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Psychisches Trauma
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Ein traumatisches Kriegserlebnis
und die nachfolgende Heilung
TRAUMA:
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    KURZGESCHICHTE
    Mittwoch 3.9.2014
    FREI SEIN ? !

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    Jetzt schon gut 38 Jahre lang ist der frühere Patient, von dem hier die Rede sein soll, von psychischem Trauma befreit. Möge auch dieser authentische Bericht neuen Mut machen, einen persönlichen Heilungsweg zu finden. Zum weiteren Inhalt:
    Die im Erwachsenenalter aufgetretenen Krankheitsstörungen - schwere Phobien - gingen auf ein dramatisches Geschehen in der Weg und LichtKindheit zurück. Als 5jähriger war er einem Dauerbombardement auf eine norddeutsche Stadt knapp entkommen. Der Zusammenhang aber wurde von medizinischer Seite nicht erkannt. Und auch er selbst hatte die damaligen Geschehnisse längst an der Oberfläche seines Bewusstseins verdrängt. Der Berichtende zeigt nun im einzelnen auf, dass selbst nach langer erfolgloser Behandlung sich doch noch ein überraschender Lösungsweg ergeben kann. Als der Leidensdruck übergroß war, gelang es, ein tiefes Vertrauensverhältnis herzustellen. Im weiteren Verlauf wurde der Heilssuchende im Innersten durch ein mystisches Erlebnis beschenkt, das ihn völlig gesunden ließ. „Dies geschah mit mir,” heißt es in seinem Bericht, „obwohl ich noch einige Tage zuvor von Religion fast nichts verstand.” Der Geheilte erklärte dazu: „Daten in meinem Hirn wurden auf wundersame Weise neu geordnet oder - so sie entbehrlich waren - gelöscht, etwa als sei ein Computer nach einem Absturz wieder funktionstüchtig gemacht.” Die anschaulich und spannend geschriebene Geschichte, die nun hier folgt, ist autobiografischer Art.


    Ein Mann erzählte mir über seine Probleme, die 20 Jahre lang häufig dann auftraten, wenn er mit anderen Menschen zusammentraf und es dabei zu beengten Verhältnissen kam. Manchmal war es für ihn unerträglich, sich zum Beispiel in einem Wartezimmer, einer Kirche, im Theater oder in Besprechungsräumen aufzuhalten. Phobieattacken überfielen ihn dann, die ihn flüchten ließen. Ähnliche Situationen ergaben sich in vollbesetzten, schnellen Autos. Deshalb steuerte er zum Beispiel auf der Autobahn grundsätzlich kein Fahrzeug selbst. Er wollte nicht Anlass gefährlicher Situationen sein.

    Der Mann - ich nenne ihn William Brunert - scherzte rückblickend, dass Allgemeinmediziner und Fachärzte mit seinen Krankenakten einen großen Stapel auftürmen konnten. Doch niemand vermochte den Ursachen auf den Grund zu gehen. Meistens erhielt er Psychopharmaka oder auch andere Medikamente, aber das alles war keine wirkliche Hilfe, allenfalls für einen Tag oder so. Dennoch gab William die Hoffnung nicht auf, denn "eine leise Stimme in seiner Seele" sagte ihm, "eines Tages wirst du gesund sein!"

    Im Alter von 39 war sein Fall plötzlich geklärt. Dies geschah, nachdem William und seine Angehörigen an einer einwöchigen Familienfreizeit ihrer Pfarrgemeinde teilgenommen hatten. Sie wissen vielleicht, dass einige christliche Kirchengemeinden Kurse anbieten, in denen die Teilnehmer miteinander singen, beten oder diskutieren und auch andere Urlaubsaktivitäten gemeinsam unternehmen.

    Eines Abends schlug ihr Pfarrer vor, die Erwachsenen sollten einmal über die Vergangenheit nachdenken: "Hatten Sie schon einmal ungewöhnliches Glück in Ihrem Leben?", fragte er und fügte hinzu, "vielleicht können wir einige interessante Berichte hören und dann gemeinsam feststellen: Ja, welch großes Glück war das!"

