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Muraschka
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KURZGESCHICHTE
Donnerstag 4.12.2008
FREI SEIN ? !

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Zum Glück hatte er dann eine Freundin, und ich wurde vorläufig in Ruhe gelassen. Aber nach ca. einem Jahr fing es wieder an. Ab diesem Zeitpunkt war es mir wirklich egal, was er mit mir machte. Und er nutzte wirklich jede Gelegenheit.
Eines Tages packte ich meinen Rucksack und nahm den ersten Bus. In der Schule lief es sowieso nicht gut und auch sonst hielt ich es Zuhause einfach nicht mehr aus. Ich wollte mit dem Zug zu einem Brieffreund fahren (eigentlich nur, weil er weit weg wohnte). Ich war noch nie da gewesen und fand deshalb sein Haus nicht. Es war eiskalt, es schneite, ich hatte Hunger. Schließlich rief ich daheim an, man fuhr mich heim, man starrte mich besorgt an, man fragte warum, man erhielt keine Antwort.
Natürlich ließ mich mein Bruder nicht in Ruhe.Gefühle Aber mir war alles egal. Ich war mir selbst egal. Ich war ein nutzloses Objekt. Kurz dachte ich sogar an Selbstmord. Aber dann dachte ich an meine Freunde und meine Familie, denen es vielleicht das Herz zerrissen hätte.
Ich tat es um ihretwillen nicht.

Damals hab ich mir immer gewünscht von einem Vierzigtonner überrollt zu werden. Oder die Treppe herunterzufallen und mir alle Knochen dabei zu brechen. Oder unheilbar an Krebs zu erkranken.
Als Kind wollte ich auch immer krank sein und in Ohnmacht fallen. Ich stellte mir vor, was passieren würde, wenn ich mich aus dem Fenster fallen lassen würde. Ich schlug mit dem Kopf gegen die Wand, um eine Gehirnerschütterung zu bekommen, ich schlief ohne Decke, um mich zu erkälten, ich leerte den Medikamentenschrank, ich trank Tinte. Erfolglos, zum Glück.
Einerseits wollte ich Aufmerksamkeit. Andererseits wollte ich mir selbst schaden. Weil ich meiner Meinung nach dazu verurteilt war, tragisch zu scheitern.

Dann ging ich mit vierzehn im Sommer auf eine Jugendfreizeit nach Südfrankreich. Eigentlich ging ich nur hin, weil ich nicht daheim sein wollte. Es ging mir absolut beschissen, und dass ließ ich mir auch anmerken. Ich hatte panische Angst davor, wieder zurück zu müssen. Im Schlaf weinte ich. Ich kratzte mir zum ersten Mal den linken Arm blutig.
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