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Lange Zeit galt die Borderline-Störung als eine kaum oder gar nicht behandelbare Erkrankung. Mittlerweile gibt es wirkungsvolle psychotherapeutische Behandlungsmethoden, die aber leider noch zu selten eingesetzt werden.
Untersuchungen zeigen, dass der grösste Teil der Betroffenen die professionelle Hilfe als positiv erlebt. Sie können dank der Behandlung Symptome wie Stimmungsschwankungen, starke Wutgefühle, Selbstverletzungen oder
Suizidgedanken besser kontrollieren.
Borderline ist also mittlerweile eine behandelbare Krankheit, häufig ist sie
sogar gut behandelbar. Da die Borderline-Störung gewissermassen ein Teil
einer Person ist, verschwindet die Problematik allerdings nicht plötzlich,
auch nicht durch Therapie. Es wird jedoch möglich, die Symptomatik besser
zu kontrollieren und sich ihr nicht mehr so ausgeliefert zu fühlen. Schwere
Symptome wie Selbstverletzungen und Suizidversuche klingen unter der
Therapie häufig sogar ganz ab.
Einen guten Therapeuten oder eine gute Klinik zu finden, ist gar nicht so
einfach. Gerade bei der Borderline-Störung empfiehlt sich eine Behandlung
durch eine Fachperson, die sich mit dieser Erkrankung gut auskennt. Im
Idealfall hat sie sogar eine spezielle Zusatzausbildung in einer borderline-spezifischen Psychotherapiemethode. Heute gibt es vor allem zwei Verfahren,
die als wirkungsvoll gelten, und zwar die "Dialektisch behaviorale Therapie"
und die "Übertragungsfokussierte Psychotherapie".
Dialektisch-Behaviorale Therapie
Die Dialektisch-Behaviorale-Therapie (DBT) ist ein hochstrukturiertes Therapieverfahren, das aus verschiedenen Bausteinen besteht. Parallel zur
Einzeltherapie findet eine Gruppentherapie statt, die wiederum aus verschiedenen Gruppenelementen wie Achtsamkeitsübungen, Umgang mit
Gefühlen und Förderung zwischenmenschlicher Fähigkeiten besteht. In der
Einzeltherapie können aktuelle Probleme und Krisen besprochen werden,
während in der Gruppentherapie die Fähigkeiten im Umgang mit der
Borderline-Störung (die sogenannten Skills) trainiert werden. In bestimmten
Situationen gibt es darüber hinaus die Möglichkeit von Telefonkontakten mit
dem Therapeuten. Die DBT findet zumeist im stationären Rahmen statt, wird
aber in einzelnen Elementen auch im ambulanten Bereich genutzt. Der Begriff
Dialektisch (Auflösung von Gegensätzen) bedeutet, dass die Betroffenen in
der Therapie die Schwarz-Weiss-Malerei überwinden und stattdessen lernen,
dass verschiedene Ansichten gleichzeitig richtig sein können. Ausserdem
bedeutet Dialektisch, dass es in der Therapie nicht nur um Veränderung
geht, sondern auch darum, bestimmte Erfahrungen und Erlebnisweisen als
gegeben zu akzeptieren. Mit dem Wort Behavioral wird betont, dass dieses
Therapieverfahren ganz konkret am Verhalten der Betroffenen ansetzt und sich
nicht in erster Linie mit dem Verstehen lebensgeschichtlicher Zusammenhänge
beschäftigt.
Übertragungsfokussierte Psychotherapie
Aus der Tradition der Psychoanalyse entwickelte sich die Übertragungsfokussierte Psychotherapie. Im Gegensatz zur klassischen Psychoanalyse
werden nicht frühe Beziehungen analysiert, sondern im Hier und Jetzt wer-
den aktuelle Beziehungsprobleme in der Beziehung zwischen Klient und
Therapeut sichtbar gemacht. Borderlinespezifische Wahrnehmungen und
Verhaltensweisen können so bewusst gemacht und verändert werden. Hier
soll im Verlauf der therapeutischen Behandlung ein stabiles und integriertes
Selbstbild der Patientin aufgebaut werden. Gemeinsam mit dem Therapeuten
arbeitet die betroffene Person zwischenmenschliche Konflikte auf. Dabei lernt
sie, Teile ihrer Persönlichkeit anzunehmen, die sie bisher nicht wahrnehmen
oder leben konnte. Es handelt sich um eine Einzel-Gesprächstherapie, die auf
einen längeren Zeitraum ausgelegt ist.
Die Beziehung muss stimmen
Betroffene sollten sich nicht scheuen, den möglichen Therapeuten nach seinen
bisherigen Erfahrungen und seiner Ausbildung in Bezug auf die Borderline-
Störung zu fragen. Aber nicht nur das vom Therapeuten angewendete
Verfahren entscheidet mit über den Erfolg der Therapie. Besonders wichtig
ist, dass die Beziehung stimmt, sich die Betroffene dem Therapeuten offen
anvertrauen kann und verstanden fühlt. Um das herauszufinden ist es
manchmal notwendig, sich mehrere Therapeuten anzusehen und erst danach
zu entscheiden, bei wem man sich am besten aufgehoben gefühlt hat.
Für viele Betroffene kann auch eine stationäre Psychotherapie oder eine
tagesklinische Behandlung sinnvoll sein. Beide Therapien dauern mehrere
Wochen oder Monate und werden von der Krankenkasse finanziert. Mittler-
weile gibt es verschiedene Kliniken, die eine auf die Borderline-Störung abgestimmte Therapie anbieten. In Krisenzeiten kann auch eine psychiatrische Akutbehandlung notwendig
werden, die in jeder psychiatrischen Klinik durchgeführt werden kann.
Medikamente
Es gibt keine Medikamente, die nur zur Behandlung der Borderline-Störung
eingesetzt werden. Es ist allerdings durchaus möglich, einzelne Symptome
durch Psychopharmaka zu reduzieren Eine mögliche Medikation hängt daher
sehr stark von der gegenwärtig vorherrschenden psychischen Problematik ab.
So können etwa Antidepressiva hilfreich sein, wenn der Betroffene längere
Zeit unter Depressionen leidet, bei psychoseähnlichen Erlebnissen können
Neuroleptika helfen. Auch andere Symptome wie Schlafstörungen oder
schwere Angst können durch Medikamente mitbehandelt werden. Letztlich
können damit fast alle Psychopharmaka unter bestimmten Bedingungen
sinnvoll sein. Aufgrund der bei vielen Borderline-Betroffenen gegebenen
starken Suchtneigung sollten abhängig machende Medikamente wie
Benzodiazepine allerdings nur in absoluten Krisenzeiten genutzt werden.
Welches Medikament im Einzelfall hilfreich ist, lässt sich in einem Gespräch
mit einem Psychiater klären.
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