«Worin lag jetzt noch mein Wert als Mensch begründet???»
Sylvi
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Es war ein ganz normaler Tag, dieser 2. Oktober 1998 - ein Alltag, an dem sich mein Leben stark verändern sollte. An diesem Tag wurde mir das genommen, auf was ich bis dahin meinen Wert als Mensch setzte. Doch dazu später...
Bis zu diesem Zeitpunkt verlief mein Leben völlig normal. Aufgewachsen bin ich in einer intakten Familie mit zwei jüngeren Brüdern. Es fehlte mir nie an etwas. Meine Eltern liebten mich, sorgten für mich und waren immer für mich da. Jeden Abend wurde mir aus der Kinderbibel vorgelesen und es war selbstverständlich, dass vor dem Essen und schlafen gehen gebetet wurde.
Ich wurde älter - zwangsläufig - und verliebte mich mit 13 Jahren zum ersten Mal! Es gab nur ein Problem: Er interessierte sich nicht für mich, sondern für meine damalige Freundin! Ich fing an, um die Gunst des Jungen zu kämpfen. Ich offenbarte meine Gefühle, was sehr dumm von mir war und mich seinem Gespött gnadenlos auslieferte. Er fand mich zu klein und außerdem meine Zähne nicht gut genug (ich trug damals eine Zahnspange).
Tagebuchauszug 20.11.1995:
....musste heute in der Schule weinen, weil meine Zähne so schrecklich sind...
Ich erkannte, dass ich seinen Ansprüchen nicht gewachsen und für „nicht passend” befunden worden war. Ich fing an neidisch auf meine Freundin zu werden. Meiner Meinung nach hatte sie alles, was man braucht um es im Leben zu etwas zu bringen. Sie war groß, lebte in einem großen Haus, hatte schöne Zähne und konnte jede neue Modeerscheinung mitmachen. Krampfhaft versuchte ich mich „passend” zu machen. Mein Äußeres war jedoch nicht gut genug. Ich fühlte mich zunehmend minderwertiger, nicht angenommen - als Außenseiter.
Mit 15 Jahren kam ich in die christliche Jugendgruppe nach Memmingen und fühlte mich dort gleich sehr wohl. Es beeindruckte mich, dass sich auch junge Menschen Gedanken machten über Gott und Jesus. Ich merkte auch, dass sie nach anderen Werten lebten. Bei den Bibelarbeiten wurde ich immer öfter mit der Lebensübergabe an Jesus konfrontiert und damit, dass ich ein Sünder bin und vor Gott nicht bestehen kann:
"Denn alle haben gesündigt und erlangen nicht die Herrlichkeit Gottes" (Römer 3,23)
Ich war zu dieser Entscheidung nicht bereit, da ich Angst vor den sich daraus ergebenden Konsequenzen hatte und dachte mir, dass ich ja so schlecht nun auch wieder nicht sei und außerdem diesen Schritt auch noch kurz vor dem Sterben machen kann, wenn ich alt bin. Hinzu kam, dass ich daran zweifelte, dass es Gott wirklich gut mit mir meint. Es konnte ja sein, dass er mein Vertrauen auf die Probe stellte, sollte ich ihm mein Leben völlig ausliefern. Wie sicher war ich wohl in seinen Händen??? Ich verdrängte die Gedanken und hatte bald eine Beziehung mit einem Jungen, der ebenfalls in die Jugendgruppe ging. Was war das für ein tolles Gefühl!!! Alles war großartig und ich fühlte mich geliebt und angenommen. Ich tauschte mich über all meine Sorgen und Ängste mit meinem damaligen Freund aus, der mir gern zuzuhören schien. Meine Gefühle sollten sich aber als trügerisch herausstellen. Nach nur 4 Wochen beendete er die Beziehung, weil er mich als langweilig und zu ängstlich empfand. Das Ende der Beziehung führte dazu, dass ich in ein tiefes schwarzes Loch fiel:
Tagebuchauszug 29.12.96:
...ich muss meinen Halt noch finden...anscheinend muss ich in meinem Leben noch sehr viel lernen.
