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Psychisches Trauma
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Beeinflussende Faktoren,
welche die Entwicklung einer posttraumatischen Belastungsstörung vermeiden oder begünstigen.
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GESCHICHTEN
KURZGESCHICHTE
Donnerstag 4.12.2008
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Bangladesh 1997; Pflege für die erblindete Tochter: Die 14jährige Sonja wurde von einem Jungen ihres Dorfes mit Säure überschüttet, nachdem sie ihm einen Korb gegeben hatte.



Beim Begräbnis des ermordeten Ehemanns, Kosovo 1998.



Kinder auf der Flucht nach einem Napalmangriff der Südvietnamesischen Luftwaffe auf Trang Ban am 8.Juni 1972
Gegen schwere traumatische Belastungen ist kein Mensch immun. Angesichts eines überwältigenden Ereignisses haben individuelle Persönlichkeitsmerkmale weniger Gewicht. Wie Untersuchungen von Kriegsveteranen des Zweiten Weltkriegs zeigten, hat jeder Soldat eine »Bruchgrenze« - der eine »bricht« früher, der andere später, aber nach einer gewissen Anzahl von Tagen an der Front zeigt selbst der stärkste Mann Symptome. Dasselbe gilt beispielsweise für vergewaltigte Frauen: Alle Frauen zeigen nach einer Vergewaltigung Belastungsreaktionen.

Ausschlaggebend für das Ausmass von psychischen Beschwerden ist das traumatische Ereignis selbst. Es besteht ein einfaches, direktes Verhältnis zwischen der Art, der Schwere und der Dauer des Traumas und seiner psychischen Wirkung. Für die Verarbeitung eines Traumas ist es ein Unterschied, ob es in Form eines Schicksalsschlags, beispielsweise einer Naturkatastrophe, über einen Menschen hereingebrochen ist oder in Form gezielter menschlicher Gewalt. Nach dem Erleben oder Mitansehenmüssen von Folter, Mord und Vergewaltigung ist ein Mensch in besonderem Masse gefährdet, langfristige Belastungsstörungen zu entwickeln. Die Erfahrung abgrundtiefer menschlicher Bosheit kann sein ganzes Wertesystem, sein Selbst- und Menschenbild zerstören und ihn somit in eine existentielle Krise stürzen.

Vor Traumatisierung ist niemand geschützt. Doch hat die Behandlung von Traumaopfern deutlich gemacht, dass die Konfrontation mit einem psychisch belastenden Ereignis nicht in jedem Fall eine langfristige posttraumatische Belastungsstörung verursacht. Es wurde beobachtet, dass sich bei vielen Traumatisierten wenige oder gar keine langfristigen Komplikationen einstellen. Eine nicht geringe Zahl von Menschen ist offensichtlich nach dem Erleben eines Traumas recht bald in der Lage, ihr psychisches Gleichgewicht wiederherzustellen und das Geschehene als wohl etwas Schreckliches, aber Vergangenes zu betrachten. Es gibt sogar Menschen, die gestärkt aus einem Trauma hervorgehen und ihr Erlebnis ins Positive ummünzen können. So berichten beispielsweise manche Opfer von Naturkatastrophen oder Unfällen, dass sie ihr Leben seit dem Unglück bewusster und mit mehr Verantwortungsgefühl angehen und gestalten.

Die Unterschiede in der Verarbeitung eines Traumas werfen Fragen auf. Woher kommt es, dass sich einige Personen nach extrem belastenden Erlebnissen erholen, während andere chronische Störungen davontragen? Dies sind Fragen, die Forscher und Kliniker fesseln, die ihnen aber auch Kopfzerbrechen bereiten. In verschiedenen Studien wird nach biologischen, psychologischen und auch sozialen Faktoren gesucht, die für die Entwicklung beziehungsweise Vermeidung einer posttraumatischen Belastungsstörung verantwortlich sind. Empirisch bestätigte Antworten sind zwar noch nicht gefunden, doch gibt es mittlerweile verschiedene Thesen und Hinweise:
    Das soziale und gesellschaftliche Umfeld
Von entscheidender Bedeutung scheint das unmittelbare soziale Umfeld des Traumatisierten zu sein. Hat er das Glück, in seiner Familie oder Partnerschaft Verständnis und einfühlsame Behandlung zu finden, so sind die Chancen, sich von einem Trauma zu erholen, grösser als bei ungünstigen oder instabilen Familienverhältnissen. So wurde beispielsweise gesehen, dass vergewaltigte Frauen, die in einer harmonischen Beziehung mit einem Partner leben, schneller über das schreckliche Geschehen hinwegkommen als andere. Demgegenüber erhöht das Fehlen von gesellschaftlicher Unterstützung beziehungsweise das Erleben von Ablehnung oder Misstrauen, wie es beispielsweise Flüchtlinge und Asylanten oft erfahren, die Wahrscheinlichkeit der Entwicklung posttraumatischer Störungen.
    Persönlichkeitsfaktoren
Eine wesentliche Rolle für die Verarbeitung eines traumatischen Erlebnisses spielen offensichtlich das Alter und die Persönlichkeitsstruktur des Betroffenen. Insbesondere Kinder, aber auch ältere Personen sind in hohem Masse anfällig für die Entwicklung psychischer Störungen - Kinder, weil sie weniger Erfahrung im Umgang mit Stress und nur unzureichende Bewältigungsmechanismen haben, und ältere Menschen auf Grund ihres ohnehin angegriffenen Gesundheitszustandes.

