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Alkoholmissbrauch und seine Folgen - Kinder aus alkoholbelasteten Familien
ALKOHOLISMUS
ZusammenfassungEinteilung und SymptomeWirkungsweiseAlkoholabbau (MEOS)Folgen
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    Samstag 4.2.2012
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    Einführung: Dass Alkoholbelastungen in der Familie ein Risiko für die Entwicklung der Kinder der nächsten Generation darstellen, ist seit langem bekannt. Dennoch wurde dieses Problem überwiegend ignoriert und geleugnet, so dass die diesbezügliche Forschung am Anfang des 21. Jahrhunderts, speziell in Deutschland, weit hinter den Notwendigkeiten zurückliegt. Der vorliegende Beitrag vermittelt daher zunächst grundlegende Ergebnisse der bisherigen Forschung, die überwiegend aus den USA kommt.

    Überblick: Kinder alkoholabhängiger Eltern weisen insgesamt ein erhöhtes Risiko auf, in Bezug auf eine spätere Suchtstörung sowie Verhaltens- und Erlebnisstörungen in der Kindheit und Jugend. Kinder von Suchtkranken wurden wiederholt in der Forschung als die größte Risikogruppe bezüglich der Entwicklung einer eigenen Suchterkrankung identifiziert und mit ihren Risikomerkmalen ausführlich beschrieben. Diese Gefährdung naher Familienangehöriger im Umfeld von Suchtstörungen ist bereits seit langem bekannt. Nachdem in der Antike Plutrach (= griechische Philosoph und Historiker der hellenistisch-römischen Zeit) den Leitsatz "Trinker zeugen Trinker" prägte, begann seit dem 18. Jahrhundert, ausgelöst durch die Ginepedemie in England und wenig später durch weitere Alkoholkrisen in den Ländern der frühen industriellen Revolution, eine systematische Beschäftigung auch mit den familiären Risiken des Alkoholismus. In einem für die damalige Zeit beeindruckenden Sammelreferat hat Oort (= niederländischer Astronom) den Stand der epidemiologischen und experimentellen Forschung zum Einfluss elterlichen Alkoholmissbrauchs auf die folgende Generation zusammengefasst. dennoch gerieten die Probleme der Kinder in suchtbelasteten Familien immer wieder in Vergessenheit.

    Erst seit den siebziger Jahren des 20. Jahrhunderts ist eine nennenswerte empirische Forschung zu diesem Thema zu verzeichnen, vorrangig in den USA und in Skandinavien. In einer inzwischen klassischen Überblicksarbeit hatte Goodwin zusammenfassend analysiert, dass 25% der Väter und Brüder alkoholabhängiger Patienten ebenfalls alkoholabhängig sind. 80% der engen biologischen Verwandten klinisch behandelter Alkoholiker weisen eine Lebenszeitprävalenz für Alkoholproblemen auf. Das Zusammenleben mit einem alkoholabhängigen Elternteil wird von den meisten Kindern als stresshafter Zustand empfunden. für die Familie als Ganzes besteht eine größere Exposition gegenüber Stressoren. Wenn diese dauerhaft vorherrschen und als nicht veränderbar wahrgenommen werden, kann von Duldungsstress, wenn es zu krisenhaften, bisweilen traumatischen Ereignissen kommt, von Katastrophenstress gesprochen werden.

    Es gilt als erwiesen, dass Alkoholabhängige überzufällig oft aus Familien stammen, in denen bereits Vater bzw. Mutter oder beide Elternteile abhängig waren. Eine amerikanische Übersichtsstudie zeigte, dass von knapp 4'000 alkoholabhängigen Personen 30,8% einen abhängigen Elternteil aufweisen. Eine Langzeitstudie über einen Zeitraum von 33 Jahren brachte für erwachsene Kinder aus Suchtfamilien in 28% der Fälle eine Diagnose für Alkoholabhängigkeit. Männer mit einen alkoholabhängigen Vater hatten mehr als doppelt so häufig eine Alkoholabhängigkeit als Männer ohne abhängigen Vater.

    Man geht dabei heute von einer "doppelten Vererbung" aus. Einerseits spielt sicher die genetische Veranlagung eine Rolle. Mindestens so wichtig ist aber auch das Erlernen von Suchtverhalten. So geben Eltern ihr Erbe gleich doppelt an die Kinder weiter.

    Kinder aus alkoholbelasteten Familien stellen also eine Risikogruppe dar. Das Risiko für Kinder, selbst an einer Alkoholstörung zu erkranken, ist bis zum Sechsfachen erhöht. Mehr als 30% von ihnen werden selbst im Laufe ihres Lebens alkoholabhängig. Kinder aus alkoholbelasteten Familien stellen somit die größte Risikogruppe bezüglich der Entwicklung von Suchtstörungen dar. Kinder alkoholkranker Eltern sind die größten bekannte Risikogruppe bezüglich der Entwicklung von Suchtstörungen ab dem Jugendalter. Ihnen sollten daher besondere Anstrengungen im Bereich Früherkennung und Frühintervention gelten. In der Praxis werden diese in ihrer Lebenssituation oft nicht erkannt und erhalten dementsprechend keine frühzeitigen Hilfen.

    Quelle: Mit freundlicher Genehmigung von www.alkohol.schwarz-netz.de
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