Farbenkind
Anmeldungsdatum: 08.04.2009 Beiträge: 2
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Verfasst am: Do 09.Apr.2009 9:18 Titel: Medizinstudium wagen trotz (überwindbaren?) Hindernissen? |
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Hallo zusammen!
Ich bin froh, auf dieses Forum gestossen zu sein und hoffe, einige gute Meinungen zu meinem Problem zu bekommen... Werde danach gleich heute auch noch meine Vorstellung schreiben - aber zuerst möchte ich gerne etwas loswerden zu meinem Hauptproblem im Moment...
Ich habe vor, im Sommer den Eignungstest zu machen und dann im September mit Medizin anzufangen. Es gibt aber leider mehr als genug Einwände, mir doch eine andere Studienrichtung zu suchen, was mich immer wieder sehr unsicher macht, ob ich es wirklich versuchen soll...
Ich hatte eine ziemlich (eher - sehr) schlimme Kindheit mit Missbrauchs- und Misshandlungserfahrungen, was sich bis heute auf meine psychische Gesundheit auswirkt. Vor einem Jahr wurde bei mir Borderline diagnostiziert, jedoch mit einer eher geringen Ausprägung. Ich bin nun seit gut einem Jahr in psychologischer Behandlung, was sich langsam, aber doch stetig gut auf mein "psychisches Gleichgewicht" auswirkt. Natürlich gibt es immer noch Tage und Momente, die für mich extrem schwierig auszuhalten sind - aber sie haben im Gegensatz zu früher die Dimension des Unmachbaren verloren. Natürlich wird es noch Jahre dauern, bis ich ein Leben wie ein "normaler" Mensch werde führen können - doch ich Kämpfe für dieses Ziel und für meine Träume.
Nun - ich bin mir immer wieder unsicher, wie "krank" ein Arzt sein darf. Natürlich wäre es so, dass wenn ich heute schon Ärztin wäre ich in meiner momentanen psychischen Verfassung den Belastungen nicht standhalten könnte. Doch es ist seit ich denken kann mein Wunsch, Medizin zu studieren und irgendwann als Ärztin zu arbeiten. Ich kann mir keinen anderen Beruf vorstellen, den ich mit gleicher Begeisterung lernen könnte und ich frage mich, wie sinnvoll es ist, mit weniger Motivation ein Studium der zweiten Wahl zu beginnen, nur weil das Wunschstudium zu schwer hätte sein können.
Natürlich weiss ich, dass der Druck und der Stress im Medizinstudium grösser sein wird als in anderen Studienrichtungen, dass ich mehr zu kämpfen haben werde wie "gesunde" Mitstudenten. Doch sind diese Zweifel und Hindernisse Grund genug, das Studium gar nicht erst zu versuchen?
Mein Psychotherapeut ist grundsätzlich nicht gegen mein Wunschstudium - er sieht halt darin vor allem die Gefahr, dass ich mich darin total vorausgaben werde ohne Rücksicht auf meine Bedürfnisse zu nehmen. Und natürlich die Gefahr der Belastung und der Schuldgefühle, wenn ich es nicht allen Menschen "Recht" machen kann. Natürlich sind da diese Hindernisse - doch wenn man um sie weiss, kann man lernen mit ihnen umzugehen, oder?
Leider kommt gerade im Moment eine weitere Verunsicherung dazu, dass ich mein Pflegepraktikum früher als geplant beendet habe. Ich war drei Monate auf einer Station und wäre eigentlich noch weitere zwei eingeplant gewesen. Die Gründe für diesen Abbruch waren vielschichtig; grundsätzlich, dass ich nach drei Monaten die Arbeit dort gesehen habe und ich es mir nicht vorstellen konnte, noch länger Tag für Tag zu putzen und Essen zu verteilen (mein Praktikum war leider sehr uninteressant - von der Arbeit der Ärzte bekam ich kaum etwas mit und auch der Kontakt mit Patienten war minim) und der zweite Grund war wohl oder übel meine Krankheit. Ich fühlte mich nach den drei Monaten ausgelaugt und erschöpft - aber ich würde jetzt einmal sagen, dass der erste Arbeitseinstieg für jeden Schulabgänger erst einmal schwer ist - und hatte vor allem Angst, neben dem Praktikum nicht genug für den Eignungstest lernen zu können. Ich fühlte mich körperlich und auch emotional von den vielen Eindrücken Abends derart erschöpft, dass ich kaum mehr eine Aufgabe lösen konnte.
Seit ich nun aber das Praktikum beendet habe, plagen mich Gedanken wie "wenn du es jetzt schon nur so kurz ausgehalten hast, wie willst du dann später als Ärztin arbeiten?".
Ich weiss, dass alle diese Punkte eher gegen ein Medizinstudium sprechen. - Doch Medizin ist das, was mich schon immer fasziniert hat. Ich las schon während meiner Schulzeit Bücher über den menschlichen Körper und ziehe auch heute jedes Fachbuch einem Roman vor. Ich möchte umbedingt erfahren, wie alles genau funktioniert und habe das Gefühl, das Medizinstudium ist das Studium, wo ich mit der meisten Energie und Willenskraft dahinter sein werde.
Meine Sorge ist eigentlich nicht umbedingt, ob ich das Studium schaffe oder nicht. - Ich war schon immer ein Mensch, der seine Kraft und Energie gut und gerne in etwas investieren kann, das ich wirklich will. In der Schule hatte ich nie Probleme mit dem Lernen. Meine grösste Sorge ist viel eher, ob ich der Arbeit als Ärztin später standhalten werde. - Ich denke, studieren an der Uni ist so viel anders als dann wirklich in einem Krankenhaus die volle Verantwortung für Menschenleben zu übernehmen. Andersrum kann man sagen, dass bis dahin noch viele Jahre sind, in denen ich persönlich noch um einiges reifer und "gefestigter" werde. Mein Problem ist, dass ich mir oft viel zu viele Sorge in die weite Zukunft mache, als ein bisschen mehr alles vorzu zu nehmen. Dies kann zwar auch sehr sinnvoll für eine sorgfältige Lebensplanung sein, führt aber oft auch zu Zweifeln und Gedanken, die ich manchmal lieber nicht hätte.
Wenn sich irgendwer die Zeit genommen hat, um dies alles durchzulesen, bin ich sehr dankbar dafür und auch für jede gute Meinung dazu...
Mir hat es schon sehr geholfen, meine Gedanken der Pro und Contras schriftlich festzuhalten.
Herzlich, Farbenkind |
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