| Ein Landstreicher in England hörte unterwegs die Schreie von Jungen. Er lief herzu und traf auf Jungen, die auf einem Bahngeleise gelaufen waren. Eines der Kinder hatte sich mit dem Fuss so unglücklich zwischen einer Schwelle und einer Stahlstange eines Signals verfangen, dass er den Fuss nicht mehr befreien konnte. Die Kameraden hatten alles versucht, ihn zu befreien, aber ohne Erfolg.
Nun versuchte es der Landstreicher, drehte und zog den Fuss, band die Schuhriemen auf. Weder mit Kraft noch Geschick konnte er den Jungen befreien. Sein Schuh mit dem Fuss darin hatte sich so fest eingeklemmt, dass alle Bemühungen scheiterten. Die Unglücks-stelle befand sich direkt vor dem Tunnel von Hattersley nahe der Ortschaft Mottram. Die anderen Jungen liefen in den Ort, um Hilfe zu holen. Da hörte man den Zug mit einem lauten Pfiff in den Tunnel einfahren. Jeden Moment konnte er aus dem Tunnel hervorrasen und den Jungen überfahren. Schnell drehte der Landstreicher den Fuss des Jungen unter der Stange etwas um und befahl dem Jungen, sich ganz flach auf den Gleiskörper zu legen. Um dem Kind Mut zu machen, legte sich der Mann direkt neben ihn und hielt ihn fest. Der Zug donnerte über sie hinweg, und beide konnten sich unverletzt wieder erheben. Nun kam die Hilfe aus dem Dorf, und der Fuss wurde mit viel Mühe aus seiner Gefangen-schaft befreit. Der Landstreicher wurde als Held gefeiert. Aber mitten im Getümmel einer improvisierten Feier entkam er unerkannt. Wie oft sind wir gefangen in Ängsten und Sorgen, Leiden und Zwängen. Schuld und Schicksalsmächte klemmen uns ein. Gott möchte uns daraus befreien. Und in Jesus legt sich Gott gleichsam neben uns. Jesus ist nicht in der Angst gefangen, ist nicht von der Sünde gebunden, aber er legt sich, als wäre er auch Sünder, neben uns, damit er uns losmachen kann. Jesus ist von der Macht des Todes nicht festgehalten, aber er legt sich neben uns, damit wir durch seine Liebe den Tod überwinden können. Gott ist nicht begrenzt durch Raum und Zeit. Aber er kommt in Jesus in unsere Begrenzung hinein, lebt mit uns, leidet mit uns, stirbt für uns und macht uns schliesslich los von allen Gebunden-heiten. Er ist der eigentliche Held des Lebens.
«Der Herr blickte von seinem Heiligtum auf uns herab, er schaute vom Himmel auf die Erde. Er hörte das Stöhnen der Gefangenen und rettete sie vor dem sicheren Tod.»
| Quelle: Axel Kühner, Überlebensgeschichten für jeden Tag, Aussaat Verlag |
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