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Bereits im Kindesalter hatte meine Hochachtung vor den Erwachsenen den ersten Knacks bekommen, als ich merkte, dass sie es im Umgang mit der Wahrheit
oft nicht wirklich genau nahmen. So war ich beispielsweise über meine Eltern schockiert, als ich erfuhr, dass das Christkind, das laut ihren Aussagen zu
Weihnachten die Geschenke brachte, in Wirklichkeit mein Vater war. Nach dem Anzünden der Kerzen des Weihnachtsbaums kletterte er immer über eine Leiter
aus dem Zimmer, sodaß weder ich noch mein kleinerer Bruder etwas bemerkten.
Enttäuschungen
Da das "Biegen" der Wahrheit anscheinend allgemein üblich war, konnte ich mein Gewissen relativ leicht beruhigen, wenn ich selbst wieder einmal
eine Notlüge zu meinem eigenen Vorteil einsetzte. Problematisch wurde es für mich aber dann als Teenager, wenn eine in meinen Augen vorerst unbedeutende
Sünde unerwartete folgen hatte und selbst andere Menschen in Mitleidenschaft gezogen wurden. So merkte ich erst im Nachhinein, dass ich beispielsweise
einigen Mädchen, die sich für mich interessierten, tiefe seelische Wunden zugefügt hatte, als ich mich vorerst mit ihnen einließ, aber in Wirklichkeit kein Interesse
an einer echten, dauerhaften Beziehung hatte und sie eigentlich nur als "Episode meines Lebens" betrachtete. Die Ausreden, die ich dann
gebrauchte, um mich aus so einem Verhältnis wieder zu lösen, hatten dann natürlich nicht viel mit der Wahrheit zu tun. Allerdings traf mich das biblische
Sprichwort, dass der Mensch das ernten wird, was er sät. Ich wurde selbst genauso getäuscht, und die Enttäuschung hinterließ auch an meiner Seele ihre
Spuren.
Enttäuschten Menschen fällt es normalerweise sehr schwer, fröhlich zu sein. So befand ich mich auf dem
besten Weg, ein richtiger Griesgram zu werden, was mir aber anfänglich nicht auffiel. Erst ein Freund, mit dem ich bei herrlichem Wetter auf einen Berg ging,
machte mich darauf aufmerksam, dass ich bei unseren Gesprächen an allem etwas auszusetzen härte und nur negativ denken würde. Dazu kam auch, dass sich
in meinem Inneren eine gewisse Leere breit machte, die eigenartigerweise immer größer wurde, je mehr ich mein Leben mit Aktivitäten anfüllte.
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