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Aufmerksamkeitsstörung
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Gina Stalljan -
Wenn stillsitzen zur Qual wird
POS / ADS / ADHS
ZusammenfassungUrsache und HäufigkeitSymptome und DiagnoseTherapie und PrognoseErfahrungsbericht
  • GinaLebensgeschichte: «Mein neues Leben in Christus»

  • GESCHICHTEN
    KURZGESCHICHTE
    Dienstag 7.2.2012
    FREI SEIN ? !

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    Was war nur los mit meinem Sohn? Ständig war er aufgekratzt und unruhig, nie konnte er stillsitzen. Vorlesen fand er langweilig und zappelte dabei herum wie ein Clown. Friseurbesuche waren eine einzige Tortur. Nicht nur, weil er nicht ruhig sitzen bleiben konnte, sondern weil ihm scheinbar das Haareschneiden wehtat! Die alltäglichsten Dinge wie Kämmen, Waschen und Anziehen wurden zum Kampf. Gehorsam schien ein Fremdwort zu sein, Ermahnungen wurden lachend und trotzig überhört.

    Ich verstand das einfach nicht. Selbst der Kinderarzt, die Kindergärtnerin oder Pädagogen der Erziehungsberatung, meine Familie und Freunde - alle merkten, dass mit dem Verhalten meines Sohnes etwas nicht stimmte. Zuerst dachte ich, die unglückliche Beziehung zu meinem Partner wäre der Grund. Wie oft hatten wir uns gestritten!
    Aber selbst nach unserer Trennung, in friedlicherer Atmosphäre, änderte sich überhaupt nichts. Anscheinend war ich es, die an allem schuld war.

    Integrationsschwierigkeiten
    Noch schlimmer wurde es, als mein Sohn in den Kindergarten kam. Er suchte natürlich Kontakt zu anderen Kindern. Doch sobald eines nicht mit ihm spielen wollte, fing er an, es zu kneifen, zu beißen oder zu schubsen. Das wiederum führte dazu, dass niemand ihn zum Kindergeburtstag einlud und keiner mit ihm spielen wollte. Es passierte sogar, dass die Kinder vor ihm wegliefen, wenn er auf den Spielplatz kam. Es war zum Verzweifeln!
    Meine Not führte mich zu einem Freund, der mich nicht nur verstand, sondern mir auch half, meine Situation durchzustehen: Jesus Christus. Er half mir Schritt für Schritt mit der großen Last fertig zu werden.
    In ihm fand meine Seele Geborgenheit und mein Herz Ruhe. Ohne diese Zuversicht wäre ich wahrscheinlich verrückt geworden!

    Konzentrationsschwierigkeiten
    Mit der Zeit stellte sich heraus, dass mein Sohn sich nur schwer konzentrieren konnte. Die Schulzeit begann - und neue Probleme kamen hinzu. Ab dem dritten Schuljahr wurden Rechnen und Aufsätze schreiben zu regelrechten Albträumen, die Hausaufgaben zur unendlichen Qual.
    Zu dieser Zeit lernte ich meinen heutigen Ehemann kennen. Wenig später heirateten wir und zogen um, sodass mein Sohn die Schule wechseln musste. Das war gut so, denn die neue Klassenlehrerin hatte ein Herz für seine Problematik. Sie empfahl uns eine pensionierte Rektorin, die ihm Nachhilfestunden geben konnte. Diese Frau erkannte, wo die Ursache der Probleme lag: Es waren die Wahrnehmung, die Vorstellungskraft und schließlich die Umsetzung der Theorie in die Praxis, die ihm schwer fielen.
    Mit viel Mühe schaffte mein Sohn die Versetzung. Er freute sich sehr darüber, obwohl er nicht freiwillig zu den Nachhilfestunden ging. Selbst dieser Schritt war immer wieder mit Kämpfen verbunden.
    Für mich persönlich war aber das Schlimmste, dass mir keiner sagen konnte, was mit meinem Sohn los war. Meine Familie kam schließlich zu der Erkenntnis, dass die Gene seines Vaters schuld sein mussten.

    Das krasse Gegenteil
    Inzwischen hatte mein Sohn einen kleinen Bruder bekommen. Bei ihm war alles anders. Schon als ganz kleines Baby war er ruhig und zufrieden. Sogar das Stillen klappte hervorragend. Nach acht Monaten schlief er durch und war ein richtiger Sonnenschein. Seine ganze Entwicklung war wunderbar normal. Auch in der Erziehung verlief alles viel einfacher. Er war ein sehr offenes und freundliches Kind und knüpfte schon im Alter von zwei Jahren erste Freundschaften. Er liebte es, Bilderbücher anzuschauen, und zeigte mit seinen Fingern die erzählte Geschichte nach. Mein Mann und ich genossen die wunderbar normale Entwicklung unseres Kleinen regelrecht. Nach dieser Erfahrung stand für uns fest: Mein erster Sohn ist ein Opfer der Umstände, und unser zweiter Sohn ein Resultat aus einem harmonischen Elternhaus!
    Schon bald wuchs in mir der Wunsch nach einem weiteren Kind, und tatsächlich kündigte sich wenig später Nachwuchs an. Eine große Überraschung bahnte sich an: Wir würden Zwillinge bekommen! Welch eine Freude! Wir stellten uns seelisch und häuslich auf zwei liebe, süße Babys ein.

