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Eine einheitliche Ursache der Krebs-Erkrankungen gibt es nicht, vielmehr sind zahlreiche kanzerogene Faktoren
(Risikofaktoren) bekannt, die einzeln oder in Kombination eine Zellentartung (Kanzerisierung) begünstigen oderauslösen
können, jedoch nichtzurErklärung aller Formen ausreichen.
Nach Ansicht der gegenwärtigen Forschung entsteht Krebs in einem
Wechselspiel innerer und äußerer Ursachen. Zu den äußeren Einflüssen gehören vor allem die chemischen Karzinogene;
zur Zeit sind fast tausend chemische Substanzen bekannt, die im Tierexperiment und beim Menschen Krebs erzeugen können,
unter ihnen vor allem polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe, sowie natürlich vorkommende Stoffe wie Aflatoxine
(Leberkarzinogen). Dazu kommen Kokarzinogene, die die krebserregende Wirkung von Vollkarzinogenen steigern.
Manche Karzinogene entstehen im Körper selbst aus an sich unschädlichen
Vorstufen (z.B. Nitrosamine aus Nitrit und Aminen). Bei Einwirkung kleinerer Mengen dieser Stoffe über längere Zeit
summiert sich deren Wirkung. Dies trifft auch auf die weitere Gruppe der physikalischen Faktoren zu; hierzu gehören
energiereiche ionisierende Strahlen wie Röntgen-, Alpha-, Beta- und Gammastrahlen (radioaktive Isotope), die durch
Abgabe von Energie unter anderem an den Nukleinsäuren der Chromosomen Schäden hervorrufen, nach langer Latenzzeit auch
die UV-Strahlung des Sonnenlichts. Eine Reihe dieser Risiken wurde vor allem durch das Auftreten entsprechender
Berufskrankheiten z.B. in Bergwerken, industriellen Betrieben, bei Schornsteinfegern (Hoden-Krebs) bekannt und führte
zu Arbeitsschutzmaßnahmen und einer laufenden Erfassung krebserzeugender Arbeitsstoffe innerhalb der von der Dt.
Forschungsgemeinschaft jährlich veröffentlichten MAK-Werte-Liste. (MAK = Maximale Arbeitskonzentration)
Tumorviren als mögliche dritte äußere Krebs-Ursache sind bereits seit
Anfang des 20.Jh. in der Tiermedizin bekannt; sie können unter anderem bei Hühnern und Mäusen Leukämie, bei Kaninchen
Haut-Krebs hervorrufen. Bei einigen Viren besteht der Verdacht, daß sie auch beim Menschen kanzerogen wirken. So wird
das EpsteinBarr-Virus als Ursache des Burkitt-Tumors vermutet, auch bei Gebärmutterhals-, Brust- und Leber-Krebs
besteht der Verdacht einer Beteiligung von Viren (z.B. Herpes-simplex-Virus, Papillomaviren). Aufgrund von
Tierexperimenten und der Erkenntnis, daß weit mehr Menschen Träger eines vermuteten Tumorvirus sind, als tatsächlich an
Krebs erkranken, besteht jedoch die Auffassung, daß eine kanzerogene Wirkung nur unter dem Einfluß zusätzlicher
Faktoren möglich ist.
Der Eintritt und das Ausmaß der Zellschädigung durch äußere
Einwirkungen ist jedoch auch von inneren Reaktionen im Körper abhängig. Alle äußeren Faktoren wirken über eine
Schädigung des Genmaterials der Zelle; derartige Defekte werden in begrenztem umfang von den Zellen repariert. Auch neu
gebildete Krebs-Zellen werden anfangs von Killerzellen und Antikörpern zerstört. Bei einer Schädigung des Immunsystems
(z.B. als Auswirkung von AIDS oder einer immunsuppressiven Behandlung) steigt das Risiko einer Krebs-Erkrankung
dementsprechend um ein Vielfaches. Die Leistungsfähigkeit des Gen-Reparatursystems, des Immunsystems und der Entgiftung
sind außerdem von vererbbaren genetischen Faktoren sowie vom Lebensalter abhängig. Als weiterer innerer Faktor kommt
die Wirkung von Hormonen in Betracht, die z.B. bei der Entstehung des Krebs am Gebärmutterkörper und der Brust
beteiligt sind. Als zusätzlicge endogene Komponente wird im Rahmen der Psychoonkologie die Bedeutung psychischer
Gegebenheiten erforscht und z.B. die Frage nach der Existenz krebsfördernder Persönlichkeitsmerkmale und Lebensumstände
oder krebshemmender Charaktereigenschaften untersucht. Ein Einfluß wäre z.B. über die Immunabwehr denkbar, die
empfindlich auf Belastungszustände reagiert. Galt schon in der antiken Medizin (GALEN) Melancholie als Krebs-Auslöser,
so wurden nach Entdeckung der Krebs-Zelle (R. VIRCHOW) und der Kanzerogene derartige Vorstellungen jedoch lange Zeit
als unwissenschaftlich angesehen.
