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GESCHICHTEN
KURZGESCHICHTE
Samstag 4.2.2012
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Abhängiges Verhalten ist durch einen Teufelskreis gekennzeichnet: Durch den Konsum von Alkohol, Drogen oder Medikamenten wird eine unbefriedigende und als unerträglich erlebte Situation scheinbar verbessert. Läßt die Wirkung der Substanz aber nach, kommt es im wahrsten Sinne des Wortes zu einer "Ernüchterung", denn die Person muss feststellen, dass sich ihre Situation nicht wirklich verändert hat. Oft erscheint sie sogar noch unerträglicher, so daß die Person jetzt erst recht die Substanz "braucht", um der Situation zu entfliehen.

Für die Entstehung und Entwicklung einer Abhängigkeit wird das Zusammenwirken verschiedener Faktoren angenommen:
  • Die Droge

    Ob sich eine Abhängigkeit entwickelt, hängt u.a. von bestimmten Merkmalen der Substanz ab. Zum einen ist entscheidend, wie leicht verfügbar eine bestimmte Substanz ist. Die Tatsache, dass die Alkoholabhängigen den größten Teil der Abhängigen ausmachen, dürfte zumindest teilweise darauf zurückzuführen sein, dass Alkohol sehr leicht zu beschaffen ist. Wie aber die Diskussion um die Legalisierung der sogenannten "weichen" Drogen zeigt, scheint andererseits gerade der "Reiz des Verbotenen" besonders groß zu sein, wenn eine Substanz nur schwer verfügbar ist. Darüber hinaus spielt die Wirkung der jeweiligen Substanz eine wichtige Rolle. So führt z.B. Alkoholkonsum zur Enthemmung und löst Ängste. Bei Medikamentenabhängigkeit steht zumindest am Anfang die schmerzlindernde oder beruhigende Wirkung im Vordergrund. Ein weiteres einflussreiches Merkmal der Substanz ist ihr Abhängigkeitspotential, das heißt wie leicht sie zu psychischer oder körperlicher Abhängigkeit führt. Das Abhängigkeitspotential darf aber nicht als eine feste Größe betrachtet werden. Zwar führen einige Substanzen schneller zu Abhängigkeit als andere, andere Faktoren, wie z.B. die Persönlichkeit des Konsumenten spielen aber eine entscheidende Rolle. Auch ist die Toleranz für die jeweilige Substanz individuell unterschiedlich.

  • Das Individuum

    Auf Seiten des Individuum stehen folgende Faktoren im Zusammenhang mit Abhängigkeit: Selbstunsicherheit und Komplexe, Spaß an Verbotenem und Risiko, Langeweile, Beeinflussbarkeit, Problemverdrängung, Leistungssteigerung, Kontaktstörungen und Geltungsdrang. Diese Faktoren führen in Kombination mit der Drogenwirkung dazu, dass Abhängigkeit geradezu erlernt wird. Am Beispiel des Alkoholkonsums heißt das z.B.: Eine eher unsichere und ängstliche Person macht die Erfahrung, dass sie unter Alkoholeinfluss wesentlich gelöster ist und leichter in Kontakt mit anderen kommt. Sie lernt so, dass Alkohol eine (scheinbare) Hilfe und Lösung bei Problemen ist. Auch konnte gezeigt werden, dass Personen, die nur schwer mit Frustrationen umgehen können und keine angemessenen Strategien entwickelt haben, mit Konflikten umzugehen, ein erhöhtes Abhängigkeitsrisiko haben. Auch genetische Faktoren scheinen beteiligt zu sein, so ist z.B. häufig der eineiige Zwilling eines Abhängigen auch abhängig. In Bezug auf Drogenabhängigkeit gibt es die Vermutung, dass es im Gehirn eine Art "Belohnungssystem" gibt; die mit der ersten Drogeneinnahme verbundenen Erinnerungen scheinen dabei ein Auslöser für die nächste Drogeneinnahme zu sein.

  • Situation und soziales Umfeld

    Die Umwelt übt auf verschiedenen Ebenen Einfluss auf die Entstehung von Abhängigkeit aus. So ist beispielsweise in unserer Gesellschaft Alkoholkonsum nicht nur toleriert, sondern gehört fast schon zum Alltag. In bestimmten Gruppen (z.B. Vereinen) gibt es feste Trinkrituale, Abstinenz wird verlacht, Trinkfestigkeit gelobt. In anderen Kreisen gilt z.B. Kokain als chic. Auch ideologische Faktoren spielen eine Rolle, in der Hippie-Bewegung gehörte Haschisch zum Lebensgefühl.

Auf familiärer Ebene lernen Kinder oft von ihren Eltern den unangepaßten Konsum von Alkohol. Sie erleben, dass Alkohol zur Freizeit gehört und auch zur Problemlösung eingesetzt wird und übernehmen später häufig dieses Verhalten. Oft sind es Kinder aus Familien mit gestörten Beziehungen, die abhängig werden. Auch der Einfluss von Gleichaltrigen ist groß.

Medikamentenmißbrauch beruht häufig auf körperlichen Beschwerden und psychosomatischen Störungen (z.B. Angst, Unruhe, Depression). Diese Beschwerden entstehen oft durch Arbeits- und Lebensbedingungen wie Zeitdruck, emotionale Belastung und Isolation, die zu Konflikten und Spannungen führen. Gegen die Symptome werden dann selbstgewählte oder vom Arzt verordnete Medikamente eingenommen, die aber gegen die eigentlichen Ursachen der Beschwerden nicht helfen.

Es ist also eine Kombination verschiedener Risikofaktoren, die die Entstehung einer Abhängigkeit wahrscheinlich machen. Dies wird auch deutlich, wenn man betrachtet, warum bestimmte Berufe, wie z.B. Piloten, als Risikoberufe für Abhängigkeit gelten. Zum einen ist in diesem Bereich die Verfügbarkeit von Alkohol, z.B. im Duty Free, sehr groß. Außerdem ist der Beruf mit großer Verantwortung und Anspannung verbunden. Darüber hinaus ist die familiäre Situation durch die häufigen Trennungen problematisch. Beim Aufenthalt in einer fremden Stadt beschränken sich die Sozialkontakte meist auf Treffen mit Kollegen in Hotelbars und Kneipen.
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