    William dachte über diese Aufgabe eine Weile nach und ihm fiel dann eine Begebenheit ein, über die er schon lange nicht gesprochen hatte. Als er an der Reihe war, sagte er:

    "Im Jahre 1943 lebte meine Mutter mit meinem älteren Bruder und mir in einer Stadt in Norddeutschland. Wenn die Sirenen Luftalarm gaben, verließen alle Familien ihre Wohnungen und trafen sich in einem kleinen Luftschutzraum unten im Hauskeller. Dies geschah fast täglich mehrere Wochen lang. Wegen meines damaligen Alters kann ich mich nicht mehr an alle Einzelheiten erinnern - ich war fünf Jahre alt. Doch meine Mutter erzählte mir später, dass der Aufenthalt in dem engen Kellerloch bedrückend, unheimlich und nur schwer zu ertragen war. Alle überkam große Furcht, wenn der Lärm von in der Nähe explodierenden Bomben in die Ohren drang und die Vibrationen und Beben durch Erdboden und Wände herankamen. Die schwache elektrische Beleuchtung flackerte dann meistens oder fiel ganz aus, was die Situation noch unangenehmer machte.

    Eines Tages sagte unsere Mutter zu uns: "Wir sollten unsere Schutzplätze aufgeben! Ich habe kein Vertrauen mehr in diesen Luftschutzkeller, keinen halben Tag länger! Es gibt ja noch unsere Fahrräder und am Stadtrand haben wir eine Gartenlaube. Dorthin werden wir fahren." Und wir machten uns auf den Weg.

    Einige Stunden später begann der stärkste Luftangriff gegen diese Stadt, die britische Antwort auf deutsche Raketen: Ein gigantisches Geschwader von mehr als 700 Flugzeugen brachte schwerste Bombardements über den Bezirk, in dem wir lebten. In kurzer Zeit wuchsen Feuerstürme auf und rasten wütend Amok durch die Straßen. Die Wochenrate an Toten in der Stadt kletterte in jener Nacht auf über 32.000. Alle Personen in dem Luftschutzraum, den wir über Wochen benutzt hatten, starben, auch mein engster Spielkamerad. Meine Mutter hörte, dass ein Rettungsteam die toten Körper in Form kleiner schwarzer Pakete fand.

    Wir aber überlebten in unserer kleinen Laube im Garten am Stadtrand. Sogar mein Vater überlebte. Er kam einige Jahre später aus französischer Kriegsgefangenschaft zurück. Wir waren jetzt zwar arm und obdachlos, aber ich denke, die ganze Familie konnte sagen "Welch glückliches Schicksal war das doch!"


    Still war es zunächst als William seinen Bericht beendet hatte. Er wusste in diesem Moment noch nicht, dass seine Geschichte und die christlichen Freunde der Schlüssel waren für sein neues Leben.

    William hatte dieses Erlebnis aus Kindheitstagen nie richtig verarbeitet und was die Religion anbelangt, die vielleicht hätte helfen können, war seine Jugend steril geblieben. Es hatte niemanden gegeben, der ihn hätte religiös unterweisen können, nicht in der Familie und nicht in der Schule. Und was er später in der Kirche hörte, hatte ihn nie richtig erreicht. Die Kirchensprache schien nicht für ihn bestimmt zu sein. Nun aber fasste er Vertrauen in diese christliche Gemeinschaft, die eigentlich ganz zufällig zusammengesetzt war. Er hatte hier den Eindruck, alle besaßen etwas, was er vermisste: Die Hand des Schöpfers.

    Besonders zu einem freundlichen, frommen Mann in Williams Alter, Fred Simon, entwickelte er Vertrauen, zum Beispiel auf einem langen Spaziergang, den sie beide unternahmen, - obwohl oder weil ihr religiöser Status unterschiedlich war. Fred besaß jenes Sendungs- bewußtsein, das ihn befähigte, besonders glaubwürdig missionarisch tätig zu sein. Zudem konnte Fred zuhören. Wenn er aber redete, schien auf seinen Stimmbändern kein Partikel Staub oder Unrat mitzuschwingen, so rein waren seine Aussagen. Diesen Eindruck jedenfalls machte er damals auf William.

    Der Kalender zeigte Sonnabend vor der Osterwoche des Jahres 1976. Alle Teilnehmer der Familienfreizeit fuhren an diesem Morgen mit ihren Autos heim. William steuerte seinen Wagen entgegen seiner Gewohnheit selbst. Der Plan war, dass seine Frau den Fahrerplatz übernehmen sollte, kurz bevor sie die Autobahn erreichten. Aber William hielt nicht an, weil Freds beigefarbener Wagen ihn dort gerade überholte.
    Den meinte William gesehen zu haben, da war er ganz sicher.