Kanzerogene
Einflüsse werden vor allem in Gestalt einer Reihe von
Risikofaktoren der Genuß-, Eß- und Lebensgewohnheiten und der Umwelt wirksam. Chemische Kanzerogene sind vor allem in
Gestalt des Rauchens Ursache von im Durchschnitt über 30% aller krebsbedingten Todesfälle; es führt zu einem 10-25fach
erhöhten Risiko, an Lungen- oder Bronchial-Krebs zu erkranken, und vervielfacht die Wahrscheinlichkeit von Kehlkopf-,
Mundhöhlen-, Speiseröhren-, Harnblasen- und Nieren-Krebs Eine signifikante Konzentration der Todesfälle durch
Lungen-Krebs besteht nach Veröffentlichung der Kommission der EU im europäischen Vergleich in Großbritannien, den
Beneluxländern, der Bundesrepublik Deutschland und Norditalien. Auch hochprozentige alkohol Getränke gelten, vor allem
in Verbindung mit starkem Rauchen, als Risikofaktor des Speiseröhren-Krebs (höchste europäische Todesrate in
West-Frankreich). Die Luftverschmutzung in Ballungsgebieten und eine erhöhte Radonkonzentration in Häusern, die z.T. in
Verbindung mit den energiesparenden Maßnahmen zur Wärmedämmung und Verwendung radiumhaitiger Baumaterialien gebracht
wird, haben möglicherweise Einfluß auf die Krebs der Atemwege. Kontrovers ist die Interpretation des statistischen
Materials hinsichtlich der Frage einer überdurchschnittlichen Häufung der akuten Iymphatischen Leukämie bei Kindern in
der Umgebung von Kernkraftwerken.
Durch übermäßige Sonnenbestrahlung wird ein erheblicher Teil der
Haut-Krebs (Melanome) verursacht; im europ. Vergleich treten die meisten Todesfälle in N-Europa auf (Dänemark,
Bundesrep. Dtl., Großbritannien). Als allgemeine Risikofaktoren der Ernährung gelten übermäßige Nahrungszufuhr und vor
allem ein überhöhter Fettverbrauch und Mangel an Ballaststoffen, die Ursache von Dickdarm-Krebs sein können;
Übergewicht wird bei der Frau auch als Risikofaktor für Brust- und Gebärmutter-Krebs vermutet, wobei das Hormon
Östrogen die Rolle eines Kokarzinogens spielen könnte. Die Todesfälle durch Brustkrebs bei Frauen weisen eine
Konzentration in N-Europa (vor allem Dänemark, Großbritannien, Irland und Niederlande) auf. Als wesentliche
Voraussetzung für den Gebärmutterhals-Krebs, der bei zölibatär lebenden Frauen extrem selten ist, wird der
GeschIechtsverkehr angesehen; mögliche Ursache sind karzinogene Substanzen (Tumorviren?) im Smegma des Mannes, die beim
Geschlechtsverkehr übertragen werden könnten. Ein stark vermindertes Risiko besteht bei Beschneidung des Mannes.
Als Nebenwirkung medizinischer Behandlungsmaßnahmen tritt Krebs vor
allem bei kombiniertem Einsatz von Röntgenbestrahlung und zytostatischen Mitteln in der Krebs-Therapie auf, wobei es
nach unterschiedlicher Latenzzeit zu Leukämie oder Organ-Krebs kommen kann, ebenso nach immunsuppressiven Maßnahmen bei
Organtransplantationen.
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