    Vom Regen in die Traufe
    Unsere Zwillinge wurden vier Wochen zu früh, aber kerngesund geboren. Ein Junge und ein Mädchen. Doch siehe da, von Anfang an merkte ich dieselben Entwicklungsprobleme wie bei meinem ersten Sohn. Nur diesmal in doppelter Ausführung - und das alles trotz anderer väterlicher Gene!
    An einem Sonntag im Gottesdienst wurde zum gemeinsamen Gebet aufgefordert. In meinem Herzen, für andere nicht hörbar, fing ich an, Gott mein Leid zu klagen. Nach einer Weile spürte ich deutlich seine Gegenwart! Zuerst dachte ich, jemand würde vor mir stehen. Ängstlich blinzelte ich, aber niemand war zu sehen. Es war Gottes Nähe, die ich körperlich fühlte, und es war, als würde er sagen: "Mein Kind, ich habe dein Elend gesehen, die ganzen Jahre! Jetzt nehme ich deine Last auf mich und helfe dir! Hab Vertrauen!"

    Der Nebel verzieht sich
    Wenig später freundete sich unser Zwillingssohn mit einem anderen Jungen aus dem Kindergarten an. Sie verabredeten sich, und die Mutter brachte uns den Jungen zum Spielen. Sie warnte mich, wie lebendig und anstrengend ihr Sohn sei, und bat mich, gut auf ihn aufzupassen, da er "ADHS" hätte. "ADHS?", fragte ich sie. "Was ist denn das?" Sie erklärte mir, was es damit auf sich hatte. Ihre Worte trafen voll ins Schwarze. Genau das war es!
    Ein weiteres Aha-Erlebnis hatte ich ein paar Wochen später. Ich unterhielt mich mit einer anderen Mutter im Wartezimmer einer Ergotherapie-Praxis. Wieder ging es um ADHS. Sie lieh mir ein Buch über das Syndrom aus. Beim Lesen kam es mir vor, als würde jemand eine Maske von den Gesichtern meiner "Problemkinder" herunterziehen. Immer deutlicher stellte sich das eigentliche Problem, die eigentliche Ursache des Fehlverhaltens heraus. Ein winziger, kleiner Botenstoff im Gehirnwasser fehlte. Jener "Transmitter", der für eine fehlerlose Übertragung von der Aufnahme eines Sinneseindrucks bis zur Umsetzung sorgt.

    Endlich klar sehen
    Nachdem ich das Buch gelesen hatte, hatte ich ein ausgiebiges Gespräch mit meinem Mann über unsere Situation. Wir beteten gemeinsam, dankten Gott von ganzem Herzen für diese "Aufklärung" und legten die Zukunft unserer Kinder bewusst in seine Hände.
    Endlich erkannte ich, dass das Verhalten meiner Kinder nicht meine Schuld war! Aufgrund ihrer Wahrnehmungsstörung konnten sie nicht anders. Sie brauchten Hilfe! Die Mutter, die mir das Buch ausgeliehen hatte, empfahl mir einen Arzt, der Erfahrung in der Behandlung von Kindern mit ADHS hatte. Der Arzt stellte bei beiden Zwillingen nicht nur das Aufmerksamkeitsdefizit-Syndrom fest, sondern auch zusätzlich Hyperaktivität. Erleichternd waren die guten Ratschläge für den Umgang mit den Kindern. Als wir die Kinder zur Schuluntersuchung vorstellten, konnten wir die neuen Erkenntnisse dort direkt mit einbringen.

    Gezielte Förderung und Hilfe
    Nach langem Überlegen legten wir auch die künftige Schulform für unsere Kinder in Gottes Hand. Es fiel mir bestimmt nicht leicht, einen Antrag auf sonderpädagogische Förderung zu stellen. Doch tief in meinem Herzen wusste ich, dass dies der richtige Weg für die Kinder war. Da sie in logopädischer Therapie waren, wurde für sie die Sprachheilschule unseres Kreises empfohlen. Schon beim ersten Untersuchungstermin fühlten sich unsere Zwillinge "sauwohl"! Wegen der starken ADHS-Struktur der beiden empfahl unser Arzt zusätzlich eine medikamentöse Behandlung. Wir hatten vier Wochen Zeit, um uns zu entscheiden, und legten das Für und Wider in Gottes Hände. Schließlich hatten wir auf wunderbare Weise gelernt, ihm in allen Dingen zu vertrauen. Nach einiger Zeit hatten wir die Gewissheit, dass es das Beste für unserer Kinder sei, dem Vorschlag des Arztes zu folgen.
    Unter Gebet gaben wir ihnen die ersten, halben Tabletten und warteten gespannt ab. Zum ersten Mal im Leben spürte meine Tochter, dass ihr kalt war (nackte Arme und Füße im Winter waren keine Seltenheit) und zog sich wärmer an (selbstständig und ohne Ermahnung). Sohn und Tochter spielten miteinander - ohne zu streiten! Sie beschäftigten sich jetzt auch mit ihren Vorschulheften.

    Ein Herz voll Dank
    Ich kann Gott nur dafür danken, dass er uns die Augen geöffnet und uns geholfen hat. Durch die Diagnose, die Therapie und das tägliche Gebet für die Kinder hat sich unsere familiäre Atmosphäre völlig entspannt und verändert. Ich weiß, dass Gott uns nie im Stich lässt. Wir können uns sicher sein, dass er uns immer genug Kraft schenkt, um schwierige Zeiten durchzustehen. Darum kann ich voller Dankbarkeit sagen: "Mein Herz freut sich, dass du so gerne hilfst" (Psalm 13,6).

    Gina Stalljann, verheiratet und Mutter von vier Kindern, arbeitet in der Frauen- und Kinderarbeit ihrer Gemeinde mit.

    Aus:
    Lydia, die christliche Zeitschrift für die Frau.
    Lydia Verlag, Asslarer Weg 8, 35614 Asslar,
    Telefon: 06443-83010, www.lydia.net.
    Mit freundlicher Genehmigung.
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