| gestillt wurde. Das war ein Leben, um das mich viele beneideten. Doch mir selbst brachte es nur Herzeleid. Ich wußte, daß ich in mir etwas achtlos zerstörte, was gut war und für andere genützt werden sollte. Auch nach meiner Heirat jagte ich weiter nach Vergnügungen, log, betrog und tat anderen Menschen weh. Da mein Körper durch die Entbehrungen der Kindheit geschwächt war, führte dieses ausschweifende Leben dazu, daß ich mit siebenundzwanzig Jahren an einer Tuberkulose erkrankte. Zu jener Zeit war die Tb noch eine fast unheilbare Krankheit, und eine Zeitlang sah es so aus, als würde ich sterben. Ich hatte Angst. In einem Sanatorium auf dem Land kam ich zum ersten Mal in meinem Leben zur Ruhe. Ich lag da, schaute in die Baumkronen und dachte über die Vergangenheit nach. Sie tauchte in meinem Gedächtnis wie Szenen aus einem grausigen Schauspiel auf. Meine Mutter und meine Frau weinten um mich, und viele schuldlose Mädchen hatten ebenfalls geweint. Ich hatte verführt, verleumdet, gespottet und geprahlt, nur um Eindruck zu schinden. Da lag ich nun, und die Tränen kamen mir. In diesem Sanatorium betete ich zum ersten Mal in meinem Leben das Gebet eines Atheisten. Ich sagte etwa: 'O Gott, ich weiß, daß es dich nicht gibt. Falls es dich doch gibt, so ist es deine Sache, dich mir zu offenbaren. Es ist nicht meine Pflicht, nach dir zu suchen.' Nach einigen Monaten ging es mir etwas besser und ich siedelte in ein Bergdorf über, um mich weiter zu erholen. | zurück | Seite: 1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11 12 13 14 15 16 17 18 19 20 Index | weiter  |
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