    William ging in diesem Moment durch den Kopf: Wenn ein frommer Mann wie Fred vor ihm fahre, könne eigentlich nichts Arges passieren. Und tatsächlich, William steuerte seinen Wagen ohne Mühe und ohne Attacken von Phobien oder andere Störungen, und dies, obwohl er das beigefarbene Fahrzeug schon bald aus den Augen verlor. Nach knapp 140 Kilometern erreichte William mit seiner Familie den heimischen Ort und als er aus dem Wagen stieg, war er ausgeruht und gelassen wie nie zuvor. Auch hatte er keinerlei pharmazeutische Krücken benötigt.

    William war darüber sehr erstaunt und als sie am nächsten Tag, Sonntag, gemeinsam den Gottesdienst besuchten, informierte er Fred, was geschehen war. Doch Fred antwortete: "Nun, ich meine du irrst dich. Ich habe zwar für dich gebetet, aber ich wählte für die Rückfahrt eine andere Straße. Vielleicht hast du ein fremdes Auto in beige gesehen."

    William war über alle Maßen verwundert. Dass die Fahrt auf diese Weise möglich wurde, schien ihm wie eine Offenbarung. Fred hatte ihn also n i c h t mit dem Wagen überholt und war auf der Autobahn n i c h t vor ihm hergefahren! Doch Freds Nähe und Williams Vertrauen waren Wirklichkeit gewesen und William überlegte, ob er künftig besser das Wort Vertrauen an die Stelle von Glauben setzen sollte.

    Dies war ein neuer Beginn des Erkennens, des Verstehens und der religiösen Entwicklung im Leben des William Brunert. Er nahm sich einige Tage dienstfrei und von Sonntag bis Mittwoch las er Stunde um Stunde in der Bibel, mit immer stärker werdendem Interesse, ja mit fieberhafter Begierde und gesteigertem Tempo. Wenn er kurz unterbrach, so hauptsächlich um in einem Taschenbuch weiter zu lesen: in Denker des Glaubens l (1) von Ulrich Neuenschwander. Der Autor, ein Theologe aus der Schweiz, gab Williams Frau einige Monate früher ein Exemplar, das ihm jetzt wichtig geworden war. Es schien ihm, als seien die Betrachtungen über das Verhältnis von Denken und Glauben zueinander, die er in der Einleitung fand, allein für ihn geschrieben.

    William las weiter in großer Eile und wieder und wieder sah er sich jene biblischen Berichte an, die von Krankenheilungen durch Jesus berichteten (zum Beispiel Matthäus 15,28 " ...dein Vertrauen ist groß ..." und all die anderen Quellen), auch las er bei König David im Psalm 31,9 "DU hast mich nicht preisgegeben der Übermacht meiner Gegner, hast meinen Füssen freien Raum geschenkt" und er las in vielen anderen Abschnitten der Bibel.

    Beim Lesen all dieser Texte erkannte William, dass dreierlei miteinander verbunden sein musste: seine Krankheit über all die Jahre, die Hintergründe seines Überlebens in der Bombennacht und seine anhaltende Undankbarkeit! Am Donnerstag schließlich war er von tiefer Demut durchdrungen: William fühlte, dass seine Undankbarkeit übergroß war, so groß, dass er sich unwürdig vorkam, zu beten, zu bitten oder auch nur zu fragen, unwürdig SEINEN NAMEN zu nennen oder sich IHM, GOTT, gar zu nähern. William erkannte, dass er weniger war, als "der Schmutz unter SEINEN Nägeln."

    Gram, Kummer und Unglückseligkeit erfassten sein Gemüt und er ging in seinen Garten. Als er unbeabsichtigt ein Rosengewächs berührte, geschah das WUNDER:
    Er hatte eine EPIPHANIE, eine CHRISTUSERSCHEINUNG (2) .

    William hat nie wieder Attacken traumatischer Phobien gehabt, schon 38 Jahre nicht. Seine letzte Fachärztin, eine Neurologin, gratulierte ihm im Jahre 1976 zur Krankheitsanalyse. Doch einige Angehörige seiner Pfarrgemeinde bezweifelten, dass sein Bericht wahr sein könne. Sie vermissten die Sünde. William antwortete ihnen, "was ihr Sünde nennt, ist nur die Distanz und in meinem Fall vielleicht zusätzlich, dass ich über eine lange Zeit nicht intensiv genug gesucht hatte."

    N a c h w o r t
    Historische Einzelheiten
    Der erwähnte Luftangriff fand statt in der Nacht vom 29. auf den 30. Juli 1943, hauptsächlich über Barmbek, einem Wohngebiet im nördlichen Hamburg. Der schwere Angriff war Teil einer militärischen Operation der Königlichen Luftwaffe Englands im II. Weltkrieg, genannt "Operation Gomorrha", die in mehreren Geschichtsbüchern näher beschrieben wird. Einige Informationen über das Geschehen sind auch in dem Buch "Neger, Neger, Schornsteinfeger" (3) von Hans J. Massaquoi enthalten.

