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Die
Behandlung des Krebs zielt auf eine Heilung durch frühzeitige Beseitigung aller Tumorzellen aus dem Körper
(kurative Therapie); Hauptmaßnahmen sind die chirurgische Entfernung des Tumors bis in das gesunde Gewebe hinein, meist
unter Einbeziehung der regionalen Lymphknoten, die Strahlenbehandlung durch möglichst exakt auf die Geschwulst
gerichtete, optimal dosierte ionisierende Strahlen (Röntgenbehandlung, Neutronen-, Radium- oder Kobaltbestrahlung,
Einpflanzung von Radionukliden) und die Chemotherapie mit zytostatischen Mitteln, die die Entwicklung und Vermehrung
von Krebs-Zellen hemmen soll; Strahlen- und Chemotherapie werden überwiegend bei fortgeschrittenen Krebs mit
Metastasenbildungen im Anschluß an operative Maßnahmen unterstützend eingesetzt (adjuvante Therapie).
Vor allem die
Chemotherapie ist jedoch mit starken Nebenwirkungen verbunden, da sie auch die gesunden Körperzellen (besonders des
Knochenmarks) schädigt und mit Haarausfall, Erbrechen, Störung der Blutbildung und des Immunsystems, Hemmung von
Ovulation und Spermatogenese verbunden ist. Besonders die zytostatische Behandlung ist deshalb teils auch starker
Kritik ausgesetzt, da sie häufig keinen bleibenden Behandlungserfolg erziele, jedoch infolge der Nebenwirkungen die
Qualität der verbleibenden Lebenszeit unvertretbar mindere. Allerdings konnte mit ihrer Hilfe die
Fünfjahres-Heilungsrate bei einzelnen vorher meist unheilbaren Krebs-Arten (Hoden-Krebs, akute Iymphoblastische
Leukämie, Lymphogranulomatose) auf bis zu 90% gesteigert werden. Eine Möglichkeit zur Minderung der Schäden einer
hochdosierten zytostatischen oder Strahlenbehandlung ist die autologe Knochenmarktransplantation. Bei bestimmten
Krebs-Formen kann die Wirksamkeit der Behandlung mit Strahlen und/oder Medikamenten durch gleichzeitige gezielte
Wärmeanwendung (mittels Ultraschall oder Mikrowellen auch in tieferen Körperbereichen) gesteigert werden, da sie zu
einer Erhöhung der Empfindlichkeit der Tumorzellen gegenüber den Behandlungsmaßnahmen führt und sie zusätzlich direkt
schädigt.
Ist bei fortgeschrittener Erkrankung eine Heilung nicht mehr erreichbar,
zielt die Therapie auf Lebensverlängerung und Symptombehandlung (palliative Therapie). Hierzu gehören die
Schmerzausschaltung oder -minderung durch einen abgestuften Einsatz der zur Verfügung stehenden Mittel, chirurgische
Eingriffe zur Aufrechterhaltung lebenswichtiger Funktionen (z.B. Speiseröhrenersatz, Magenfistel oder Jejunostomie bei
Speiseröhren- oder Magen-Krebs), auch kosmetische Operationen bei Entstellungen, Anwendung von Psychopharmaka zur
Minderung der psychischen Belastung, Stärkung des Immunsystems. Bei hormonabhängigem Organ-Krebs (z.B. Brust-,
Prostata-Krebs) kann durch Hormongaben ein zeitweiliger Wachstumsstillstand oder eine Rückbildung des Tumors erreicht
werden.
