«Wenn ich das tue, dann steckt mich Gott in ein Kloster, und ich muss brav und fromm sein.»
Ursula Bruhin
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«Bei Gott weiss ich, er hat mich gern, ob ich erfolgreich bin oder nicht.»
Ursula Bruhin
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Im Sport ist Ursula Bruhin bereits ein Oldie. Doch die 33-Jährige macht munter Schlagzeilen als Snowboard - Grossmutter,
die ganz an der Spitze mitmischt.
Ist das Geheimnis ihres Erfolges der christliche Glaube, der ihr so viel Auftrieb gibt?
Fragen an die vierfache Weltmeisterin. |
Fotos: Anton J. Geisser
Als Weltmeisterin auf dem Podest zu stehen wie 2003 an der Snowboard WM in Österreich, das muss ein
unbeschreibliches Gefühl sein.
Wenn ich auf dem Podest stehe, dann kribbelt es mir vor Freude im
Bauch. In einem solchen Moment läuft vor meinen Augen das ganze Rennen nochmals ab. Als die Schweizer Fahne gehisst
wurde, da wurde mir bewusst: ich habs geschafft, ich bin Weltmeisterin.
Was macht noch glücklicher als ein solcher Sieg?
Wenn ich mit Menschen etwas Schönes erlebe. Wenn mich jemand braucht
und ich helfen kann. Das ist mehr wert als eine Medaille, die hast du egoistisch nur für dich erkämpft. Ich zehre zwar
eine Zeit lang von einer Medaille. Ein Mensch kann dir aber Anerkennung und Liebe zurückgeben.
Nirgends sind Erfolg und Niederlage so nahe zusammen wie im Sport. Wo waren Sie ganz unten, sportlich und privat?
Sportlich
und privat, das ist bei mir nahe beisammen. 1999
hatte ich eine Knieverletzung und nahm danach 15 Kilo zu. Ich konnte mich nicht mehr im Spiegel anschauen. Ich hasste
mich richtig. Gleichzeitig brach eine Beziehung auseinander. In dieser Zeit erzählte mir meine Schwester von ihrem
Glauben, und wie sie dort Kraft gefunden hat. Sie sagte mir: "Vertraue Gott". Ich dachte nur: "Wenn
ich das tue, dann steckt mich Gott in ein Kloster, und ich muss brav und fromm sein." Doch dann sagte ich zu
Gott: "Wenn es dich gibt, dann hilf mir endlich." Ich machte verschiedene Erlebnisse, die mein Vertrauen in
Gott stärkten. Ich besuchte Gottesdienste, in denen ich tief bewegt wurde. Mir wurde bewusst, dass Gott mich liebt, und
dass ich Hilfe brauche. Ich war so berührt, dass mir in solchen Momenten die Tränen kamen.
Sie beten jeweils vor den Rennen. Was haben Sie Gott vor ihrem letzten WM-Sieg oben am Start gesagt?
Direkt oben am Start danke ich Gott für das Talent, das er mir gegeben
hat. Und ich bitte ihn, dass er mich beschützt und mir Kraft gibt. Ich bete nicht für den 1. Platz. Ein Sieg verblasst
schnell. Es geht nicht darum, immer nur zu siegen. Bei einem Rennen in Leysin hatte ich diesbezüglich ein Erlebnis: Ich
war enttäuscht über mich und mein Resultat. Und dann verunglückte ein Sportler-Kollege tödlich. Da wurde mir bewusst,
dass menschliche Beziehungen viel wichtiger sind als ein Sieg.
Worüber haben Sie heute mit Gott gesprochen?
Heute Morgen war es ein kurzes Gebet. Ich sprach mit Gott über den
Tagesablauf. Ich mache das jeweils, wenn ich das Gefühl habe, alles wächst mir über den Kopf. Am Morgen und am Abend
bete ich zu Gott, dass er mir hilft. Dann danke ich Gott manchmal auch während des Tages für kleine Dinge, die mir
gefallen.
Was ändert ein WM-Titel an Ihrem Lebensglück?
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Der Bekanntheitsgrad wächst, die Medien interessieren sich, die
Sponsoren zahlen besser; das alles gibt schon ein gutes Gefühl. Aber sobald jemand anders gewinnt, ist man wieder weg
vom Fenster. Deshalb möchte ich mein Leben nicht nur auf das Siegen ausrichten, sondern auf Beziehungen. | |
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Bald ist Ostern. Was bedeutet Ihnen dieses Fest?
