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 Kurzgeschichte  von  Freitag 4.7.2008 
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«Schade um den schönen Durst»

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Freitag 4.7.2008Archiv

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geschichte.
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Axel Kühner
Überlebensgeschichten für jeden Tag

In einem kleinen Dorf wohnte ein Mann, der wegen seines Weinkellers bekannt war. Dort lagerten die besten, erlesensten Weinsorten. Und wenn Besuch kam, so wurde als Zeichen der Gastfreundschaft ein guter Tropfen angeboten. Nun wurde der Kenner bester Weine nierenkrank und kam ins Krankenhaus. Dort brachte ihm die Krankenschwester eine grosse Kanne Nierentee.

Er nahm den ersten Schluck und seufzte dann der Schwester zu: «Schade um den schönen Durst!»
   Aber auch Gott, der das ungestillte Verlangen des Menschen schmerzlich kennt, der den Mangel des Menschen leidend mit ansieht, der mit der Krankheit des Lebens mitfühlt, könnte denken: «Schade um den schönen Durst!» Und doch dient unser «Krankenhausaufenthalt» unserer Gesundheit. Die schmerzlichen Erfahrungen von Leid und Not, Angst und Einsamkeit können uns helfen, Gott zu finden. Gott wählte gerade den Wein und den Kelch zum Zeichen des bitteren Leidens und gab uns Menschen das teure, kostbare Blut seiner Passion in einem Kelch und als Wein zu trinken. Damit wir im Leiden Christi Vergebung, im Sterben Gottes das Leben, im ausgegossenen Opfer seiner Liebe die Heilung und Freude finden können. - So haben unzählige Leidende sich tröstend Bonhoeffers Worte geliehen: «Und reichst du uns den schweren Kelch, den bittern, des Leids, gefüllt bis an den höchsten Rand, so nehmen wir ihn dankbar ohne Zittern aus Deiner guten und geliebten Hand.» Und haben dabei an Christi Passion und seinen Auferstehungssieg gedacht.

«Zu jener Zeit fliessen Milch und Most von den Bergen herab, und die Bäche Judas führen das ganze Jahr über Wasser. Am Tempel entspringt eine Quelle, die selbst das trockene Schittimtal noch bewässert.»
(Joel 4,18)


Quelle: Axel Kühner, Überlebensgeschichten für jeden Tag, Aussaat Verlag
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