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Esoterik präsentiert uns als Ergebnis ihrer geistigen Erkenntnisbemühungen eine pantheistische, animistische, magische
und gnostische Welt. Diese vier Aspekte lassen sich in jeder esoterischen Weltdeutung erkennen, allerdings mit jeweils
sehr unterschiedlicher Gewichtung.
- Pantheistisch: Die Welt gleicht einem mittelalterlichen Schloss: Wer einmal den
Schlüssel zum ersten Tor gefunden hat, der schreitet anschliessend fast endlos durch immer wieder neue geheimnisvolle
Räume. Je dunkler diese Kammern sind, desto deutlicher erahnen Esoteriker in ihnen die Gegenwart einer einzigen
göttlichen Präsenz. In allem, was ist, ist Gott. In einem Bild aus der Blütengirlanden-Philosophie des Mahayana
(Avatamsaka-Sutra) - ein Hinweis, der hie und da in der Esoterik begegnet - gleicht die Welt einer kreisrund
aufgehängten Perlenkette. Injeder Perle spiegeln sich alle anderen Perlen. Alles spiegelt sich in allem. Wie oben, so
unten, wie aussen, so innen. Das Geheimnis, das diese ganze äusserlich so disparate Wirklichkeit ins Eine bindet,
heisst, Geist oder Kraft oder Energie oder Gott.
- Animistisch: In allem, was ist, verbirgt sich ein ansprechbares, lebendiges
Wesen. Wer nach innen schaut, beginnt mit diesen verborgenen Wesen zu kommunizieren. («Devas» heissen diese Wesen in
der esoterischen Modellkommune Findhorn, «Feem», «Elfen», «Engel» heissen sie in anderen Strömungen der Esoterik).
Esoteriker sprechen mit den Bäumen, die sie umarmen, mit den Kräutern, die sie in ihrem Garten begiessen, mit den
Bergen, mit den heilkräftigen Steinen, mit den Gestirnen am Himmel und nicht zuletzt auch mit der Mutter Erde.
- Magisch: Warum aber sich mit den geheimnisvollen Wesen in allen Dingen nur
unterhalten? Warum nicht diese Wesen sich dienstbar machen? Der Glaube an die Wirksamkeit magischer Kommunikation mit
verborgenen Kräften und Wesen ist in der Esoterik grenzenlos, vor allem dort, wo Menschen vorher in der ganz an
Rationalität orientierten Welt nicht die Hilfe fanden, die sie brauchten. Vor allem in ihren Heilkünsten, aber auch als
Liebeszauber und Schutzzauber gegen negative Einflüsse entwickelt sich Esoterik in ihren magischen Aspekten zum
einträglichen Geschäft.
- Gnostisch: Auch wenn der radikale Dualismus der alten Gnosis zur Zeit des
frühen Christentums heute ungebrochen kaum mehr vertreten wird - die Schöpfung (oder besser: Die Emanation der Welt aus
dem Einen, Göttlichen heraus) wird heute positiver gewertet- so erinnert Esoterik in ihrer eindeutig hierarchisch
gestuften Welt und in ihrem Bemühen um den Aufstieg der Seele aus den Schatten des Materiellen ins lautere Licht des
rein Geistigen deutlich an ein platonisches oder gnostisches Grundmuster. Diesen Aufstieg schafft die nach
Vergeistigung strebende Seele nicht in einer einzigen irdischen Existenz. Aus der Theosophie übernahm die Esoterik das
Bild der hierarchisch gestuften Wirklichkeit und die Überzeugung, dass jede Seele sich in zahllosen Inkarnationen
stufenweise «emporläutert», bis sie eins wird mit dem reinen Geist, aus dem sie vor Urzeiten hervorgegangen ist.
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