Eine
Verbesserung der Behandlungsmethoden wird in der Strahlentherapie
durch Erprobung von zielgenauen Schwerionenstrahlern und Entwicklung von Medikamenten, die die Strahlenempfindlichkeit
von Krebs-Zellen erhöhen oder gesunde Zellen vor Strahlen schützen, versucht. Im Tierversuch konnte durch eine Bindung
von Zytostatika an Liposomen deren Wirksamkeit erhöht werden, wobei zusätzlich durch den Einbau monoklonaler Antikörper
gegen Tumorzellen eine tumorspezifische Wirkung angestrebt wird; über eine solche Koppelung könnten auch andere
Zellgifte (z.B. Radionuklide) zielgenau eingesetzt werden. Weitere Versuche im Bereich der immunbiologischen
Krebs-Therapie wurden zunächst mit Interferonen unternommen, die jedoch nur bei Haarzell-Leukämie Erfolge brachten. Zu
den neueren, in Erprobung befindlichen Verfahren gehört die autologe Immuntherapie; bei ihr werden Tumorzellen, die
aufgrund ihrer von Normalzellen nur gering abweichenden Oberflächenstruktur kaum antigene Eigenschaften besitzen, mit
apathogenen Viren infiziert und in den Körper reinfundiert, wo sie nun durch ihre antigenen Eigenschaften von den
T-Lymphozyten als fremd erkannt werden. Gegen Rückfälle bei behandeltem Lungen-Krebs wurde eine aktive Immunisierung
mit Tumorantigenen aus der Membran von Krebs-Zellen erprobt. Ein weiterer Versuch besteht darin, die körpereigene
Abwehr dadurch zu stimulieren, daß Lymphozyten außerhalb des Körpers mit dem biotechnisch hergestelIten Zellhormon
Interleukin-2 vermehrt und die hierdurch erhaltenen Lymphokin-aktivierten Killerzellen (LAK-Zellen) wieder in die
Blutbahn eingespritzt werden. Das Verfahren ist jedoch sehr aufwendig und mit starken Nebenwirkungen belastet, so daß
es derzeit für einen allgemeinen therapeutischen Einsatz nicht in Frage kommt. Keine wesentlichen Erfolge brachte auch
die Behandlung mit dem Tumor-Nekrose-Faktor, einem gentechnisch produzierten körpereigenen Eiweißstoff, der in der Lage
ist, Tumorgewebe zu zerstören. Ein neuer Ansatz besteht in der Erprobung von gentechnologischen Methoden, um die von
den Onkogenen übermittelten Informationen für die Krebs-Zellen unlesbar zu machen (z.B. mittels
"Anti-sense-Nukleinsäuren") oder ggf. ein verlorengegangenes Antionkogen in die Krebs-Zelle wieder
einzufügen. Diese und andere Verfahren einer "rationalen Therapie" zielen auf die Beseitigung der Ursachen
einer krebsigen Zellentartung.
Neben den schulmedizinischen Behandlungsmethoden wurde eine Vielzahl
von Außenseitermethoden, auch naturheilkundlicher Art, entwickelt, die durch Pflanzenextrakte (z.B. Mistel),
verschiedene Diätformen, Überwärmung (als "Mehrschritt-Therapie" auch in Verbindung mit Zytostatika und
Sauerstofftherapie), Frischzellen, Heilseren, Mesenchymaktivierung einen Behandlungserfolg anstreben, deren
therapeutische Wirkung jedoch umstritten ist.
Da die Heilungsaussichten hauptsächlich davon abhängen, daß eine
Krebs-Erkrankung in möglichst frühem Stadium erkannt wird, kommt den Vorsorgeuntersuchungen zur Krebs-Früherkennung
besondere Bedeutung zu die Bemühungen der "primären Prävention" richten sich vor allem im Rahmen der
Gesundheitsaufklärung auf den Appell zu einer Vermeidung der Risikofaktoren und die Früherkennung kanzerogener Stoffe
in der Umwelt. Ziel der epidemiologischen Krebs-Forschung ist die Ermittlung von Häufigkeit und geographischer
Verbreitung der einzelnen Krebs-Formen, die zur Klärung der Ursachen mit Faktoren der Umwelt, Lebensgewohnheit und
Ernährung in Beziehung gesetzt werden für die Bundesrep. Dtl. veröffentlichte das Dt. Krebsforschungszentrum
(Heidelberg) einen Krebs-Atlas. Der Erforschung und Bekämpfung widmen sich zahlreiche nationale
Forschungseinrichtungen, die in Informationsaustausch stehen. In der Bundesrep. Dtl. werden die regionalen Tumorzentren
durch das Bundesministerium für Forschung und Technologie sowie durch eine Reihe privater Einrichtungen
(Dt. Krebsgesellschaft, Frankfurt am Main; Dt. Krebshilfe, Bonn) gefördert. Auf europäischer Ebene wurde 1986 eine
Kommission der EU gegründet, deren Programm ("Europa gegen den Krebs") auf Krebs-Verhütung, Unterrichtung und
Gesundheitserziehung, Ausbildung der im Gesundheitswesen tätigen Personen sowie Förderung und Koordinierung der
Forschung gerichtet ist.
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