Ich kenne kein Leben ohne Angst. Angst ist ein Grundgefühl für mich, neben anderem, wie z. B. Verzweiflung. Der Boden
unter meinen Füßen. Daß sich auch da allmählich ein bißchen etwa ändert, ist noch ganz ungewohnt. Und es ist
zweigeteilt. Wenn ich ganz viel Angst habe, ist es nicht gut möglich, daß ich mir sage, daß ich keine zu haben brauche.
Gut denken kann ich dann nicht. Dann bin ich wieder dort, und alles ist genauso wie damals. Sofort erstarre ich.
Äußerlich und innerlich. Nur nicht bewegen. Auf keinen Fall. Gefährlich. Nicht um mich herum schauen, macht zu viel
Angst, anschauen ist zu gefährlich. Verboten. Kann gerade mal noch atmen, selbst das ist beinahe zuviel. Da kommen die
Bilder dazu, ich höre "in mir" Schreien und sehe diese Augen...Ich schreie nicht. Nie. Gefährlich. Verboten.
Ich weiß, daß ich sterben werde. So ein Grauen und Entsetzen kann ich nicht beschreiben, und die Worte, die ich jetzt
schreibe, passen alle nicht wirklich dafür. Es war ganz am Anfang sehr, sehr schwer, überhaupt aus der Erstarrung zu
lösen. Mich zu bewegen. Sachen tun, über die andere wohl gar nicht nachdenken. Anstrengend. Sehr.
Ja, ein bißchen daraus gekämpft habe ich mich. Eine Ahnung, was frei
sein bedeuten könnte. Aber ich glaube nicht, daß ich mal keine Angst mehr habe, und diese Gefühl von Grauen und
Entsetzen vergessen kann.
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Naomi |
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