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Psychisches Trauma
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Geschichte der Traumaforschung
TRAUMA:
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  • GESCHICHTEN
    KURZGESCHICHTE
    Donnerstag 4.12.2008
    FREI SEIN ? !

    2. Kapitel - Die Bilder gleichen sich

    Die Thematik des Traumas rückte erst wieder mit dem Zweiten Weltkrieg ins Blickfeld, als sich bei vielen Soldaten dieselben psychischen Störungen zeigten, wie sie Jahre zuvor im Ersten weltkrieg beobachtet worden waren.
    Dieses Mal bemühten sich die Militärpsychiater jedoch, die Stressreaktionen auf das Kampfgeschehen von ihrer Brandmarkung zu befreien. Denn wenn die Erkrankten so schnell wie möglich wieder einsatzfähig werden sollten, so mussten sie erfolgreich behandelt werden - und dies gelang offensichtlich nur, wenn man den Zusammenhang zwischen traumatisierenden Erlebnissen und psychiatrischen Erkrankungen zugab. Dieser Zusammenhang liess sich damals auch gar nicht mehr leugnen; denn man hatte erkannt, dass die seelischen Störungen sogar vorhersagbar waren, und zwar in Relation zur Heftigkeit der miterlebten Kämpfe. Zwei amerikanische Psychiater kamen auf Grund ihrer Beobachtungen zum Schluss, dass selbst der stärkste Mann nach 200 bis 240 Tagen im Kampf zusammenbricht:
    »Es gibt keine "Gewöhnung an den Krieg". (...) Im Kampf bedeutet jeder Augenblick eine so hohe Belastung, dass die Zusammenbrüche der Männer in direktem Verhältnis zu der Intensität und Dauer stehen, mit denen sie dem Kampfgeschehen ausgesetzt waren. Daher sind psychiatrische Erkrankungen ebenso unvermeidlich wie Schusswunden und Verletzungen durch Granatsplitter.«

    Obwohl die Ärzte feststellten, dass Kriegserlebnisse tiefe seelische Spuren hinterlassen können, war die Behandlungsstrategie auf kurze Therapien angelegt. Man achtete darauf, die Betroffenen möglichst bald wieder an die Front zu schicken, zumal offenkundig wurde, dass bei vielen Männern die Unterbringung in Lazaretten und die damit verbundene Entfernung von den vertrauten Kameraden einen weiteren Stressfaktor darstellte, der die bereits vorhandenen Symptome noch verstärkte. Laut einem Bericht nahmen 80 Prozent der amerikanischen Soldaten, die im Zweiten Weltkrieg unter akuten Belastungen zusammengebrochen waren, meist schon nach einer Woche wieder irgendeine Form von Dienst auf, und 30 Prozent kehrten sogar zu ihrer Kampfeinheit zurück. Wie es ihnen nach der Rückkehr in den aktiven Dienst erging, war für die Militärführung und die Ärzte kaum mehr von Belang.
    Nach dem Krieg: erneutes Verdrängen und Vergessen

    An die Möglichkeit sorgfältiger, längerfristiger Therapien wurde auch nach dem Krieg nicht gedacht. Um das Schicksal der Kriegsheimkehrer kümmerte sich niemand. Solange sie auf minimaler Ebene funktionierten, galten sie als genesen. Mit Kriegsende setzte der bereits vom Ersten Weltkrieg her bekannte Verdrängungsprozess wieder ein, und die nachhaltigen Folgen von Kriegstraumata gerieten wieder in Vergessenheit.

    Zu einem besonderen Ausmass an Verdrängung kam es in Deutschland. Traumatische Erlebnisse deutscher Soldaten und der Zivilbevölkerung zu thematisieren war absolut tabu. Neben der allgemein üblichen Gleichgültigkeit gegenüber Traumatisierung und psychischen Folgen sowie den Sorgen um das zerstörte Land waren es vor allem die unselige Verstrickung in Schuld und die damit verbundenen Gefühle von Scham, die zu einer nahezu kompletten Verdrängung des Geschehenen führten. Die Deutschen, sowohl die Soldaten als auch die Zivilbevölkerung, gehörten zum "Tätervolk", und eine Thematisierung ihrer leidvollen Erfahrungen schien nicht angebracht. Über die schrecklichen Erlebnisse im Zusammenhang eigener Verbrechen wurde hartnäckig geschwiegen; ein Mantel eisernen Schweigens breitete sich aber auch über das eigene Leiden im Zusammenhang mit den Erlebnissen der Bombardierungen, der Flucht, der Vertreibungen, der Vergewaltigungen, des Hungers oder des Leidens in der Kriegsgefangenschaft. Die Verschlossenheit wurde symptomatisch. Stillschweigen über die traumatischen Ereignisse herrschte überall, sowohl zwischen den Ehepartnern und gegenüber den Kindern als auch in der Psychotherapie und in der Beichte.
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