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Es wird vermutet, dass bei der Entstehung von Bulimie verschiedene Einflüsse
zusammenwirken:
Gesellschaftlich vorgegebenes Schlankheitsideal
In der heutigen Gesellschaft gilt ein Schönheitsideal, das insbesondere für
Frauen einen schlanken, gesunden und schönen Körper fordert. Dieses Ideal
begegnet Frauen z.B. Tag für Tag in der Werbung oder in Zeitschriften. Etwa 20%
aller Frauen führen regelmäßig Schlankheitsdiäten durch. Nach einer
erfolgreichen Diät erfährt die Person zunächst positive Konsequenzen
(Komplimente, Stolz auf ihre Willensstärke). So kann es geschehen, dass
Gewichtskontrolle und Schlanksein zu einer wichtigen Quelle für das
Selbstbewusstsein werden. Es ist deshalb nicht verwunderlich, dass gerade junge
Frauen, die während der Pubertät gerade bezüglich ihres Körpers oft sehr
unsicher sind, besonders anfällig für Essstörungen sind.
Lernerfahrungen
Die Erfahrungen, die schon früh im Umgang mit Nahrungsmitteln gemacht wurden,
können bei der Entstehung von Bulimie eine entscheidende Rolle spielen. So ist
es z.B. denkbar, dass ein Kind, das immer wenn es traurig war mit Schokolade
getröstet wurde, auch später auf gedrückte Stimmung damit reagiert, sich etwas
zu gönnen; insbesondere dann, wenn keine anderen Arten der Problembewältigung
gelernt wurden. Es kann ein Problem dadurch entstehen, dass die Nahrungsaufnahme
von dem eigentlichen körperlichen Bedürfnis losgelöst ist (beispielsweise, weil
ein Kind gelernt hat zu essen, "was auf den Tisch kommt", unabhängig davon, ob
es Hunger hat) und so das normale Hunger- und Sättigungsgefühl verlernt wird.
Familiäre Einflüsse
Bei Familien bulimischer Patientinnen sind häufig bestimmte Auffälligkeiten
zu finden. So ist beobachtet worden, dass die Patientinnen von ihren Eltern
häufig stark behütet werden, und dass in den Familien Konflikte meist nicht
angesprochen werden. Es ist allerdings nicht belegt, ob diese Faktoren eine
ursächliche Rolle bei der Entstehung der Bulimie spielen. Eine andere Erklärung
wäre, dass die Tatsache, dass ein Familienmitglied an Bulimie leidet, sich auf
die übrige Familie auswirkt. So haben bulimische Patientinnen z.B. häufig
Schwierigkeiten damit, Selbständigkeit zu entwickeln. Das kann einerseits als
Folge von Überbehütung gedeutet werden; es ist aber auch möglich, dass die
mangelnde Selbständigkeit erst dazu geführt hat, dass die Eltern sich besonders
stark um ihre Tochter kümmern. Aber auch traumatische Erlebnisse in der Kindheit
und Jugend, so z.B. ein sexueller Missbrauch, kann als Ursache in Frage kommen.
Biologische Faktoren
Ein wesentlicher Risikofaktor für die Entwicklung einer Essstörung kann ein
genetisch bedingter, relativ niedriger Energieverbrauch sein. In diesem Fall
neigt die Person zu einem höheren Körpergewicht trotz normaler Nahrungsaufnahme.
Das Erreichen einer schlanken Figur ist für die Betroffenen nur durch Maßnahmen
der Gewichtskontrolle zu erreichen. Darüber hinaus ist bei Bulimiepatientinnen
häufig ein reduzierter Spiegel von Botenstoffen des Gehirns festgestellt worden,
die Einfluss auf das Sättigungsgefühl und die emotionale Befindlichkeit haben.
Die vorgestellten Faktoren stellen Ursachen dafür dar, warum Bulimie entsteht,
sie können aber nicht erklären, wodurch die Störung letztendlich ausgelöst wird.
Bei vielen Patientinnen gehen belastende Ereignisse, z.B. der Tod eines
Angehörigen oder besondere Leistungssituationen, denen sie sich nicht gewachsen
fühlen, der Erkrankung unmittelbar als Auslöser voraus. Neben Erklärungen
für die Entstehung und Auslösung der Bulimie, gibt es auch Vermutungen darüber,
wie die Störung aufrechterhalten wird. Das veränderte Essverhalten führt zu
biologischen und psychologischen Konsequenzen, die dazu beitragen, dass die
Störung bestehen bleibt, auch wenn die an der Entstehung beteiligten Faktoren
gar nicht mehr vorhanden sind.
Konsequenzen der Mangelernährung
Bei Patientinnen mit Bulimie kommt es dadurch, dass zwischen den Essanfällen
Diät gehalten wird bzw. dadurch, dass die Nahrung erbrochen wird,
zwischenzeitlich zu Mangelernährung. Als Konsequenz treten hormonelle und
Stoffwechselveränderungen auf, durch die der Energieverbrauch herabgesetzt wird.
Unter diesen Bedingungen führt auch eine normale Kalorienzufuhr zu einer
kurzfristigen Gewichtszunahme, was zur Folge hat, dass die Patientinnen
verstärkt versuchen ihr Gewicht zu kontrollieren. Auf diese Weise können sich
die biologischen Veränderungen nicht normalisieren und es setzt ein Teufelskreis
ein. Auf psychologischer Ebene ist zu beobachten, dass das gestörte Essverhalten
häufig dazu führt, dass die Betroffenen sich von anderen Menschen zurückziehen
und das Interesse an anderen Dingen verlieren. Diese Isolierung kann den Mangel
an Selbstwertgefühl verstärken, unter dem bulimische Frauen häufig leiden. Eben
diesen Mangel versuchen die Frauen aber dadurch auszugleichen, dass sie durch
Gewichtskontrolle ein vermeintlich attraktiveres Äußeres erreichen.
Gezügeltes Essen
Zwischen den Essanfällen zeigen bulimische Patientinnen meist stark
gezügeltes Essen. Als Konsequenz empfinden die Frauen oft Heißhunger.
Insbesondere wenn zusätzlich noch Stress oder andere Belastungen auftreten, wird
dadurch das Auftreten von Essanfällen begünstigt.
Belohnende Konsequenzen des Erbrechens
Die Aufnahme einer großen Nahrungsmenge während eines Essanfalls erzeugt bei
den Betroffenen eine starke Angst vor einer Gewichtszunahme. Diese Angst wird
durch Herbeiführen von Erbrechen zumindest kurzfristig abgeschwächt. Das
Erbrechen wird also durch den Wegfall der Sorge um das Gewicht quasi belohnt und
so als eine Strategie zur Gewichtskontrolle erlernt.
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