Worin lag jetzt noch mein Wert als Mensch begründet???
Zurück zum 2. Oktober 1998, dem Tag, an dem mir genommen wurde, auf was ich meinen Wert als Mensch setzte.
Als ich an diesem Tag auf dem Weg zur Schule war, wurde ich beim überqueren der Gleise am Bahnhof vom Zug erfasst und einige Meter mitgeschleift.
Als ich auf der Intensivstation zu Bewusstsein kam und mir meine Mutter mitteilte, was mir geschehen war, fragte ich mich, wie ich Gott wohl meine Dankbarkeit für diese Bewahrung zeigen konnte. Die Antwort lag auf der Hand: Ich hatte nichts wertvolleres, dass ich geben konnte, als mein eigenes Leben. Mir durfte bewusst werden, wie vergänglich und kurz mein kleines Leben ist. Durch den Unfall zog Gott die Notbremse in meinem Leben und ich durfte dadurch erkennen, dass ich selbst überhaupt nichts in der Hand habe und mein Leben wie ein Hauch ist. Der Herr allein hatte an diesem 2. Oktober den Überblick und griff in seiner Souveränität ein. Während Ärzte, Sanitäter und ich um mein Leben kämpften, war ich in seinen Händen geborgen. Er hatte acht darauf, dass mein Herz weiterschlug und ich keine schweren bleibenden Schäden davontrug. Der Herr nahm mir durch diesen Unfall viele Dinge, an denen ich bisher meinen Wert als Mensch festgemacht hatte. Die Narbe in meinem Gesicht war dunkelrot und für jeden sichtbar. Auch dass mir vorne drei Zähne fehlten, konnte ich eine zeitlang nicht verbergen. Die Haare wurden mir von den Ärzten abgeschoren, um Infektionen vorzubeugen, die durch die Verletzung am Schädel entstehen hätten können. Mein Gesicht war aufgeschwollen. Am linken Fuß mussten mir alle fünf Zehen amputiert werden....
Worin lag nun mein Wert???
Er konnte nur in Jesus liegen. Er starb für mich und meine Sünden und wenn ich mich ihm mit allem was ich bin ausliefere und dieses Geschenk annehme und ihm glaube, dann gehöre ich zu ihm. In seinen Augen bin ich unendlich wertvoll:
„denn ihr wisst, dass ihr nicht mit vergänglichen Dingen, mit Silber oder Gold erlöst worden seid von eurem eitlen, von den Vätern überlieferten Wandel, sondern mit dem kostbaren Blut Christi....” (1.Petrus 1,18)
Wenn du jetzt denkst, dass ich von diesem Zeitpunkt an ein perfekter Mensch war, der den ganzen Tag sang und vor Dankbarkeit sprühte, dann muss ich dich enttäuschen. Ich wünschte mir sehr, dass es so wäre, aber leider merke ich noch immer sehr oft, wie undankbar ich Gott gegenüber bin. Während ich diese Gedanken so niederschreibe, wird mir wieder neu bewusst, dass ich froh bin, dass der Herr so ein geduldiger Lehrer ist. Er arbeitet noch immer an und mit mir. Es gibt auch heute noch schwierige Zeiten, aber ich weiß, dass ich in Gottes Händen geborgen und in seinen Augen unendlich wertvoll bin.
Wer im Schutz des Höchsten wohnt, bleibt
im Schatten des Allmächtigen.
Ich sage zum Herrn: Meine Zuflucht und
Meine Burg, mein Gott, ich vertraue auf ihn!
Mit seinen Schwingen deckt er dich,
und du findest Zuflucht unter seinen
Flügeln. Schild und Schutzwehr ist
Seine Treue.
Denn er bietet seine Engel für dich auf,
dich zu bewahren, auf allen deinen Wegen.
Auf den Händen tragen sie dich, damit du
deinen Fuß nicht an einen Stein stößt.
Psalm 91, 1;2;11;12
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