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Wie entsteht Borderline?
BORDERLINE
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Sonntag 7.9.2008
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«Ist Borderline vererbt? Wenn ich selbst Kinder bekomme, kriegen die dann auch Borderline?» «Was habe ich nur in der Erziehung falsch gemacht, dass meine Tochter krank geworden ist?» Betroffene und Angehörige fragen immer Borderline - Ursachenwieder nach den Ursachen der Borderline-Störung. Sie möchten verstehen, wie es dazu kommen konnte und dadurch Wege finden, um die Krankheit in den Griff zu bekommen.

In den letzten Jahrzehnten wurden die Ursachen der Borderline-Störung sehr intensiv beforscht. Dabei zeigte sich, dass ein sehr großer Teil der Betroffenen in ihrer Kindheit schwere Traumata erlitten hatte. Sexuelle und körperliche Gewalterfahrungen gehören dazu, aber auch Vernachlässigung oder frühe Trennungen von den Eltern, etwa bei einem Todesfall. Aber nicht jeder Mensch, der ein Trauma erlitten hat, entwickelt eine Borderline-Störung und nicht jeder von Borderline Betroffene hat ein Trauma erlebt. Es muss daher noch weitere Einflussfaktoren geben.

Vielfach wird heute angenommen, dass Borderline-Betroffene eine Veranlagung für das Erleben sehr starker Emotionen mitbringen. Negative Gefühle wie Traurigkeit oder Eifersucht werden ebenso wie positive Gefühle, etwa Freude oder Liebe, sehr viel stärker erlebt, als es bei den meisten Menschen der Fall ist. Ausserdem halten diese Gefühle bei den Betroffenen häufig sehr lange an, so dass sie teilweise unerträglich werden. Viele der typischen Borderline- Symptome sind dann Versuche der Betroffenen, ihre Gefühle doch wieder in den Griff zu bekommen.

Heute gehen viele Forscher zudem davon aus, dass ein bestimmter Verhaltensstil der Umgebung an der Entstehung der Borderline-Problematik beteiligt ist. Betroffene wurden in ihrer Kindheit von ihrem sozialen Umfeld in der Wahrnehmung ihrer Gefühle und Eindrücke oftmals nicht unterstützt und bestätigt. Vielmehr wurde ihr Empfinden als falsch, übertrieben oder unangemessen interpretiert. Dies ist beispielsweise der Fall, wenn ein Kind Angst empfindet und das auch ausdrückt, von den Eltern aber die Rückmeldung bekommt, es könne gar nicht sein, dass es Angst habe. Das Kind entwickelt so kein Vertrauen in die eigenen Gefühle. Ein solcher Verhaltensstil wird als "invalidierendes Umfeld" bezeichnet und findet sich in unterschiedlicher Ausprägung in jeder Familie. Wenn die Eltern selbst belastet sind oder ihr Kind zu starker Emotionalität neigt, kann dieser Stil jedoch verstärkt werden.

Borderline-Symptome besser verstehen
Wer direkt oder indirekt von der Borderline-Störung betroffen ist, fragt sich nicht nur, wie diese Erkrankung überhaupt entstehen kann, sondern auch wie es zu den einzelnen Symptomen kommen kann. Selbstverletzungen oder plötzliche Stimmungswechsel wirken zunächst unverständlich und nicht nachvollziehbar. Dabei machen eigentlich alle Borderline-Symptome Sinn, sie sind nämlich oft der Versuch, belastende Erfahrungen zu bewältigen.

DieBorderline - Ursachen - Gewalt Borderline-Symptomatik ist also in gewisser Weise zunächst nicht das Problem, sondern schon der Lösungsversuch des Betroffenen. Wer sich etwa selber schneidet oder auf andere Art verletzt, tut das um unerträgliche Gefühle in den Griff zu bekommen. Am Beispiel der Dissoziationen läßt sich dieser Zusammenhang sehr gut zeigen: Dissoziationen sind Gefühle des Fremden, des Unwirklichen oder des Aussteigens aus dem eigenen Körper. Menschen, die schwere Missbrauchserfahrungen gemacht haben, entwickeln die Fähigkeit, aus ihrem Körper "auszusteigen". Betroffene berichten etwa, dass sie mit viel Abstand beobachtet haben, wie ihrem eigenen Körper Schmerzen zugefügt wurde, ohne diese Schmerzen wirklich zu spüren. Dieses Aussteigen ist ein sehr sinnvoller Versuch des Organismus, den Schmerz erträglich zu halten. Im späteren Leben hält diese Neigung zur Dissoziation unter Umständen jedoch an, das heisst die betroffene Person kann immer wieder in einen solchen Zustand geraten. Nun ist dieser Zustand an sich häufig auch sehr unangenehm, weil sich der betroffene Mensch gar nicht mehr spürt, neben sich steht und den Kontakt zu seinen Wahrnehmungen verloren hat. Das wirksamste Mittel gegen solche Dissoziationen sind Selbstverletzungen, meistens klingt das Fremdheitserleben dann binnen kurzer Zeit ab. Dissoziationen sind also der Versuch, ein ansonsten unerträgliches Trauma zu bewältigen und die Selbstverletzungen wiederum dienen dazu, die Dissoziationen zu beenden. In ähnlicher Weise haben die meisten Borderline-Symptome ihren Sinn, auch wenn wir ihn heute teilweise noch nicht verstehen. Letztlich sind Borderline-Symptome also häufig sinnhafte Überlebensstrategien, die es den Betroffenen überhaupt erst ermöglichten, schwere Belastungen und Traumaerfahrungen zu ertragen.
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