Nicolae Ion Grigorescu, "Der Unabhängigkeitskrieg 1877" 1877 (Bukarest, Muzeul National de Arta al României)
|
|
|
|
Constantin Brancusi, "Endlos Säule"; 1937 (Tîrgu Jiu)
|
|
Unter
den Kunstlandschaften des heutigen Rumänien sind, bedingt durch die historische Entwicklung, Moldau
und Walachei diejenigen, die die rumänische Kunst am reinsten repräsentieren. Siebenbürgen stand
schon im Mittelalter in lebhaftem Kontakt mit Mitteleuropa, während die beiden anderen Regionen
Elemente westlicher Kunst nur punktuell und erst im 18.Jh. verstärkt aufnahmen.
Architektur:
Walachei und Moldau standen unter byzantinischem Einfluß, der größtenteils über die Athosklöster oder
Serbien vermittelt wurde. Die Walachei führte zunächst den Typ der byzantinischen Kreuzkuppelkirche
weiter (Fürstenkirche in Curtea de Arges, Mitte des 14.Jh.), übernahm dann den vom Athos stammenden
Dreikonchenbau der serbischen Morawa-Schule mit Kuppel auf hohem Tambour und meist einschiffigem und
tonnengewölbtem Laienraum. Richtungweisend für diesen Typ war die Klosterkirche Cozia (1382-88). Bei
der Bischofskirche in Curtea de Arges (1517 geweiht) treten als nattionale Sonderzüge v.a. die
turmartigen Tambourkuppeln, schräggestellte Tambourfenster und eine reiche Bauplastik mit einheimischen,
armen. und orientalischen Dekorationsmotiven hervor. Während in der Walachei der kubische Charakter
des byzantinischen Grundtypus gewahrt bleibt, ist der gleiche Typ in der Moldau, besonders in der
Bukowina, der Gotik im Westen angenähert. Der stark gestreckte Baukörper wird dort von einem
einheitlichen Satteldach überdeckt, aus dem die Tambourkuppel turmartig hinausragt. Stützpfeiler,
Fenster- und Türrahmungen wurden direkt von der Gotik übernommen (Klosterkirchen Voronel, 1488;
Moldovita, 1532; Sucevita, um 1582-84; Dragomirna, 1609 erwähnt; BILD). Wohl in Anlehnung an die
Holzarchitektur wurde in der Moldau für Kuppeln eine eigentümliche Konstruktion mit zwei oder mehr
übereinandergestaffelten Pendentifs entwickelt, die den Kuppeldurchmesser zunehmend verringern
(Heiligkreuzkirche in Patrauti, Kr. Suceava, 1487). Diese "moldauischen Gewölbe" sind bis
ins 18.Jh. nachweisbar. Im 17.Jh. wurde der Außenbau oft mit reicher Ornamentik überzogen (Kirche der
drei Hierarchen in Jassy, geweiht 1639). Der Brîncoveanustil prägte um die Wende vom 17. zum
18.Jh. Schloß- und Klosteranlagen der Walachei. Im 18.Jh. fanden der europäische Barock (Schloß in
Gornesli, 1773-80) und später, v.a. durch Rußland und Polen vermittelt, der Klassizismus (Schloß
Ghika in Bukarest, 1822) Eingang in die rumänische Architektur. Im 19.Jh. kam es allmählich zu einem
engeren Anschluß an die europäische Entwicklung mit historist. Bauten wie dem Athenäum in Bukarest
(1886-88), dem ehemaligen Justizpalast (heute Univ.-Gebäude, 1890) von ION I. SOCOLESCU (* 1859, t 1924) in Craiova, dem Kulturpalast
in Jassy (1905-07) von ION D. BERINDEY (* 1871, t 1928) und dem Kasino in Konstanza (1907-10) im Stil
der Art nouveau. N. GHICA-BUDESTI, ION MINCU (* 1851, t 1912), GRIGORE CERCHEZ (* 1851, t 1927) und
PETRE ANTONESCU (* 1873, t 1965) knüpften bei ihren Bauten an die nationale Tradition an ("rumänischer
Stil"). Bedeutende Architekten der Gegenwart sind CEZAR LAZARESCU (* 1924), NICOLAE PORUMBESCU
(* 1919) und ALEXANDRU IOTZU.
Malerei und Plastik:
Wand- und Ikonenmalerei sind nachhaltig der
byzantinischen Tradition verpflichtet und nehmen insbesondere serbische Einflüsse auf (Fresken der
Fürstenkirche von Curtea de Arges). Im 16.Jh. bildete sich ein eigenes ikonographisches System heraus,
das auch auf zeitgenössische Thematik Bezug nimmt. Bezeichnend ist zugleich die Tendenz zu größerer
Wirklichkeitsnähe. Ab etwa 1530 wurden nicht nur die Innen-, sondern auch die Außenwände moldauischer
Kirchen mit Fresken überzogen (Humor, um 1535; Moldovila, 1537; Voronel, vor 1547). Besonders
in der Walachei blühte im 17. und 18.Jh. eine eigenartige, volkstümliche Ikonenkunst. Im 19.Jh. setzte
die Europäisierung von Malerei und Plastik ein.
Die führenden Maler des 19. Jh. erhielten in Frankreich
entscheidende Anregungen (T. AMAN, I. ANDREESCU, N. GRIGORESCU, S. LUCHIAN), ebenso die Vertreter der
modernen rumänischen Malerei und Graphik des 20. Jh. . GHEORGHE PETRASCU (* 1872, t 1949), THEODOR
PALLADY (* 1871, t 1956), I. ISER, N. TONITZA, D. GHIATA. Für den 1930 nach Paris übersiedelten V.
BRAUNER wurde der Surrealismus richtungweisend. Bedeutende Bildhauer sind der aus Deutschland
gebürtige KARL STORCK (* 1826, t 1887), STEFAN IONESCU-VALBUDEA (* 1856, t 1890), der zum
Klassizismus neigende ION GEORGESCU (* 1856, t 1898), der von A. RODIN beeinflußte D. PACIUREA sowie
C. BRANCUSI, der sich 1904 in Paris niederließ und mit abstrakten Plastiken internationales Renommee
erlangte.
Die
dem sozialistischen Realismus (seit 1948) zuzuordnenden Werke zeigen starke expressionistische Züge.
Seit den 1960er Jahren arbeiten immer mehr Künstler im Sinn der westeuropäischen Kunstszene. - Die
traditionsreiche Volkskunst (Textilkunst, Keramik, Hinterglasmalerei) wird weiterhin gepflegt.
| |