www.lebensgeschichten.org 14:10 | Donnerstag 17. Mai 2012


Angel – Eigentlich ein Wunschkind...

Eigentlich war ich ein Wunschkind...So wurde mir zumindest gesagt.Wundervolle Blume Aber nicht von meiner Mutter oder meinem Vater. Mein Großvater hat sich mein Leben lang bemüht, mir das Gefühl zu geben, ich wäre etwas wert.

Die ersten 5 Jahre meines Lebens verliefen recht ereignislos. Ich war ein kleines Mädchen und hatte einen kleinen Bruder, ich hatte Mutter und auch Vater, die sogar ab und an mal mit uns auf den Spielplatz gingen.

Als ich fast 6 Jahre alt war, zog mein Vater aus. Meine Mutter ging wieder arbeiten. Und ich hatte von heute auf morgen die Verantwortung für meinen kleinen Bruder. Er war zu dem Zeitpunkt 3 1/2 Jahre alt. Zu Anfang ging es noch,ich musste ihn einfach "nur" in den Kindergarten bringen und dort auch wieder abholen, den Nachmittag auf ihn aufpassen und das Essen aufwärmen. Später hatte meine Mutter aber, ich weiß nicht ob es an Lust, Zeit oder Verantwortungsgefühl mangelte, nicht mal mehr Essen vorbereitet. Irgendwann kamen wir nach Hause und die Wohnung war ein einziges Chaos.Ich musste also mit ca. 6 1/2 Jahren lernen, einen Haushalt zu führen, meinen kleinen Bruder nebenbei versorgen, Essen zu kochen, und was noch dazu gehört.

Sie wusch unsere Wäsche nicht mehr, räumte nicht mehr auf, heizte nicht mehr, sie tat einfach nichts mehr.
Irgendwann kamen wir nach Hause und es war nichts zu essen da. Also musste ich auch lernen einzukaufen.

Mit 7 Jahren war ich dazu in der Lage, einzukaufen für eine dreiköpfige Familie, ein kleines Kind zu beaufsichtigen (obwohl ich ja eigentlich selbst noch eines war).
Als ich 8 Jahre alt war, brachte meine Mutter einen Mann mit nach Hause, der kurz darauf bei uns einzog. Es war ihr neuer Freund. Ich musste nun also einen 4-Personen-Haushalt führen.

Er lebte wenige Monate bei uns, als er mich das erste Mal verprügelte. Das Resultat: eine Platzwunde, ein gebrochenes Handgelenk, gebrochene Rippen, blaue Flecken...

Da ja jeder sehen konnte, was passiert war, durfte ich einige Tage das Haus nicht verlassen. Ich durfte auch nicht zum Arzt gehen. DieProbleme, die daraus resultieren, machen mir heute noch das Leben schwer, aber ich habe gelernt, damit umzugehen.

Diese Mädchen wird geschlagenTracht Prügel war nur die erste in einer langen Reihe...Jahrelange Schläge, keiner durfte etwas wissen, denn ich bekam eingetrichtert."Wenn das einer weiss, dann kommst du ins Heim, und wirst von deinem Bruder getrennt". Und so lernte ich zu schweigen. Ich lernte auch zu schauspielern. Ich war für alle immer nur der kleine Sonnenschein, der eine erstaunlich gute Beziehung zu seinem Bruder hatte.

Ich musste während all dieser Jahre mehr als einmal ins Krankenhaus, bin einmal knapp dem Tod entkommen, aber es wollte scheinbar keiner sehen, was wirklich war. Meine Mutter sagte immer, ich sei die Treppe runtergefallen...Und die Ärzte nahmen das ohne große Nachfrage hin.

Als ich 12 war, kam der Freund meiner Mutter nachts in mein Zimmer geschlichen. Zu Anfang hat nur er mich angefasst, was schon schlimm genug war. Doch mit der Zeit wurde es schlimmer. Ich musste ihn anfassen, ihn befriedigen. Kurz darauf vergewaltigte er mich das erstemal. Am Tag war ich sein "Punchingball", an dem er sich austoben konnte, in der Nacht lebte er sämtliche kranken Wünsche an mir aus.
Mit ca. fünfzehn Jahren unternahm ich einen Selbstmordversuch. Aber ich habe überlebt. Damals war ich entsetzt darüber, weiterleben zu "müssen". Heute bin ich dankbar, das ich noch eine zweite Chance bekam.

Als ich sechzehn oder siebzehn war, starb er an Krebs. Und es war mir eine Genugtuung, ihn so elend sterben zu sehen. Jeder Tag an dem ich ihn leiden sah, entschädigte mich für die vergangenen Jahre.

Mein Brennende Kerzeganzes Leben war, aus meinem Standpunkt, bis vor kurzem eine Katastrophe, weil einfach fast alles schief ging.
Vor etwas mehr als einem Jahr lernte ich Menschen kennen, die mich so nahmen, wie ich war. Das kannte ich nur von meinem Großvater und sonst war mir das wirklich völlig fremd.
Diese Menschen waren Christen.

Seit Januar diesen Jahres lebe auch ich mit Gott. Und mittlerweile habe ich wieder Kraft und Mut für die Zukunft. Ich lebe nun in der Nähe derjenigen, die mich zu Gott gebracht haben und weit weg, von dem Ort, den ich früher mein "Zuhause" nennen musste.

In diesem Jahr war ich auch in Behandlung wegen Depressionen und musste Medikamente nehmen. Aber ich bin nicht mehr suizidgefährdet. Ich führe mittlerweile ein fast normales Leben. Arbeite mit Kindern, gehe in die Gemeinde, Seelsorge, lerne Menschen zu vertrauen und lerne Freunde zu haben. Aber, da ich Jesus als meinen Erlöser angenommen habe, habe ich den ersten wirklichen Freund in meinem Leben gefunden. Ich habe noch immer den Verdacht, Gott sieht mich wie einen Hamster im Laufrad, da ich nicht wirklich vollständig dazu in der Lage bin, vollkommen auf Gott zu vertrauen. Aber auch daran arbeite ich und ich denke, auch dieses Vertrauen werde ich bald haben.

Ohne Gott, da bin ich sicher, würde ich nicht mehr leben. Und ohne Gott würde ich nicht so voller Zuversicht in die Zukunft sehen.








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