
Der große Markt von Hermannstadt (Sibiu) heißt Zibinsmarkt und bietet
alles, was das Herz begehrt. Manche Bauern reisen von weit an und übernachten
auf den Tischen oder in ihren Autos.
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Auf dem Markt von Hermannstadt (Sibiu) findet man auch mannshohe Melonenberge
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Tagebau Lichtenberg (Blickrichtung SW), im Hintergrund Absetzerhalde
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Amethyst, Baja Mare (Rumänien)
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Thermalhotel Oltul mit Thermalwasserbohrung
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Rumänien
war bis zum Zweiten Weltkrieg ein Agrarland;
größere industrielle Bedeutung hatte nur die Erdölförderung. Nach 1945 wurde das Land im Rahmen einer
zentralistisch betriebenen sozialistischen Planwirtschaft forciert industrialisiert, wobei
Grundstoff- und Schwerindustrie unter Vernachlässigung der Konsumgüterindustrie und der Landwirtschaft
ausgebaut wurden. Dies führte anfänglich auch zu einem hohen Wachstum der Industrieproduktion. Durch
die Inanspruchnahme hoher Auslandskredite wurde die Wirtschaft stark belastet. Folgen waren u.a. die
Zahlungsunfähigkeit Rumäniens, Lebensmittelknappheit sowie die Zuspitzung des Widerspruchs zwischen
Verbrauch und Bereitstellung von Energie und Rohstoffen. Die in den 1980er Jahren auf vollständige
Rückzahlung der Auslandsschulden durch maximale Exportsteigerung bei gleichzeitiger Importreduzierung
orientierte Wirtschaftspolitik bewirkte eine weitere Senkung des Lebensstandards der Bevölkerung.
Die Reformunwilligkeit der Ceausescu-Diktatur und der Zusammenbruch des Rates für gegenseitige
Wirtschaftshilfe (RGW) 1990 verstärkten die politische und wirtschaftliche Krise des Landes (z.B.
Rückgang der Industrieproduktion 1990 um rund 20 %). Mit einem geschätzten Bruttosozialprodukt je
Erwachsener von (1989) 3445 US-$ liegt Rumänien unter den ehemaligen RGW-Staaten an letzter Stelle.
Der
Abbau staatlicher Subventionen, besonders im Lebensmittelbereich, führte zu einem erheblichen Anstieg
der Inflationsrate (1991 nach Schätzungen rund 160%). Die Lebenslage der Bevölkerung verschlechterte
sich drastisch. Durch Privatisierung soll der Reformprozeß von der Plan- zur Marktwirtschaft
beschleunigt und der Zufluß von Auslandskapital zum Auf- und Ausbau wettbewerbsfähiger Unternehmen
begünstigt werden. Als Anreiz dazu wurden die Schulden der Betriebe vom Staat übernommen. Hemmend
wirken sich die enge Verbindung zwischen Staat und Wirtschaft (staatliche Kontrolle der Produktion)
und die fehlende Reform des Bankwesens aus. Das 1991 vom Parlament verabschiedete neue Bodengesetz
gestattet die Privatisierung der landwirtschaftlichen Produktionsgenossenschaften bis 10 ha, nicht
jedoch die der großen Staatsgüter.
In
der Landwirtschaft, die (1989) mit 15,2% an der
Nettoproduktion beteiligt ist, sind 21,1 % der Erwerbstätigen beschäftigt. Die landwirtschaftliche
Nutzfläche von (1988) 15,1 Mio. ha (63,5% der Gesamtfläche) setzt sich zusammen aus 10,08 Mio. ha
Ackerland, 4,41 Mio. ha Wiesen und Weiden und 0,62 Mio ha Dauerkulturen. Wichtige Agrarzentren sind
das Donau- und Theißtiefland, Siebenbürgen, das Hochland der Moldau und die Dobrudscha.
