
Nacktes Entsetzen; Kriegsgreuel in Ruanda, 1996.
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Ein
psychisches Trauma kann akute oder chronische psychische und
psychosomatische Störungen hervorrufen. Diese treten als Folge eines oder mehrerer traumatischer
Ereignisse auf.
Als solche Ereignisse gelten:
| Unfälle | | Katastrophen |
| physische Gewalt | | terroristische Gewalt |
| sexuelle Gewalt | | Folter |
| kriminelle Gewalt | | Gefangenschaft |
| traumatischer Verlust | | Entwurzelung / Flucht |
| bedrohliche Krankheiten | | |
Langfristig
können nach solchen Ereignissen Depressionen, Angststörungen, Anpassungsstörungen, somatoforme
(psychosomatische) Störungen, Persönlichkeitsveränderungen und Posttraumatische Belastungsstörungen auftreten. Unbehandelt
besteht die Gefahr, dass solche Reaktionsformen zu anhaltenden Einschränkungen in zentralen
Lebensbereichen und zu einem erheblichen Leidensdruck für die betroffenen führen.
Auch
wenn häufig bei psychischer Traumatisierung von den psychischen und psychosomatischen Folgen
gesprochen wird, darf nicht vergessen werden dass es sich immer um eine bio-psycho-soziale Störung
handelt. In einfachen Worten, es ist immer der ganze Mensch, mit Psyche, Körper und dem sozialen
Umfeld vom Trauma betroffen. Deshalb ist es von grosser Wichtigkeit, dass bei der Aufarbeitung eines
Traumas die psychischen, somatischen, sozialen, ethnologischen und juristischen Aspekte soweit
möglich integriert werden können.
"Traumatische Ereignisse erschüttern zwischenmenschliche Beziehungen in den Grundfesten. Sie
zersetzen die Bindungen an Familie, Freunde, Partner und Nachbarn, sie zerstören das Selbstbild, das
im Verhältnis zu anderen entsteht und aufrechterhalten wird. Sie untergraben das Wertesystem, das der
menschlichen Erfahrung Sinn verleiht. Sie unterminieren das Vertrauen des Opfers in eine natürliche
oder göttliche Ordnung und stoßen es in eine existentielle Krise.....
Im Augenblick der Angst wenden sich die Opfer spontan an die Quelle, die ihnen zuerst Trost und
Schutz bot. Verwundete Soldaten und vergewaltigte Frauen schreien nach ihren Müttern oder nach Gott.
Bleibt dieser Schrei unbeantwortet, ist das Urvertrauen zerstört. Traumatisierte fühlen sich extrem
verlassen, allein und ausgestoßen aus dem lebenserhaltenden Rahmen von menschlicher und göttlicher
Fürsorge und Schutz."
| (Judith Lewis Hermann, Die Narben der Gewalt. Traumatische Erfahrungen verstehen und überwinden, München 1993, S. 77-78) |
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