss
individuell herausgefunden werden. In einer mehrwöchigen Einstellphase der Behandlung sind bei den
betroffenen Kindern Rückmeldungen bezüglich ihrer Wirkung, z.B. durch die Lehrer und Eltern, überaus
wichtig.
In
der letzten Zeit an Ratten durchgeführte Versuche, u.a. durch eine Arbeitsgruppe um den Göttinger
Neurologen Gerald Hüther, haben gezeigt, dass die Substanz Methylphenidat bei jüngeren Ratten andere
Wirkungen als bei Älteren zur Folge hat. Sofern den Tieren vor der Geschlechtsreife das Ritalin
verabreicht wurde, gab es deutliche Veränderungen der Dopamin produzierenden Zellen im Gehirn. Diese
Tatsache lässt es als nicht völlig unwahrscheinlich erscheinen, dass die so behandelten Kinder in
späteren Jahren mit einer erhöhten Wahrscheinlichkeit an Parkinson erkranken könnten. Allerdings
muss dabei berücksichtigt werden, dass die Ergebnisse von Tierexperimenten nur bedingt auf den
Menschen übertragbar sind. Da die bisher medikamentös behandelten Kinder zur Zeit nicht älter als
rund 20 Jahre alt sind, liegen natürlich dort noch keinerlei Erfahrungen vor. Das Methylphenidat
wird unter den Markennamen Ritalin von der Fa. Novartis Pharma und
Medikinet von der Fa. Medice vertrieben.
Neben
der medikamentösen Therapie sind unbedingt zusätzliche Maßnahmen und Therapien nötig. Je nach Alter
kommen dabei in Frage:
- Aufklärung über die Krankheit in Familie und Schule
- Beratung des Patienten sowie der Familie, vor allem Festlegen von Strukturen und festen Grenzen
- Verhaltenstherapie, z.B. das Erlernen von neuen Verhaltensstrategien
- regelmäßige sportliche Aktivitäten
- Psychotherapie
Als
ein vielversprechender Therapieansatz hat sich das sogenannte Kombinationstraining erwiesen. Dabei
beteiligen sich Eltern, Lehrer und die betroffenen Kinder gleichermaßen an den Aktivitäten. Ganz
besonders werden regelmäßige und verlässliche Tagesabläufe einstudiert, wobei dem konsequenten
Verhalten in den täglichen Abläufen aller Beteiligter eine große Priorität eingeräumt wird.
Die
Prognose dieser Störung ist nicht allzu gut, da die medikamentöse Therapie nur die Symptome, aber
nicht die Ursachen bekämpfen kann. So geht man davon aus, dass ca. 30% der Betroffenen auch im
Erwachsenenalter verhaltensauffällig bleiben und sogar rund 80% lebenslang mit Restsymptomen leben
müssen.
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