| Isaak Feinsteins Ende
Dann kam die Nazizeit. Wir hatten viel zu leiden. Meine Frau und ich wurden mehrmals verhaftet, geschlagen und vor Nazirichter gezerrt. Feinstein stattete uns in Bukarest einen kurzen Besuch ab. In Jassy war die Atmosphäre vom Antisemitismus angesteckt und von einem drohenden Pogrom überschattet. Ich machte den Vorschlag, er solle nicht nach Jassy zurückkehren, wo der Tod auf ihn lauere. Feinstein antwortete: 'Es ist die Pflicht des Hirten, zusammen mit seiner Herde zu sterben. Ich weiß, daß sie mich töten werden, aber ich kann meine Brüder nicht im Stich lassen. Ich werde nach Jassy zurückfahren.' Am 28. Juni 1941, ein paar Tage nach seiner Rückkehr, brach der Pogrom aus. Die Zahl der getöteten Juden betrug elftausend. Tausende wurden in verschlossenen Viehtransportern zusammengepfercht und unter der sengenden Sonne abtransportiert - ohne einen Tropfen Wasser -, so daß die meisten erstickten. Unter ihnen war auch Feinstein. Die wenigen überlebenden wurden in einem Konzentrationslager interniert. Einige von ihnen berichteten, wie sich Feinstein, als er erkannte, daß der Tod unmittelbar bevorstand, an einen unweit von ihm stehenden Rabbiner wandte und zu ihm sagte: 'Es ist Zeit für uns, die Psalmen zu singen!' Er starb, während der Rabbiner laut die Psalmen sprach. Bis zuletzt erklärte Feinstein, was diese Psalmen über Jesus prophezeiten. Als er erstickte, ruhte sein Kopf auf der Schulter des Rabbiners. Der Rabbiner selbst starb nur wenige Minuten später. Nicht ein einziges Mitglied der jüdisch-christlichen Gemeinde in Jassy überlebte. Nur ein paar Mädchen kamen mit dem Leben davon. | zurück | Seite: 6 7 8 9 10 11 12 13 14 15 16 17 18 19 20 21 22 23 24 25 Index | weiter  |
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