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Gabi Wittwer: Depression -
Licht am Ende des Tunnels
DEPRESSION
DefinitionUrsachenSymptomeEinteilung und VerlaufSuizidgefahrBehandlungErfahrungsberichtDie dunkle InselLebensgeschichte: «Selbstmord oder neues Leben?»

GESCHICHTEN
KURZGESCHICHTE
Montag 13.10.2008
FREI SEIN ? !

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Gabi Wittwer im Büro Gabi Wittwer ist Mutter von vier Kindern und Sekretärin im Geschäft ihres Mannes. Sie hatte immer viel Lebensfreude und Kraft.
Doch vor drei Jahren war plötzlich alles anders. Sie fiel in eine starke Depression. Die kleinste Aufgabe wurde ihr zur Last.
Gabi, wie hast du gemerkt, dass etwas mit dir nicht mehr stimmt?
Ich konnte plötzlich die Arbeit im Haushalt nicht mehr bewältigen. Meine Wäscheberge wurden immer grösser. Zum Aufstehen musste ich mich richtig zwingen. Ich wollte duschen, hatte aber kaum Kraft dazu. Bis die Kinder am Morgen aus dem Haus waren, war meine Energie bereits aufgebraucht. Dann kamen die Tränen. Ich weinte viel. In den Nächten lag ich wach. Ich war immer nervös. Manchmal schlief ich nur noch eine oder zwei Stunden. Ich hatte das Gefühl, nichts wert zu sein, nicht schön zu sein. Es zog mich immer wieder vor den Spiegel.

Wie reagierte deine Familie?
Die Kinder waren überfordert. Ich versuchte ihnen zu erklären, was mit mir los war, damit sie besser verstehen konnten, warum ich so anders war. Mein Mann reagierte mit viel Liebe und Einfühlungsvermögen. In der Nacht, wenn ich nicht schlafen konnte und so ruhelos war, sangen wir oft Lieder und beteten. Das half mir die Nächte durchzustehen. Eine grosse Hilfe war mir in dieser Zeit meine Mutter. Sie kam täglich und half mir im Haushalt. Wir konnten auch einmal am Tag bei ihr essen. Ich hätte sonst wohl auch nicht zu Hause bleiben können. Eigentlich war ich reif für die Klinik. Ich konnte kaum noch irgend etwas erledigen.

Wie behandelte dich dein Hausarzt?
ZuerstGabi Wittwer stehend wollte er gar nicht glauben, dass ich eine Depression habe. Er dachte, ich sei einfach nicht der Typ dazu. Doch die Symptome waren eindeutig. Er gab mir Schlafmittel, doch ich blieb hellwach. Er gab mir auch Antidepressiva, doch als ich die Packungsbeilage las, hatte ich Angst vor den Nebenwirkungen. Ich nahm sie nur widerwillig. Es wurde mir übel. Ich setzte sie nach einigen Tagen wieder ab. Das hätte ich wohl nicht tun sollen! Aber ich wollte einfach keine Medikamente nehmen. Irgendwo in meinem Kopf war auch immer wieder der Gedanke: Wozu vertraue ich auf Gott? Kann er mir nicht helfen? Er sollte doch helfen! Ich suchte nach dem richtigen Umgang mit meiner Krankheit und betete viel für Heilung. Doch es wurde nur schlimmer.

Ein Auslöser der Depression war wohl die grosse Belastung durch Familie, Beruf und Hausbau. Du hast aber auch mit deinem Selbstwert gekämpft. Der Spiegel konnte dir nicht sagen, dass du schön bist. Du hast dich selber abgelehnt. Warum?
Ich leide seit der Pubertät an unreiner Haut. Schubweise werde ich von Akne befallen. Ich hätte auch lieber weniger Härchen im Gesicht. Aber ich wollte und konnte mich immer so akzeptieren, wie ich bin. Dann, in der Zeit vor meiner Depression, begann ich plötzlich mit meinem Hautproblem zu kämpfen. Ich konnte mich nicht mehr so annehmen, wie ich war. Ich zupfte Gesichtshärchen aus. Danach hatte ich Angst, noch mehr Haare zu bekommen. Ich hatte meinen Grundsatz -- mich so anzunehmen, wie ich bin -- verworfen. Ich geriet in eine eigentliche Identitätskrise, machte mir Vorwürfe und hatte Schuldgefühle. Es war wie ein Sog in die Tiefe.

Hast du in den Wochen deiner Depression gekämpft?
Ja, soweit ich noch Kraft dazu hatte. Gebetet habe ich viel. Selbst als ich an schlimmen Tagen an Gott gezweifelt habe. Ich wollte, dass sich etwas verändert. Aber ich hatte keine Kraft mehr. Ich war ganz auf die Hilfe anderer angewiesen. Ich hoffte auch immer wieder auf Gottes Hilfe. Ich bat Willy, meinen Mann, mich mit Öl zu salben und für mich zu beten, weil in der Bibel steht, dass dies ein Mittel zur Heilung sei. Zuerst veränderte sich nichts. Ich war enttäuscht.

Aber dann hatte dein dunkler Tunnel dennoch einen Ausgang.
Ja,Gabi Wittwer mit Hund zwei Tage später konnte ich zum ersten Mal so richtig aus Verzweiflung zu Gott schreien. Ich war an diesem Tag allein und betete knieend und weinend: "Jesus, so geht es nicht weiter. Das ist ja kein Leben mehr. Du musst etwas unternehmen!..." Ich nannte ihm alles, was ich falsch gemacht hatte, alle Schuld, alle Schwachheit, alle Zweifel. Ich klagte ihm einfach alles. Danach war ich völlig erschöpft. Ich spürte keine Veränderung. Doch am Abend fühlte ich mich erleichtert. Zum ersten Mal seit acht Wochen war ich fähig, meiner Tochter eine Geschichte aus einem Büchlein zu erzählen. Am nächsten Morgen strömte wieder der Duft von frischem Brot aus meinem Backofen. Ich spürte die Veränderung. Ich wusste: Du bist geheilt. Seither bin ich feinfühliger. Traurige Ereignisse können leichter zu Tränen führen. Ich hatte auch einen leichten Rückfall. Aber seither bin ich gesund. Ich schaue besser zu mir als früher, lese oft, höre Vortragskassetten oder nehme an guten Seminaren teil.

Autor: Hans Ueli Beereuter
Quelle: Bordzeitung - Texte zum Leben.
Bordzeitungen können bei Text Live, Ländli, CH-6315 Oberägeri angefordert werden. (Auf Spendenbasis zum Verbreiten)
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