«Der Glaube an Jesus Christus gibt meinem Leben einen Sinn.»
Jeanette Macchi-Meier
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«Die Narben sind unauslöschbare Beweise für Gottes Liebe.»
Jeanette Macchi-Meier
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Sie war ein wildes Mädchen: Sex, Alkohol, Raufereien. Dann kam der Moment, wo
Jeanette Macchi-Meier dem Tod im letzten Moment von der Schippe sprang - und ihr Leben radikal änderte. |
Text: Daniel J. Schütz Fotos: Andreas Zurbuchen
Es tut nicht weh. Da ist kein Schmerz. Sie greift sich an den Leib,
spürt, wie unter der rechten Brust das Blut warm und klebrig aus dem zerfetzten T-Shirt dringt - und sie begreift, was
gerade passiert ist.
An jenem Wochenende im Mai 1990, mitten im Trubel der Festlichkeiten um die Eröffnung der Zürcher S-Bahn, bringt die
Klinge eines Klappmessers, von einer jungen Frau im Untergrund des Hauptbahnhofs blindwütig zwischen die Rippen gerammt,
die 17-jährige Jeanette Meier in unmittelbare Todesnähe. Gleichzeitig keimt in der Wunde aber bereits neues Leben -
spirituelles Leben. Doch das kann sie jetzt noch nicht einmal ahnen.
Das trinkfreudige und streitsüchtige Mädchen
hätte sich damals nie träumen lassen, dass die
Messersticherei ihr Leben fortan in neue Bahnen lenken würde. Sie forttreiben würde von Gewalt und Alkohol.
Dass ihr auch die Karriere als lasziv auftretende Moderatorin einer Erotiksendung keine Befriedigung bringen würde.
Und dass sie 13 Jahre später im TV-Magazin "Fenster zum Sonntag" dem Schweizer Publikum auf SF2 wöchentlich
den christlichen Glauben nahe bringen würde.
Wenn Jeanette Macchi-Meier, 30, auf die letzten 13 turbulenten Jahre ihres Lebens zurückblickt, kann sie es kaum
fassen. In einem ist sie sich aber sicher. "Es war Gott, der mir das Leben gerettet hat." Die Rettung geht
mit einer radikalen Veränderung einher - auch äusserlich. Die Bomberjacke von damals hat Jeanette
Macchi-Meier mit modischem Outfit vertäuscht, am Finger trägt sie einen goldenen Ehering mit Gravur:
"26. Juli 2003 - Patrick".
Der Pilot konnte landen
Patrick Macchi-Meier wusste, wen er vor sich hatte, als er vor knapp zwei Jahren, an der Silvester-Party der
International Christian Fellowship ICF, einer weltweit rasch wachsenden Bewegung junger Christen, allen Mut
zusammenriss und die Schönste der weiblichen Partygäste ansprach. Er wusste, dass diese Frau davon gelebt
hat, die Sinne der Männer zu betören.
Jeanette Meier war als Leadsängerin der Band "E-rotic" bekannt und als verführerische Moderatorin des gleichnamigen und
entsprechend freizügigen Star-TV-Magazins fast schon berüchtigt geworden. Das alles wusste der junge Tessiner Pilot.
Doch nicht deshalb wollte er diese Frau kennen lernen, sondern trotzdem.
Wenige Monate zuvor, unmittelbar nach seiner Ausbildung
bei der Swissair, war Macchi zu einem der ersten Grounding-Opfer
der maroden Airline geworden. Der grosse Traum vom Fliegen war geplatzt. Doch jetzt sah er einen anderen Traum leibhaftig
vor sich stehen, ein Traum von einer Frau - zum Greifen nah.
Jeanette Meier hatte zu jener Zeit eine schmerzhafte Trennung und sechs triste Single-Monate hinter sich, als sie - insgeheim
hoffend, einem interessanten und vor allem gläubigen Mann zu begegnen - beschloss, den Jahreswechsel mit den ICF-Christen
zu feiern. Doch schon der erste Blick in die Party-Runde war ernüchternd: "Keine Chance." Im selben Moment spürte sie eine
sanfte Hand auf der Schulter.
Seit der Hochzeit im letzten Sommer leben die beiden im Zürcher Unterland mit den Eltern Jürg und Yvonne Meier unter
einem Dach. Ein schlichtes Holzkreuz, von Patrick gezimmert, dominier neben dem riesigen TV-Bildschirm eine Wand in der
lichtdurchfluteten Wohnung unterm Dachstock. "Der Glaube an Jesus Christus gibt meinem Leben einen Sinn", sagt Jeanette
Macchi-Meier. "Im Kreis der Familie finde ich Halt und Geborgenheit."
Dennoch können sie sich vorstellen, einmal auszuwandern. Nicht von heute auf morgen. Patrick und Jeanette planen
mittelfristig: "Irgendwo im Ausland, in Afrika, vielleicht auch Australien, wollen wir ein neues Leben aufbauen",
schwärmt Jeanette Macchi-Meier. Dort könnte Patrick seinen Traum vom Fliegen doch noch wahrmachen - als Buschpilot
bei der christlichen "Mission Aviation Fellowship".
Jeanette sitzt bei den Eltern am Esstisch, Grossmutter
Erika Zbinden ist zu Besuch. "Ich bin ja so stolz auf dich", freut
sich die rüstige 77-jährige. "Noch nie habe ich eine Sendung von dir verpasst."