Hauptanbauprodukte sind Mais (Erntemenge 1989: 6,8 Mio. t), Weizen (7,9 Mio. t), Zuckerrüben
(6,7 Mio. t), Sonnenblumen, Gemüse und Kartoffeln (7 ,2 Mio. t). Der Obstbau ist besonders im südlichen
und südöstlichen, der Weinbau im südlichen Karpatenvorland (Dragasani, Dealu-Mare nordöstlich von
Ploiesti, Odobesti, Panciu) und in Siebenbürgen (Gebiet der Großen und Kleinen Kogel) anzutreffen.
Bewässerungsfeldbau wird besonders im Donautiefland, am unteren Alt, in der Baragan und in der südlichen
Dobrudscha betrieben. Der Anteil der tierischen an der gesamten landwirtschaftlichen Produktion
beträgt etwa 40%. Rinderzucht mit Milchviehhaltung (1989: 7,2 Mio. Rinder) wird in stadtnahen
Gebieten, Schweinezucht (15,4 Mio. Schweine) besonders im Banat, im S Siebenbürgens und in der nördlichen
Moldau betrieben, Schafzucht (18,8 Mio. Schafe) konzentriert sich im Gebirge und in der Dobrudscha.
Forstwirtschaft:
Durch Aufforstungen (seit 1948 über 1 Mio. ha) konnte trotz erheblichem Holzeinschlags
(1988: 20,4m³) die Waldfläche (1988: 6,34 Mio. ha, 26,7% der Gesamtfläche) konstant gehalten
werden.
Fischerei:
Ein Drittel der Fangmenge (1988: 267'600 t) stammt aus der Donau und ihrem Überschwemmungsgebiet;
in den Gewässern des Binnenlandes wird auch Karpfenzucht betrieben.
Die
wichtigsten Bodenschätze sind Erdöl im Karpatenvorland (mit den alten Schwerpunkten im Raum Ploiesti
und Bacau und den jüngeren nördlich von Pitesti und um Craiova) und seit jüngster Zeit auch im
Zentrum des Donautieflands (Teleorman, Calarasi) und im W des Landes (Bihor und Timis) sowie Erdgas
(in Siebenbürgen in den Kreisen Mures und Hermannstadt). Rumänien gehört zu den wichtigsten europäischeb
Förderländern für Erdöl (1990: 8,2 Mio. t) und Erdgas (1989: 31,2 Mrd. m3). Die Steinkohlenförderung
(1989: 8,9 Mio.t) ist v.a. im Becken von Petrosani konzentriert, Braunkohle (42,6 Mio. t) wird im
Trotusbecken, in den Flußgebieten der Weißen und Schnellen Körös sowie des Jiu gewonnen. Die
Eisenerzförderung deckt den Bedarf nur zum geringen Teil. Außerdem werden Buntmetallerze und
nichtmetallische Rohstoffe (z.B. Kaolin, Talk, Baryt) gefördert.
Energiewirtschaft:
Die Elektrizitätserzeugung ist wegen des hohen Energieverbrauchs nicht ausreichend; durch fehlende
Kapazitätsreserven sind Stromabschaltungen häufig. Der Anteil von Erdöl und Erdgas bei der
Energieerzeugung ging von (1981) 67% auf (1988) 38% zurück. Der Anteil der Wasserkraft liegt (1987)
bei 17%. Die wichtigsten Wasserkraftwerke entstanden als rumänisch-jugoslawisches Gemeinschaftswerk
am Eisernen Tor. In Cernavoda ist ein Kernkraftwerk im Bau.
In
der Industrie, deren Entwicklung v.a. durch die
Förderung der einheimischen Bodenschätze begünstigt wurde, sind (1989) 45,1 % der Erwerbstätigen
beschäftigt: sie erwirtschaften 66,4% der Nettoproduktion.
Ein bedeutender Wirtschaftszweig ist die Schwerindustrie. Die wichtigsten Eisenhüttenzentren liegen
im SW (Hunedoara), in Siebenbürgen und im O des Landes (Galatz, Röhrenwalzwerk in Roman; Braila und
Buzau). Standorte der Buntmetallurgie sind Baia Mare (Kupfer, Blei, Gold, Silber), Großwardein
(Aluminiumoxid), Tulcea, Slatina (Aluminium) und Zlatna (Kupfer). Rund 13% des verarbeitenden
Gewerbes sind in Bukarest konzentriert. 30% der Industrieproduktion entfallen auf den Maschinenbau.