Ich war über Ostern häufig an Rennen unterwegs. Ich feierte das Fest
deshalb nie in einer Kirche. Ostern bedeutet für mich, dass Jesus Christus nicht nur für meine Sünden am Kreuz
gestorben, sondern dass er auferstanden ist. Für mich ist die Auferstehung ein Hinweis, dass nach dem Tod das Leben bei
Gott weitergeht.
Was ändert Ihr Glaube an den auferstandenen Christus am Leben auf dieser Erde?
Dass ich keine Angst vor dem Sterben haben muss. Viele Menschen haben
Horror vor dem Tod. Natürlich will ich noch nicht sterben, aber mit dem Glauben an Gott und an Jesus weiss ich, dass
ich nach dem Tod in besten Händen bin. Dieser Glaube an das Leben nach dem Tod beruhigt und erfüllt mich mit Freude.
Sie sagten, Sie seien 1999 "gläubig" geworden. Warum diese Kehrtwende, Sie haben ja sicher
schon vorher irgendetwas geglaubt?
Früher glaubte ich schon an einen Gott, und wenn etwas nicht gut lief,
sprach ich ein Stossgebet, ohne ernsthaft damit zu rechnen, dass Gott mir helfen könnte. Aber das war nicht der
lebendige Gott, den ich heute erlebe. Jetzt ist Gott für mich wie ein persönlicher Trainer. Und in der Bibel stosse ich
immer wieder auf Verse, die in meine Situation hineinsprechen und mir wie ein Wegweiser sind.
Erzählen Sie uns das allererste Erlebnis, das Sie mit Gott gemacht haben.
Das
erste Erlebnis machte ich mit Gott, als ich dachte, ich hätte eben
die schlimmste Krise meines Lebens hinter mir. Ich besuchte meinen Ex-Freund im Spital, der nach einem Sturz die
Schlagader offen hatte und fast verblutet war. Nach dem Besuch im Spital stiess ich zufälligerweise auf die Liebesbriefe
seiner neuen Freundin. Wir hatten uns erst zwei Wochen zuvor getrennt. Ich begann zu weinen und sagte zu Gott: "Ich
ertrage das nicht." Es war ein Hilfeschrei, ich war am Boden zerstört. In diesem Moment spürte ich: Gott umarmt
mich, ich bin nicht allein. Ich erlebte wirklich, wie Gott mich in dieser Situation tröstete.
Wie beeinflusst ihre Beziehung zu Christus ihre Karriere-Entscheidungen?
Ich glaube, ich kann meine Entscheidungen ruhiger fällen. Wenn ich ein
gestecktes Ziel nicht erreiche, weiss ich: Gott hat etwas anderes bereit. Gerade im Sport besteht die Gefahr: Wer gut
ist, der gilt etwas. Aber bei Gott weiss ich, er hat mich gern, ob ich erfolgreich bin oder nicht. Viele Sportler
sagen, sie glaubten an sich selber. Aber was mache ich mit einem solchen Glauben, wenn es nicht mehr gut läuft? - dann
kommt das grosse Loch.
Sie glauben an Gott. Kein Wunder, Sie haben ja auch Erfolg. Was sagen Sie aber einem Behinderten im Rollstuhl, einem
Alkoholiker oder einem Drogensüchtigen?
Auch ich hatte schon sehr tiefe Krisen in meinem Leben. Als ich ganz
unten war, fragte ich mich: Wäre einmal abgesehen von der Familie überhaupt jemand traurig, wenn es mich nicht mehr
geben würde? Alles erschien mir sinnlos. Die Freude war weg. Ich fragte mich: Was ist der Sinn des Lebens, was ist der
Sinn meines Daseins, warum gibt es mich überhaupt? Dann kam ich Schritt für Schritt zum Glauben, und ich sah wieder
einen Sinn im Leben.
Angenommen, Sie stehen vor Gott, welche drei Fragen würden Sie ihm stellen?
Zuerst würde ich Gott umarmen bevor meine Fragen kämen: Wie lässt sich
das Paradies auf Erden herstellen? Wie kann man Krieg verhindern? Und warum können wir Menschen nicht direkt in den
Himmel kommen?
Gott lässt sich nicht beweisen. Sie wissen nie, ob ihr Glaube nicht einfach eine einzige grosse Täuschung war.
Dann wäre es zumindest eine schöne Täuschung gewesen! Ich finde, dass
ich mit meinem Glauben ein erfülltes Leben habe. Wenn ich Gott im Alltag erlebe, wenn ich von Gott mit Freude erfüllt
werde oder wenn ich manchmal im Gebet Kraft bekomme, kann ich mir einfach nicht vorstellen, dass alles nur ein
Hirngespinst ist.
| Quelle: 4telstunde für Jesus 2003 |
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