    Was ist mit den Personen?
    Dr. Ulrich Neuenschwander, Professor der Theologie und Rektor designatus der Universität Bern, lehrte und schrieb nur noch kurze Zeit. Er verstarb völlig unerwartet in seinem 55. Lebensjahr im Juni 1977. Dies war in der Zeit großer Unruhen an europäischen Universitäten.

    Fred Simon, der heilige Mann, der großen Eindruck auf William Brunert gemacht hatte, war bis in sein Sterbejahr als Bonner Stadtbediensteter tätig. Nebenbei arbeitete er ehrenamtlich 20 Jahre lang in der Wohlfahrtspflege seiner Kirchengemeinde. Er erkrankte an Krebs und verstarb, bevor er das 62. Lebensjahr erreichte.

    William Brunert, der Mann ohne Lebensangst, seitdem er eine Epiphanie hatte, arbeitete viele Jahre in einer obersten deutschen Bundesbehörde. Er lebt - nun 68jährig - als Pensionär in einer kleinen Stadt in der Nähe von Bonn und erholte sich von zwei Lungenembolien. Sein Arzt sagt, er sei jetzt bei hervorragender Gesundheit. Wer ist William Brunert wirklich? Das ist sicherlich nicht wichtig. Doch wie eingangs erwähnt, ist dieser wahre Bericht autobiografisch. William Brunert und der Autor sind identisch.

    Wer hierzu noch etwas anmerken oder fragen möchte, weil vielleicht an einem ähnlichen psychischen Trauma leidend, darf dies ohne Scheu tun. Es verpflichtet Dich/Sie zu nichts. Auch sonstige Mitteilungen - von zum Beispiel therapeutisch oder seelsorgerisch tätigen Betreuern - sind gleichermaßen willkommen. Ich werde jeweils so bald wie möglich antworten.

    Dem Autor eine Nachricht senden: Nachricht an
William Brunert


    (1) Hauptinhalt des Taschenbuchs sind Monographien über Martin Buber, Albert Schweitzer, Karl Barth, Rudolf Bultmann, Dietrich Bonhoeffer (GTB Band 81 - ISBN - 3-579-03881-8)

    (2) Zum Versuch einer angemessenen Beschreibung:
    Das mystische Erlebnis war ein etwa 1 bis 1½ Minuten dauerndes Brausen in seinem Hirn. Es wurde empfunden als eine Verschmelzung mit dem Absoluten, mit einer allumfassenden göttlichen Kraft. Dieses durchdringende Erlebnis war real und keine Einbildung. Der Ausdruck „CHRISTUSERSCHEINUNG” steht für das, was man sich nicht selber sagen kann: „Ich bin es, Christus”, was gleich zu Beginn „eingegeben” war.
    Dies geschah, obwohl der so Beschenkte und Überwältigte noch einige Tage zuvor von Religion fast nichts verstand. Bei diesem mystischen Geschehen wurden Dateien in seinem Hirn auf wundersame Weise neu geordnet oder - so sie entbehrlich waren - gelöscht, etwa als sei ein Computer nach einem Absturz noch einmal funktionstüchtig gemacht.
    Dem so Geheilten irritieren mögliche unterschiedliche Bewertungen und Deutungen des mystischen Vorganges nicht. Er ist vor allem glücklich und dankbar, die jahrelangen gesundheitlichen Bedrängnisse los zu sein. Dies vor allem zählt. Zudem aber sind die so gewachsene Glaubensgewissheit und die Erinnerung an das mystische Erleben zum Zentrum seiner Orientierung geworden. Deshalb ficht es ihn nicht im Geringsten an, wenn zum Beispiel Naturwissenschaftler hierbei mehr von biochemischen oder auch elektromagnetischen Abläufen sprechen (z.B. Stefan Klein: Die Glücksformel oder Wie die guten Gefühle entstehen S. 251 ff), Theologen aber die göttliche Einwirkung im Glauben betonen (z.B. Cornelia Faulde: Wenn frühe Wunden schmerzen - Glaube auf dem Weg zur Traumaheilung ). Der Verfasser meint, dass das eine das andere nicht ausschließt.

    (3) S. 194 ff ; Titel der amerikanische Originalausgabe: "Destined to Witness" (Morrow, New York 1999).

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