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Welche Auswirkungen hat ein Trauma auf den Glauben?
TRAUMA:
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GESCHICHTEN
KURZGESCHICHTE
Montag 13.10.2008
FREI SEIN ? !

Wie im letzten Abschnitt des vorherigen Kapitels dargelegt kann der Glaube eine grosse Hilfe bei der Überwindung eines Traumas sein. Die unerschütterliche Gewissheit, dass es trotz all des Bösen in der Welt eine höhere Macht gibt, die letztlich jedem Gerechtigkeit widerfahren lässt und die fühlbar Trost und Zuversicht vermitteln kann, bedeutet für viele Menschen die allergrösste Stütze im Leid.

Diese Hoffnung, dass der Glaube an die Würde des Menschen und Gottes Gereichtigkeit das letzte Wort haben wird, beschreibt C. Faulde sehr eindrücklich in Ihrem Buch:

    Wo ist Gott?
Ein Kind leiden zu sehen, ist die härteste und bitterste Konfrontation mit dem Leid, denn ein Kind hat die geringste Chance, sich dem Leid zu entziehen, und ist völlig wehrlos seinen Peinigern ausgeliefert. Dieses hautnah zu erfahren oder in der Therapie wieder aufleben zu lassen, führt zu den tiefsten Zweifeln an einen guten und gerechten Gott. Für eine Frau, die sich an ihren sexuellen Missbrauch erinnerte, war dies gleichzeitig das Ende ihrer Beziehung zu Gott: "Das erste, was ich dachte, war: 'Was ist das für ein Gott, an den ich da glaube?' Ein kleines Mädchen war geschlagen und vergewaltigt worden, und kein Gott hatte irgendetwas dagegen getan... Je mehr ich erinnerte, desto klarer wurde mir, dass ich Gott völlig egal war. Und wenn ich ihm egal war, dann war er nicht der, für den ich ihn gehalten hatte. Und wer war er dann?"
Eli Wiesel überlieferte aus dem KZ eine ähnliche Geschichte, die von den tiefen Zweifeln an Gott im Angesicht menschlichen Leidens erzählt. Ein Junge wurde im KZ von den Aufsehern zum Tode am Galgen bestimmt und erhängt. Minutenlang kämpfte das Kind seinen Todeskampf am Galgen, während die Mithäftlinge hilflos zusehen mussten. Da sagte einer der Gefangenen verzweifelt: "Wo ist Gott?" Und E. Wiesel spürte, wie sich in seinem Inneren die Antwort formte: "Da hängt er."
.... Ist auch Gott von den Nazis ermordert worden? Müssen wir angesichts solcher Grausamkeiten gegenüber Kindern lernen, uns von der Illusion eines allmächtigen Gottes zu verabschieden, und akzeptieren, dass Gott tot oder ohnmächtig ist wie wir? Ist dies das nüchterne Bild von Gott, das uns nach den Schrecken unseres Jahrhunderts geblieben ist, wenn wir es überhaupt noch wagen von Gott zu sprechen? Ist dies die unausweichliche Konsequenz, zu der eine gewaltverseuchte eigene Lebensgeschichte zwingt?
Die Geschichte aus dem KZ kann aber auch einen anderen Sinn haben, wenn sie nicht etwas über Gott, sondern über den Jungen sagen will. Dann ist die Aussage "da hängt er" ein Satz des Protestes, der sagt, nicht diejenigen, die sich wie Götter aufführen und es genießen, ihre Macht willkürlich auszuspielen, nicht sie sind Gott. Dieser Junge, misshandelt, verachtet, seiner Würde beraubt, gequält und im Tod zerrieben, er ist das unendlich Kostbare und unendliche Liebenswerte. Alle Grausamkeiten konnten ihm nicht das eine nehmen, dass er ein Ebenbild Gottes geblieben ist. ...Die Leiden eines Kindes anzusehen, sei es als Augenzeuge oder sei es in der Wiederbelebung eines frühkindlichen Traumas in der Therapie, erscheint mir unerträglich ohne diese feste Gewissheit von der unzerstörbaren Würde des Menschen, die in Gott begründet ist. Das Nein, das sich in unserem Inneren einem solchen Leiden entgegenstellt, ist zugleich ein Ja zu einer anderen menschlicheren und zugleich göttlichen Ordnung der Liebe. Sich daran festzuhalten, kann durch die düstersten Wegstrecken des Lebens führen. Sie ist ein Anker, wenn die Verzweiflung über die Sinnlosigkeit des Schmerzes uns in den Abgrund zu reißen droht. Mit diesem Glauben geben wir zu verstehen, dass die Grausamkeit nicht das letzte Wort hat, dass sie nicht jeden Funken Menschlichkeit tötet, dass es mehr gibt, als das, was Menschen zerstören und zertreten können. Vielleicht können wir das Gott nennen. ... Solange wir uns diesen Glauben an den göttlichen Ursprung der Würde des Menschen nicht nehmen lassen, sind wir nicht besiegt, zertreten und verloren."
(in: Cornelia Faulde, Wenn frühe Wunden schmerzen. Glaube auf dem Weg zur Traumaheilung, Mainz 2002, S. 91-93)
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