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Ursachen
BULIMIE:
Zusammenfassung und ÜbersichtUrsachenHäufigkeit und DiagnoseSymptomeTherapieKomplikationenErfahrungsberichteLebensgeschichte: «Steffi - Gefangen in mir selbst»

GESCHICHTEN
KURZGESCHICHTE
Donnerstag 21.8.2008
FREI SEIN ? !

























Es wird vermutet, dass bei der Entstehung von Bulimie verschiedene Einflüsse zusammenwirken:
Gesellschaftlich vorgegebenes Schlankheitsideal

In der heutigen Gesellschaft gilt ein Schönheitsideal, das insbesondere für Frauen einen schlanken, gesunden und schönen Körper fordert. Dieses Ideal begegnet Frauen z.B. Tag für Tag in der Werbung oder in Zeitschriften. Etwa 20% aller Frauen führen regelmäßig Schlankheitsdiäten durch. Nach einer erfolgreichen Diät erfährt die Person zunächst positive Konsequenzen (Komplimente, Stolz auf ihre Willensstärke). So kann es geschehen, dass Gewichtskontrolle und Schlanksein zu einer wichtigen Quelle für das Selbstbewusstsein werden. Es ist deshalb nicht verwunderlich, dass gerade junge Frauen, die während der Pubertät gerade bezüglich ihres Körpers oft sehr unsicher sind, besonders anfällig für Essstörungen sind.
Lernerfahrungen

Die Erfahrungen, die schon früh im Umgang mit Nahrungsmitteln gemacht wurden, können bei der Entstehung von Bulimie eine entscheidende Rolle spielen. So ist es z.B. denkbar, dass ein Kind, das immer wenn es traurig war mit Schokolade getröstet wurde, auch später auf gedrückte Stimmung damit reagiert, sich etwas zu gönnen; insbesondere dann, wenn keine anderen Arten der Problembewältigung gelernt wurden. Es kann ein Problem dadurch entstehen, dass die Nahrungsaufnahme von dem eigentlichen körperlichen Bedürfnis losgelöst ist (beispielsweise, weil ein Kind gelernt hat zu essen, "was auf den Tisch kommt", unabhängig davon, ob es Hunger hat) und so das normale Hunger- und Sättigungsgefühl verlernt wird.
Familiäre Einflüsse

Bei Familien bulimischer Patientinnen sind häufig bestimmte Auffälligkeiten zu finden. So ist beobachtet worden, dass die Patientinnen von ihren Eltern häufig stark behütet werden, und dass in den Familien Konflikte meist nicht angesprochen werden. Es ist allerdings nicht belegt, ob diese Faktoren eine ursächliche Rolle bei der Entstehung der Bulimie spielen. Eine andere Erklärung wäre, dass die Tatsache, dass ein Familienmitglied an Bulimie leidet, sich auf die übrige Familie auswirkt. So haben bulimische Patientinnen z.B. häufig Schwierigkeiten damit, Selbständigkeit zu entwickeln. Das kann einerseits als Folge von Überbehütung gedeutet werden; es ist aber auch möglich, dass die mangelnde Selbständigkeit erst dazu geführt hat, dass die Eltern sich besonders stark um ihre Tochter kümmern. Aber auch traumatische Erlebnisse in der Kindheit und Jugend, so z.B. ein sexueller Missbrauch, kann als Ursache in Frage kommen.
Biologische Faktoren

Ein wesentlicher Risikofaktor für die Entwicklung einer Essstörung kann ein genetisch bedingter, relativ niedriger Energieverbrauch sein. In diesem Fall neigt die Person zu einem höheren Körpergewicht trotz normaler Nahrungsaufnahme. Das Erreichen einer schlanken Figur ist für die Betroffenen nur durch Maßnahmen der Gewichtskontrolle zu erreichen. Darüber hinaus ist bei Bulimiepatientinnen häufig ein reduzierter Spiegel von Botenstoffen des Gehirns festgestellt worden, die Einfluss auf das Sättigungsgefühl und die emotionale Befindlichkeit haben. Die vorgestellten Faktoren stellen Ursachen dafür dar, warum Bulimie entsteht, sie können aber nicht erklären, wodurch die Störung letztendlich ausgelöst wird. Bei vielen Patientinnen gehen belastende Ereignisse, z.B. der Tod eines Angehörigen oder besondere Leistungssituationen, denen sie sich nicht gewachsen fühlen, der Erkrankung unmittelbar als Auslöser voraus. Neben Erklärungen für die Entstehung und Auslösung der Bulimie, gibt es auch Vermutungen darüber, wie die Störung aufrechterhalten wird. Das veränderte Essverhalten führt zu biologischen und psychologischen Konsequenzen, die dazu beitragen, dass die Störung bestehen bleibt, auch wenn die an der Entstehung beteiligten Faktoren gar nicht mehr vorhanden sind.
Konsequenzen der Mangelernährung

Bei Patientinnen mit Bulimie kommt es dadurch, dass zwischen den Essanfällen Diät gehalten wird bzw. dadurch, dass die Nahrung erbrochen wird, zwischenzeitlich zu Mangelernährung. Als Konsequenz treten hormonelle und Stoffwechselveränderungen auf, durch die der Energieverbrauch herabgesetzt wird. Unter diesen Bedingungen führt auch eine normale Kalorienzufuhr zu einer kurzfristigen Gewichtszunahme, was zur Folge hat, dass die Patientinnen verstärkt versuchen ihr Gewicht zu kontrollieren. Auf diese Weise können sich die biologischen Veränderungen nicht normalisieren und es setzt ein Teufelskreis ein. Auf psychologischer Ebene ist zu beobachten, dass das gestörte Essverhalten häufig dazu führt, dass die Betroffenen sich von anderen Menschen zurückziehen und das Interesse an anderen Dingen verlieren. Diese Isolierung kann den Mangel an Selbstwertgefühl verstärken, unter dem bulimische Frauen häufig leiden. Eben diesen Mangel versuchen die Frauen aber dadurch auszugleichen, dass sie durch Gewichtskontrolle ein vermeintlich attraktiveres Äußeres erreichen.
Gezügeltes Essen

Zwischen den Essanfällen zeigen bulimische Patientinnen meist stark gezügeltes Essen. Als Konsequenz empfinden die Frauen oft Heißhunger. Insbesondere wenn zusätzlich noch Stress oder andere Belastungen auftreten, wird dadurch das Auftreten von Essanfällen begünstigt.
Belohnende Konsequenzen des Erbrechens

Die Aufnahme einer großen Nahrungsmenge während eines Essanfalls erzeugt bei den Betroffenen eine starke Angst vor einer Gewichtszunahme. Diese Angst wird durch Herbeiführen von Erbrechen zumindest kurzfristig abgeschwächt. Das Erbrechen wird also durch den Wegfall der Sorge um das Gewicht quasi belohnt und so als eine Strategie zur Gewichtskontrolle erlernt.
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