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Abhängiges
Verhalten ist durch einen Teufelskreis
gekennzeichnet: Durch den Konsum von Alkohol, Drogen oder
Medikamenten wird eine unbefriedigende und als unerträglich
erlebte Situation scheinbar verbessert. Läßt die Wirkung der
Substanz aber nach, kommt es im wahrsten Sinne des Wortes zu
einer "Ernüchterung", denn die Person muss feststellen, dass
sich ihre Situation nicht wirklich verändert hat. Oft
erscheint sie sogar noch unerträglicher, so daß die Person
jetzt erst recht die Substanz "braucht", um der Situation zu
entfliehen.
Für
die Entstehung und Entwicklung einer Abhängigkeit wird
das Zusammenwirken verschiedener Faktoren angenommen:
- Die Droge
Ob sich eine Abhängigkeit entwickelt, hängt u.a. von
bestimmten Merkmalen der Substanz ab. Zum einen ist
entscheidend, wie leicht verfügbar eine bestimmte Substanz
ist. Die Tatsache, dass die Alkoholabhängigen den größten
Teil der Abhängigen ausmachen, dürfte zumindest teilweise
darauf zurückzuführen sein, dass Alkohol sehr leicht zu
beschaffen ist. Wie aber die Diskussion um die Legalisierung
der sogenannten "weichen" Drogen zeigt, scheint andererseits
gerade der "Reiz des Verbotenen"
besonders groß zu sein, wenn eine Substanz nur schwer
verfügbar ist. Darüber hinaus spielt die Wirkung der
jeweiligen Substanz eine wichtige Rolle. So führt z.B.
Alkoholkonsum zur Enthemmung und löst Ängste. Bei
Medikamentenabhängigkeit steht zumindest am Anfang die
schmerzlindernde oder beruhigende Wirkung im Vordergrund.
Ein weiteres einflussreiches Merkmal der Substanz ist ihr
Abhängigkeitspotential, das heißt wie leicht sie zu
psychischer oder körperlicher Abhängigkeit führt. Das
Abhängigkeitspotential darf aber nicht als eine feste Größe
betrachtet werden. Zwar führen einige Substanzen schneller
zu Abhängigkeit als andere, andere Faktoren, wie z.B. die
Persönlichkeit des Konsumenten spielen aber eine
entscheidende Rolle. Auch ist die Toleranz für die jeweilige
Substanz individuell unterschiedlich.
- Das Individuum
Auf Seiten des Individuum stehen folgende Faktoren im
Zusammenhang mit Abhängigkeit: Selbstunsicherheit und
Komplexe, Spaß an Verbotenem und Risiko, Langeweile,
Beeinflussbarkeit, Problemverdrängung, Leistungssteigerung,
Kontaktstörungen und Geltungsdrang. Diese Faktoren führen in
Kombination mit der Drogenwirkung dazu, dass Abhängigkeit
geradezu erlernt wird. Am Beispiel des Alkoholkonsums heißt
das z.B.: Eine eher unsichere und ängstliche Person macht
die Erfahrung, dass sie unter Alkoholeinfluss wesentlich
gelöster ist und leichter in Kontakt mit anderen kommt. Sie
lernt so, dass Alkohol eine (scheinbare) Hilfe und Lösung
bei Problemen ist. Auch konnte gezeigt werden, dass
Personen, die nur schwer mit Frustrationen umgehen können
und keine angemessenen Strategien entwickelt haben, mit
Konflikten umzugehen, ein erhöhtes Abhängigkeitsrisiko
haben. Auch genetische Faktoren scheinen beteiligt zu sein,
so ist z.B. häufig der eineiige Zwilling eines Abhängigen
auch abhängig. In Bezug auf Drogenabhängigkeit gibt es die
Vermutung, dass es im Gehirn eine Art "Belohnungssystem"
gibt; die mit der ersten Drogeneinnahme verbundenen
Erinnerungen scheinen dabei ein Auslöser für die nächste
Drogeneinnahme zu sein.
- Situation und soziales Umfeld
Die Umwelt übt auf verschiedenen Ebenen Einfluss auf die
Entstehung von Abhängigkeit aus. So ist beispielsweise in
unserer Gesellschaft Alkoholkonsum nicht nur toleriert,
sondern gehört fast schon zum Alltag. In bestimmten Gruppen
(z.B. Vereinen) gibt es feste Trinkrituale, Abstinenz wird
verlacht, Trinkfestigkeit gelobt. In anderen Kreisen gilt
z.B. Kokain als chic. Auch ideologische Faktoren spielen
eine Rolle, in der Hippie-Bewegung gehörte Haschisch zum
Lebensgefühl.
Auf
familiärer Ebene lernen Kinder oft von ihren Eltern den
unangepaßten Konsum von Alkohol. Sie erleben, dass Alkohol zur
Freizeit gehört und auch zur Problemlösung eingesetzt wird und
übernehmen später häufig dieses Verhalten. Oft sind es Kinder
aus Familien mit gestörten Beziehungen, die abhängig werden.
Auch der Einfluss von Gleichaltrigen ist groß.
Medikamentenmißbrauch
beruht häufig auf körperlichen
Beschwerden und psychosomatischen Störungen (z.B. Angst,
Unruhe, Depression).
Diese Beschwerden entstehen oft durch Arbeits- und
Lebensbedingungen wie Zeitdruck, emotionale Belastung und
Isolation, die zu Konflikten und Spannungen führen. Gegen die
Symptome werden dann selbstgewählte oder vom Arzt verordnete
Medikamente eingenommen, die aber gegen die eigentlichen
Ursachen der Beschwerden nicht helfen.
Es
ist also eine Kombination verschiedener Risikofaktoren,
die die Entstehung einer Abhängigkeit wahrscheinlich machen.
Dies wird auch deutlich, wenn man betrachtet, warum bestimmte
Berufe, wie z.B. Piloten, als Risikoberufe für Abhängigkeit
gelten. Zum einen ist in diesem Bereich die Verfügbarkeit von
Alkohol, z.B. im Duty Free, sehr groß. Außerdem ist der Beruf
mit großer Verantwortung und Anspannung verbunden. Darüber
hinaus ist die familiäre Situation durch die häufigen
Trennungen problematisch. Beim Aufenthalt in einer fremden
Stadt beschränken sich die Sozialkontakte meist auf Treffen
mit Kollegen in Hotelbars und Kneipen.
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