Das stimmt natürlich nicht ganz: Noch bis vor drei Jahren hielt sich ihre Begeisterung in engen Grenzen, wenn die schöne
Enkelin am Star-TV-Bildschirm einen heissen Striptease anmoderierte oder auf der Konzertbühne frivole Texte
("Give me good sex") anstimmte.
Die Mutter lenkt das Gespräch auf jenes Ereignis, das den bemerkenswerten Wandel ihrer Tochter von der rebellischen
Rotzgöre zur bekennenden Christin einleitete und familienintern als "Unfall" verharmlost wird: "Es hat einfach
passieren müssen", sagt sie nachdenklich. Ihre Tochter denkt an zwei frühere Gefährtinnen, die
unterdessen den Drogentod erlitten haben. "Gott hat in mein Leben eingegriffen und die Notbremse gezogen."
Gottes Notbremse im Zürcher Hauptbahnhof brennt wie Höllenfeuer in der Brust. Jeanette liegt, niedergestochen in einem
Konflikt verfeindeter Mädchenbanden, in ihrem Blut auf dem kalten Boden. Jede Minute wird zu einer Ewigkeit. Endlich
erbarmt sich ein Passant, hilft ihr auf und erklärt ihr den Weg zur Polizei.
Höchste Lebensgefahr
Die Ärzte in der Notfallaufnahme diagnostizieren eine harmlose Fleischwunde - ein fataler Irrtum: Erst als der Schmerz
anhält, der Blutdruck dramatisch sinkt, macht eine Ultraschalluntersuchung deutlich, dass die Klinge Milz und Lunge
zerrissen und das Herz nur knapp verfehlt hat. Aus den verletzten Organen strömt Blut in die Bauchhöhle. Höchste
Lebensgefahr. Eine Notoperation wird angesetzt.
Da beschliesst Jeanette Meier, einen Brief zu schreiben - an die einzig zuständige Instanz über Leben und Tod.
"Lieber Gott", schreibt sie mit schwacher Hand. "Wenn es Dich wirklich gibt, gib mir die Kraft, den morgigen Tag zu
erleben. Andernfalls nimm mich gnädig bei Dir auf." Einen dritten Wunsch richtet sie an den Mann, der ihr den Bauch
aufschneiden wird: "Herr Doktor, ich habe nur eine Bitte: Machen Sie mir eine schöne Narbe!"
Heute sieht sie beide Narben - jene vom Messer und jene vom Skalpell - mit anderen Augen: "Sie sind", sagt sie,
"unauslöschbare Beweise für Gottes Liebe."
Gott muss die Hand des Chirurgen geführt haben. Als Jeanette aus der Narkose erwacht, hat ein neues Leben begonnen.
Sie beschliesst, Schlagzeug spielen zu lernen. "Mein Lehrer hat mich stark geprägt und vorangebracht", erinnert sie
sich an den langhaarigen Mann in T-Shirt und Turnschuhen, der es bald vorzog, mit seiner Schülerin über Jesus zu
debattieren, statt zu trommeln. "Seine heitere, leidenschaftliche Liebe zu Jesus wirkt ansteckend; sie hat mein Bild
vom verstaubten Christentum entscheidend korrigiert!"
So fand sie bald den Weg zu den Gottesdiensten der ICF-Christen. Jeanette war sofort fasziniert von der "lebendigen
Fröhlichkeit, die hier herrschte."
Im Sommer 1993, im Alter von zwanzig Jahren, beschloss sie, ein Zeichen zu setzen. Jeanette stieg, mit einem weissen
Bikini bekleidet, ins Wasser des Zürichsees, tauchte unter - "ein Symbol für die Absage an das sündige Leben" und
wieder auf: "Mit der Erwachsenentaufe hatte ein anderes Leben begonnen." Sie eröffnete ein neues Tagebuch und beschriftete
es mit der Nummer "1".
Doch es sollte Jahre dauern, bis sie zum Jahrtausendwechsel ihre "E-rotic" Engagements und damit den Widerspruch auflöste,
als bekennende Christin in Liedern und TV-Auftritten sexuelle Freizügigkeit zu propagieren: "Eines Morgens erwachte ich,
und ich wusste, dass etwas anders war. Ich wollte meinen Lebenswandel mit dem Glauben in Übereinstimmung bringen - den
Glauben leben."
Die Moderatorin kommt im Käfer
Seit einem guten Jahr setzt sie sich täglich in ihren
zitronengelben VW-Käfer mit der Aufschrift "Hello Sunshine" und
fährt nach Wangen bei Olten, wo die Alphavision, ein TV-Projekt freikirchlicher evangelischer Christen, die "Fenster
zum Sonntag"-Sendungen produziert. Diese werden seit acht Jahren jeweils am Wochenende auf SF2 ausgestrahlt.
"Jeanette ist für uns ein Glücksfall", sagt Chefredaktor Jürgen Single. "Nicht nur, weil seit ihrer Anstellung die
Zuschauerzahlen kontinuierlich steigen. Wir schätzen ihre journalistische Kompetenz und ihre unbekümmerte, freche Art,
auch heisse Themen aufzugreifen, ebenso wie ihr fröhliches Wesen. Egal, wie draussen der Himmel aussieht: Wenn Jeanette
zur Tür hereinkommt, geht bei uns die Sonne auf."
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