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Um
zu verstehen, warum der Alkohol auf der einen Seite beruhigend, erheiternd
und schmerzstillend wirkt, auf der anderen Seite aber den Menschen auch in
Abhängigkeit, Sucht bis hin zu körperlichem und geistigem Verfall treiben kann,
ist es notwendig, die Wirkungen des Alkohols im Körper zu verstehen.
Alkohol
ist ein Zellgift, das heißt, nach jedem Alkoholgenuß muss der Körper
den aufgenommenen Alkohol abbauen, um den Schaden zu begrenzen. Ein halber Liter
Bier (4%) enthält etwa 20 g reinen Alkohol (Ethanol). Schon in Mund und
Speiseröhre werden geringe Mengen davon aufgenommen, im Magen noch einmal ca. 2
g, und der Rest gelangt über den Dünndarm ins Blut. Wie gut Alkohol aufgenommen
wird, hängt hauptsächlich von der Nahrungszusammensetzung und -menge sowie vom
Geschlecht ab. Beim "sozialen Trinken", also einem Glas Wein zum Essen, erreicht
der Alkohol beispielsweise erst gar nicht den Dünndarm, sondern wird bereits im
Magen durch die dort vorhandene Alkoholdehydrogenase abgebaut.
Werden
aber größere Mengen Alkohol auf nüchternen Magen getrunken, gelangen
diese recht schnell in den Dünndarm, dessen große Resorptionsfläche dann für
eine vollständige Aufnahme sorgt. Über das Blut wird der Alkohol dann zur Leber
transportiert, dessen Alkoholdehydrogenase mit einer Verzögerung von 1 bis 2 h
nach der Alkoholaufnahme mit konstanter Geschwindigkeit mit dem Abbau
beginnt.
Da
Alkohol einen recht hohen Brennwert hat, decken Trinker mit ihm
einen beachtlichen Anteil ihrer täglichen Kalorienzufuhr. Sein Brennwert liegt
mit 7 kcal./g zwischen dem von Fetten (9,1 kcal./g) und denjenigen von
Kohlenhydraten bzw. Proteinen (4,1 kcal./g). Alkohol verdrängt Fette und
Kohlenhydrate aus der Energiebedarfsdeckung und führt darüber hinaus zu
Vitaminmangel, besonders der Vitamine des B-Komplexes. Gleiche Alkoholmengen
wirken bei Frauen oft schneller als bei Männern. Dies hat zwei Ursachen.
Aufgrund ihres höheren Anteils an Fettgewebe verfügen Frauen über ein größeres
Verteilungsvolumen, ein Depot also, von dem aus der Alkohol über einen längeren
Zeitraum ins Blut übertreten kann. Darüber hinaus ist die Aktivität der
magenständigen Alkoholdehydrogenase bei Frauen geringer, d.h. es gelangt nahezu
die gesamte getrunkene Alkoholmenge auch ins Blut.
Die
Wirkungen des Alkohol auf den Organismus sind vielfältig: Alkohol hemmt
in der Hirnanhangsdrüse (Hypophyse) die Ausschüttung des antidiuretischen
Hormons Vasopressin, dessen Aufgabe es ist, den Flüssigkeitsverlust über die
Nieren zu begrenzen. Zusammen mit einer erheblichen Wasserüberladung, besonders
bei Bierkonsum, führt diese Hemmung zu einem gesteigerten Harndrang. Alkohol
fördert die Bildung von Harnsäure, einem Abbauprodukt der Purine, die mit
fleischhaltiger Nahrung und koffeinhaltigen Getränken aufgenommen werden. Eine
Anlagerung von Harnsäurekristallen in den Gelenken kann häufig Folge einer
durchzechten Nacht sein. Da die Leberzellen nach Alkoholgenuß mit dem Abbau des
aufgenommenen Alkohols "beschäftigt" sind, geraten andere Stoffwechselprozesse
aus dem (Redox-) Gleichgewicht. Davon betroffen ist auch die Bereitstellung von
Glukose für die übrigen Organe des Körpers, besonders für das Gehirn. Alkohol
verursacht auf diese Weise einen Abfall des Blutglukosespiegels (Hypoglykämie),
deren Folgen Kopfschmerzen und Gereiztheit, im Extremfall auch Bewußtlosigkeit
und Koma sein können.
Die
Verschiebung des Redoxgleichgewichtes in den Leberzellen, aber auch die
Wirkung des giftigen Zwischenprodukts Acetaldehyd aus dem Alkoholabbau bewirken
eine vermehrte Bildung von Fetten, die die Leberzellen nicht mehr ausschleusen
können. Eine Verfettung der Leber ist die Folge, die nach fortgesetzter
Schädigung durch das Gift Alkohol ihre geschädigten Zellen durch Bindegewebe
ersetzt. Diese Leberzirrhose mit folgendem totalen Ausfall der Leberfunktionen
sowie Leberkrebs bezeichnen das Endstadium eines chronischen
Alkoholmißbrauchs.
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