Untersuchungen in verschiedenen Bevölkerungsgruppen haben gezeigt, dass es ganz bestimmte Charaktereigenschaften, Fähigkeiten oder Verhaltensweisen sind, die einen Menschen widerstandsfähiger gegen psychische Beschwerden machen. Die amerikanische Psychiaterin Judith Lewis Herman  berichtet über die Ergebnisse der Forschung:

»Besonders belastbare Menschen sind überdurchschnittlich kommunikativ, bewältigen Anforderungen reflektiert und aktiv und sind in hohem Masse davon überzeugt, dass sie ihr Schicksal meistern können. So ergab die Beobachtung zahlreicher Kinder von der Geburt bis zum Eintritt ins Erwachsenenalter, dass etwa ein Kind von zehn in aussergewöhnlichem Mass fähig war, einem ungünstigen Umfeld in der frühen Kindheit standzuhalten. Charakteristische Merkmale dieser Kinder waren ein waches, lebhaftes Wesen, ungewöhnliche soziale und kommunikative Fähigkeiten und die feste Überzeugung, das eigene Schicksal beeinflussen zu können, eine Fähigkeit, die die Psychologen als "Innere Steuerungsinstanz" bezeichnen. Ähnliche Eigenschaften fand man auch bei Menschen, die Krankheit und Schicksalsschläge des normalen Alltagslebens besonders gut bewältigten.

Überdurchschnittlich widerstandsfähige Menschen nutzen in Stresssituationen jede Gelegenheit, mit anderen gemeinsam sinnvoll zu handeln, während andere Menschen häufig wie gelähmt oder durch die Angst isoliert sind. Wer selbst in Extremsituationen soziale Bindungen aufrechterhalten und aktiv nach Lösungsstrategien suchen kann, scheint in gewissem Masse geschützt gegen die spätere Entwicklung eines posttraumatischen Syndroms. Von den Überlebenden einer Schiffskatastrophe zeigten beispielsweise die Männer, die sich durch gemeinschaftliche Aktionen retten konnans-seriten, später nur gemptome einer posttraumatischen Belastungsstörung. Dagegen neigten diejenigen, die "erstarrt" und von der Gruppe getrennt waren, später stärker zu Symptomen. Sehr gefährdet waren auch die "Rambos", die Männer, die sich impulsiv und isoliert in Aktionen gestürzt hatten, ohne mit anderen zu kooperieren.«
    Ideologische oder religiöse Überzeugung
Eine grosse Hilfe bei der Überwindung von Traumata ist eine starke ideologische oder religiöse Überzeugung. Für Opfer politischer Gefangenschaft und Folter bedeutet das Bewusstsein, für eine gute, gerechte Sache zu kämpfen und nicht umsonst gelitten zu haben, eine Mobilisierung psychischer Kräfte, die beim Bewältigen des Schrecklichen helfen.

Viele Traumatisierte, vor allem Betroffene lang anhaltender, das heisst chronischer Traumata, berichten von der unschätzbaren Bedeutung ihrer religiösen Weltanschauung. Die unerschütterliche Gewissheit, dass es trotz all des Bösen in der Welt eine höhere Macht gibt, die letztlich  jedem Gerechtigkeit widerfahren lässt und die fühlbar Trost und Zuversicht vermitteln kann, bedeutet für viele Menschen die allergrösste Stütze im Leid.

Fehlt einer Religiosität jedoch die feste, innere Gewissheit, mit anderen Worten, gründet eine Religiosität bloss auf unsicherem Glauben und nicht auf höherer Einsicht in geistige Gesetzmässigkeiten, so ist die Gefahr gross, den Glauben durch ein Trauma zu verlieren und sich in der Folge gänzlich verlassen zu fühlen. Der Verlust des Gottesglaubens und das daraus resultierende Gefühl vollständiger Verlassenheit  ist wohl der stärkste Faktor, der zur Entwicklung einer posttraumatischen Belastungsstörung führt; dies ist eine Tragödie, die während des Zweiten Weltkriegs hunderttausend- wenn nicht millionenfach erlebt wurde. Ein solchermassen Betroffener ist der Schriftsteller Eli Wiesel, ein Überlebender des Holocaust:

»Nie werde ich die Flammen vergessen, die meinen Glauben für immer verzehrten. Nie werde ich das nächtliche Schweigen vergessen, das mich in alle Ewigkeit um die Lust am Leben gebracht hat. Nie werde ich die Augenblicke vergessen, die meinen Gott und meine Seele mordeten und meine Träume in Staub verwandelten. Nie werde ich das vergessen, und wenn ich dazu verurteilt wäre, so lange wie Gott zu leben. Nie.«
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