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Ein wichtiges Faktum besteht in der Feststellung, dass auch gläubige
Menschen zum Suizid fähig sind. Ja, vielleicht sind gerade diese Menschen immer wieder besonders gefährdet, weil sie
ihr früheres, «oberflächliches» Leben aufgegeben haben und alle Dinge, auch die existentiellen, viel
ernster angehen und nehmen.
Wichtig ist auch die Erkenntnis, dass ein Suizid letztlich nicht verhindert werden kann, ausser man würde
Suizidgefährdete mit so hohen Dosen von Medikamenten behandeln, dass sie denk- und handlungsunfähig würden und damit
auch unfähig, eine solche Tat auszuführen.
Lassen wir uns auch nie zu einem Urteil über einen gläubigen Menschen
hinreissen, der in einem Zustand der Umnachtung seinem Leben selbst ein Ende gesetzt hat. Gott allein kennt alle
Umstände, die zu einer solchen Verzweiflungstat geführt haben.
Es muss aber vom christlichen Therapeuten und Seelsorger immer wieder darauf hingewiesen werden, dass ein Suizid nie
Gottes Willen entsprechen kann, sagt doch die Bibel klar: «Meine Zeit steht in deinen Händen» (Psalm 31,16).
Wie neuere Studien belegen kann der Glaube aber in erster Linie als
Hilfe zum Bewältigen von Lebenskrisen angesehen werden.
Psychologen entdecken die Religion als einen lange Zeit unterschätzten und übersehenen Heilfaktor für die seelische und
körperliche Gesundheit. In einer wachsenden Zahl von Untersuchungen belegen sie: Wer an einen gütigen Gott glaubt,
kommt gesünder und leichter durchs Leben.Die Zeitschrift "Psychologie heute" zeigte den Zusammenhang zwischen
Religion und Gesundheit auf.
Man müsse sich von der Vorstellung verabschieden, dass Religion der
seelischen Gesundheit schade. Internationale Studien würden auf das Gegenteil hinweisen: Der Glaube mache gesünder.
Darauf weist der Chefredaktor des Magazins "Psychologie heute", Heiko Ernst, in einem Sonderheft des Magazins
zum Thema "Glück, Glaube, Gott - Was gibt dem Leben Sinn?" hin.
Ernst zitiert in einem Artikel "Macht der Glaube gesund" den
US-amerikanischen Psychologen David Larson, der wissenschaftliche Studien systematisch auf Zusammenhänge zwischen
Glauben und psychologischer Gesundheit ausgewertet
hat. Resultat: Religiosität wirke sich in 84 Prozent der Fälle positiv aus, in 13 Prozent neutral, und nur bei drei
Prozent erweise sich der Glaube als krankmachend: "Gläubige konsumieren kaum Drogen und Alkohol, begehen weniger
Suizide, haben eine niedrigere Scheidungsquote, und - wohl die grosse Überraschung - sie haben besseren Sex",
schreibt Heiko Ernst.
Von der gesundheitsfördernden Kraft des Glaubens profitierten am
ehesten Menschen, die ihr Schicksal vertrauensvoll in die Hand Gottes legen und ihre Probleme loslassen könnten.
Typisch für diese Haltung seien Gebete des Typs "Dein Wille geschehe".
Literaturverzeichnis:
Kurt Blatter "Zwischen Wahn und Wirklichkeit", Schwengeler Verlag, CH-9442 Berneck, 1993
Rainer Tölle "Psychiatrie 9. Auflage", Springer-Verlag, D-Berlin, 1991
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