|
Die Krankheit lässt sich am besten durch das Erleben der Betroffenen
beschreiben. Sie geraten sehr schnell in heftige Gefühlszustände, die sie häufig
nur schwer oder gar nicht kontrollieren können. Es kann zu einem intensiven
Erleben etwa von Verzweiflung, Einsamkeit, Ärger oder abgrundtiefer Angst
kommen. Kleine Auseinandersetzungen im Kontakt mit Anderen können zu
heftiger Wut führen. Betroffene neigen dazu, die Menschen ihrer Umgebung
in Schwarz und Weiss einzuteilen: Entweder ist ein Mensch nur gut oder
nur schlecht. Grautöne wahrzunehmen fällt ihnen schwer. Dies führt zu
Problemen im Kontakt mit anderen Menschen. Beziehungen können schnell
sehr intensiv werden, sie werden aber ebenso schnell wieder abgebrochen.
Einige Symptome sind auch als missglückte Selbsthilfeversuche zu verstehen:
Beispielsweise Süchte oder Selbstverletzungen. Die Betroffenen versuchen,
sich damit vor unerträglichen Gefühlen zu schützen. Viele leiden so schwer
unter ihren Gefühlen und Stimmungen, dass sie versuchen, sich umzubringen,
Etwa 10 Prozent aller Menschen mit der Diagnose Borderline nehmen sich
das Leben. Borderline ist also häufig eine tödlich verlaufende Erkrankung, die
nicht unterschätzt werden darf.
Aber mit Borderline sind nicht nur Schwierigkeiten, sondern häufig auch
besondere Fähigkeiten verbunden: Die Betroffenen sind oft sehr kreativ,
lebendig und begeisterungsfähig. Nicht nur negative Gefühle werden sehr
intensiv erlebt, sondern auch positive Gefühle wie Freude oder Liebe. Aber
diese Gefühle können schnell wechseln, und so kann innerhalb kürzester Zeit
aus Freude Verzweiflung oder aus Liebe Wut werden.
Es gibt Symptome, die bei vielen Betroffenen sehr häufig auftreten und
andere, die relativ selten sind. Rund drei Viertel aller Borderline-Betroffenen
haben sich selbst schon einmal verletzt. Meist fügen sie sich mit Rasierklingen
oder anderen Schneidewerkzeugen Schnittverletzungen an den Armen,
Beinen oder am Bauch zu. Aber auch verschiedene andere Formen der
Selbstverletzung wie sich brennen oder Körperteile gegen harte Gegenstände
schlagen, kommen immer wieder vor. Heute werden Borderline-Störung und Selbstverletzungen fälschlicherweise häufig gleich gesetzt. Wer sich selbst verletzt hat aber nicht zwangsläufig auch eine Borderline-Störung. Trotzdem
sind Selbstverletzungen wohl ein typisches Borderline-Symptom wie kein
anderes.
Meist beginnt die Erkrankung in der Jugend oder im frühen Erwachsenenalter.
Zunächst werden häufig andere psychische Erkrankungen wie etwa Essstörungen, Suizidalität oder Sucht diagnostiziert. Da die Symptome immer wieder wechseln können, werden sie nicht gleich als Borderline-Störung erkannt.
Zeitweise leidet jemand beispielsweise an starken Panikattacken, dann treten
Symptome einer Magersucht auf und später kommt es zu Selbstverletzungen
Viele Borderline-Betroffene haben daher verschiedene Diagnosen erhalten,
was auf sie häufig sehr verunsichernd wirkt. Daher erleben viele von ihnen die
Diagnose "Borderline" als Entlastung. Erstmals ergeben all ihre psychischen
Schwierigkeiten zusammen genommen einen Sinn.
| | |