Wichtigste Standorte sind Bukarest, Kronstadt, Großwardein, Craiova, Hermannstadt, Klausenburg,
Neumarkt, Ploiesti und Galatz. Werften arbeiten in Konstanza und Mangalia am Schwarzen Meer sowie u.a.
in Tulcea, Braila und Giurgiu an der Donau. Die chemische Industrie (v.a. in Bukarest, Ploiesti,
Kronstadt, um Neumarkt, in Siebenbürgen, entlang der Flüsse Bistritz und Trotus, in Großwardein und
Temesvar) erbringt 10% der Industrieproduktion. Zweige der Leichtindustrie sind Holzverarbeitung
(besonders in den Karpaten), Glas- (Mediasch, Bukarest) und Keramikindustrie (Klausenburg, Schäßburg,
Temesvar) sowie Textil- und Bekleidungsindustrie (in der nördlichen Moldau, in Bukarest, in
Siebenbürgen und im Banat). Betriebe der Nahrungs- und Genußmittelindustrie finden sich im ganzen Land
Schwerpunkt
des Fremdenverkehrs (1989: 4,9 Mio. Auslandsgäste)
ist die Schwarzmeerküste mit den Badeorten Mamaia, Eforie und Mangalia. Zahlreiche der über 2'000
Mineral- und Thermalquellen werden in Kurorten (z.B. Borsec in den Ostkarpaten, Slanic Moldova in der
Moldau, Baile Herculane im Banater Gebirge und Baile Felix bei Großwardein) genutzt. In den Karpaten
gibt es auch einige Wintersportorte (Poiana Brasov und Predeal südlich von Kronstadt, Busteni und
Sinaia am O-Rand des Bucegi).
Aussenwirtschaft:
Die Handelsbilanz wies 1989 noch einen Exportüberschuß aus (Exportwert: 10,8 Mrd. US-$, Importwert:
8,8 Mrd. US-$). Doch der Rückgang der Industrieproduktion und der Zusammenbruch traditioneller
Absatzmärkte verringert seit 1990 den Export, gleichzeitig nimmt der Import zu.
Die wichtigsten Handelspartner waren 1989 die UdSSR (ein Drittel des Außenhandelsvolumens) und die
Dt. Dem. Rep. (12 %). Die Auslandsschulden wurden unter der Ceausescu-Diktatur mittels restriktiver,
für die Bevölkerung entbehrungsreicher Maßnahmen abgebaut (1980: 11,0 Mrd. US-$, 1990.700 Mio. US-$).
Verkehr:
Hauptverkehrsträger ist die Eisenbahn, deren Streckenführung den geographischen Gegebenheiten folgt:
Die den Karpatenbogen (außen und innen) begleitenden Hauptstrecken sind durch zahlreiche Nebenstrecken
miteinander verbunden; das gesamte Netz umfaßt (1989) 11'343 km. Das Straßennetz ist (1989) 72'816 km
lang; etwa 15'000 km sind Nationalstraßen. Eine 112 km lange Autobahn verbindet Bukarest mit Pitesti.
Der Binnenschiffahrt stehen (1989) 1'783 km Wasserstraßen zur Verfügung; die wichtigste ist die
Donau, die im kanalisierten Sulinaarm des Deltas bis Braila für Seeschiffe befahrbar ist und deren
Unterlauf bei Cernavoda seit 1984 durch den Donau-Schwarzmeer-Kanal direkt mit Konstanza verbunden
ist. Die wichtigsten Donauhäfen sind die von Sulina, Galatz, Braila, Cernavoda, Calarasi und Giurgiu.
Auch der Pruth ist für größere Schiffe befahrbar. Größter Seehafen ist der von Konstanza (mit dem
neuen Seehafen Agigea weiter südlich), gefolgt von Mangalia. Die nationale Luftverkehrsgesellschaft
heißt Transporturite Aeriene Române - TAROM. Einen internationalen Flughafen besitzen
Bukarest, Konstanza, Arad und Temesvar.
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