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Auch wenn der Protest-Okkultismus nur an die Schwelle zum okkulten
Schattenreich führt und in den Schulungen der eigentlichen okkulten Zirkel langsam erstickt, so verdient er als
Anfängerokkultismus doch unsere besondere Beachtung. Oberflächlich betrachtet könnte man denken, dass die
Kirchenmüdigkeit und die weitherum herrschende permissive Moral der Gegenwart kein geeignetes Feindbild abgeben, gegen
das der Protest-Okkultismus antreten möchte. Trotzdem - auch die permissivste Werteskala und die kaum mehr
sichtbaren Normen können noch als Toleranzgesäusel, als liberaler Selbstbetrug und als Flucht des Menschen
vor seinem wahren wilden, anarchischen Menschsein verstanden werden. Gerade eine Umwertung der kaum mehr sichtbaren
Werte hat ihren besonderen, die liberale Gesellschaft enthüllenden Reiz. Gerade in der diffusen Moralität der
Gegenwart wird der Protest-Okkultismus zum Propheten, der einer verlogen braven Gesellschaft das anarchische
Spiegelbild vor Augen hält. Wie wenn Christlichkeit und bürgerliche Moral austauschbare Begriffe wären,
dient dabei die Umwertung alles Christlichen der Unwertung alles Bürgerlichen und Braven. Das umgekehrte Kreuz,
das rückwärts buchstabierte Unser Vater und satanistische Symbole schenken dem jungen
Möchtegernsatanisten die Möglichkeit, seiner Umgebung Angst einzujagen und damit auch besonderen Respekt
einzufordern. Wer Furcht einflösst, wird wahrgenommen. Und wer Tabus bricht, findet sich selbst. Schliesst sich
der Möchtegernsatanist dann einer satanistischen Gruppe an, so weisen ihm Ekelübungen, die ihm helfen sollen,
genau das zu tun, was er bisher verabscheute, den Weg in eine Freiheit, in der alle Bande anerzogener Moral und
bürgerlicher Ordentlichkeit zerrissen werden. Alkohol und andere Drogen helfen dem Adepten, den eigenen Ekel
auszublenden. Rauschhaft wird die erste und von Crowley meisterhaft formulierte satanistische Regel eigene Erfahrung:
Tu was du willst, das ist das einzige Gesetz.
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Dass diese Anarchie sogleich in bedingungslose Hörigkeit gegenüber
den Leitern des Kultes mündet, gründet nicht nur in den Allmachtsgelüsten der Kultführer, sondern
auch in den Ohnmachtserfahrungen des Adepten. Ein von allen anerzogenen und bisher vertrauten Werten und Vorstellungen
entblösstes und in seinem bewusst unterdrückten Ekel seiner inneren Führung entrissenes Ich wird
willenlos verformbar. Die völlig Freien werden zu willigen Opfern allmachtshungriger Magie und sadistisch
gefärbter Verfügungsfreude.
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