Viele Vietnamesen sind Chri- sten. Vorallem unter den eth- nischen Minderheiten gibt es grosses Gemeindewachstum.
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Eine Hauskirche
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In Vietnam ist die kommuni- stische Propaganda immer noch gut sichtbar.
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Im
Jahr 2000 führte Offene Grenzen eine Schreibkampagne für Schwester
Thuy durch. Die vietnamesische Christin war zu
einem Jahr Haft verurteilt worden, weil sie ihr Haus für Gottesdienste zur Verfügung gestellt hatte. Frau Thuy erhielt
Briefe und Karten aus der ganzen Welt, viele tausend Unterschriften wurden gesammelt und an vietnamesische Botschaften
in mehreren Ländern übergeben. Trotz mündlicher und schriftlicher Zusagen blieben die Behörden scheinbar unnachgiebig.
Später erfahren wir, dass unser Bemühen doch Früchte getragen hatte. Frau Thuy wurde über einen Monat vor Ablauf ihrer
Haftstrafe freigelassen. Wie ist es ihr seither ergangen? Weil es zu gefährlich gewesen wäre, sie zu Hause zu besuchen,
traf sich ein Team von Offene Grenzen mit ihr an einem im Voraus vereinbarten Ort.
Eine attraktive und elegante Frau mit braunem Hut begrüßte uns mit einem freundlichen Lächeln. Es war kaum zu glauben,
dass sie fast ein Jahr im Gefängnis verbracht hatte. Sie dankte uns für unseren Besuch. Bevor sie anfing zu erzählen,
sagte sie unter Tränen: "Ich weiß nicht, wo ihre Heimat liegt, sicher sehr weit weg. Die Liebe unseres Herrn muss
in ihren Herzen sein, dass sie mich hier besuchen."
Wir waren tief gerührt über ihre Worte.
"Mama, die Polizei!"
Thuy berichtet nochmals in allen Einzelheiten, was im Oktober 1999 geschehen war.
"Wir waren im ersten Stock meines Hauses versammelt. Plötzlich rief eine meiner Töchter herauf: «Mama, die
Polizei!» Bevor ich noch unten im Treppenhaus war, stand ich schon Auge in Auge mit der Polizei. Einer der
Beamten wollte nach oben stürmen, aber ich hielt ihn zurück.
"Weshalb sind so viele Leute in Ihrem Haus?", fragte er mich und zeigte auf die Schuhe in der Eingangshalle.
""Heute ist Sonntag, und wir loben den Herrn. Sie können jetzt nicht heraufkommen, weil ein Gottesdienst in Gang
ist."
Ich bat die Polizisten, draußen zu warten, bis er zu Ende war. Als sie das Haus verlassen hatten, verriegelte ich das
Tor. Eine Viertelstunde später schloss ich es wieder auf und bemerkte ein großes Polizeiaufgebot. Ich versuchte, ihnen
von Gott zu erzählen, erklärte, weshalb wir einen Gottesdienst feierten und sagte: "Sie haben kein Recht, uns
daran zu hindern."
Ein Beamter rief aus: "Mit welchem Recht wagen Sie es, so mit mir zu sprechen?"
Ich antwortete: "Ich bin eine Dienerin des Wortes Gottes."
Zehn Minuten später strömten weitere Polizisten herbei. Sie verschafften sich gewaltsam Zutritt ins Haus und begannen,
alle Anwesenden zu durchsuchen.
"Sie haben kein Recht, alle zu durchsuchen. Lassen Sie sie gehen", sagte ich.
Dann brachten sie einen Nachbarn her, der aussagte, dass ich mich aufdringlich und anstößig verhielte. Er ist Buddhist.
Ich sagte: "Buddha ist tot, aber Jesus lebt. Er ist auferstanden, und Er ist der einzige, der uns von unseren
Sünden befreien kann."
Die Polizisten wurden zornig und nahmen mich fest. Sie legten mir Handschellen an und brachten mich auf die
Polizeiwache. Sie dachten, ich sei stur, weil ich nichts unterzeichnete. Niemand durfte mich besuchen. Wegen der Kälte
und der Mücken konnte ich nicht schlafen. Ich begann, laut zu singen. Die Polizisten hinderten mich nicht daran, die
Gefangenen in der Nachbarzelle aber wurden geschlagen, weil sie mir zuhörten. Die Polizei ließ schmutziges Wasser in
meine Zelle laufen.
Bekehrungen und Wunder
Nach sechs Tagen wurde das Urteil verkündet: Zwölf Monate Haft, weil ich mich der Polizei widersetzt hatte. Sie
sperrten mich in eine Zelle zu einer jungen Frau, die als «Gefängnis-Boss» galt. Sie hatte einen üblen Ruf,
doch Gott beschützte mich vor ihr. Ein anderes Mädchen gab mir zu essen und ließ mich mein Gesicht waschen. Später
sprach ich mit dem «Boss», daraufhin gab sie mir Decken und ein Moskitonetz! Zum ersten Mal seit sechs
Tagen konnte ich schlafen! Drei Tage später wurde «der Boss» Christin und adoptierte mich als ihre ältere
Schwester, Gott sei gelobt!
Die Wächter verlegten mich sofort in eine andere Zelle. Sie wollten, dass ich Reue zeigte. Während der Verhöre
durchlöcherten sie mich mit Fragen über meinen Glauben. Sie wollten wissen, wer die Verantwortlichen der Pfingstkirchen
waren. Ich sagte ihnen, dass ich nur Jesus nachfolgte und wir eine kleine Gruppe seien, die dem lebendigen Gott diene.
"Wir verehren keine Führer."
Während der Zeit im Gefängnis war ich in acht verschiedenen Zellen, und
überall verkündete ich Gott. Ich lehrte meine Mitgefangenen christliche Lieder und zeigte ihnen, wie sie beten sollen.
Eine Bibel hatte ich nicht, doch ich unterrichtete das, was ich aus dem Gedächtnis wusste. 22 Frauen bekehrten sich,
und es geschahen viele Wunder: Menschen wurden geheilt oder von ihren Süchten befreit.
Gottesdienste gehen weiter
Wir waren zu siebt in einer sieben Quadratmeter großen Zelle. Sanitäre Einrichtungen gab es nicht, und es stank
entsetzlich. Wir fingen die Tropfen von den Wänden auf, um Wasser zu haben. Ich hatte schreckliches Heimweh nach meiner
Familie und meiner Hauskirche. Erst fünf Monate nach meiner Verhaftung durfte ich meinen Ehemann und meine beiden
Töchter (21 und 15 Jahre alt) sehen. Sie schickten mir jede Woche etwas zu essen, das ich mit meinen Mitgefangenen
teilte. Die Gefängnisrationen bestanden aus täglich zwei Tassen klebrigen Reis mit Käfern. Jeden zweiten Tag gab es
Vanillepudding, das war ein Festessen, und an Feiertagen Fleisch!
Ich wurde einen Monat und acht Tage vor Ablauf der Haftstrafe freigelassen. Gott hatte mir die Kraft gegeben, das alles
gut zu überstehen. Am Samstag nach meiner Heimkehr veranstalteten meine Kirche und meine Familie bei mir zu Hause ein
Fest. Am Morgen darauf feierten wir wie immer an Sonntagen unseren Gottesdienst in meinem Haus. Während meines
Gefängnisaufenthalts war unsere Hauskirche um vierzig Personen gewachsen! Auch die beiden Anwälte waren Christen
geworden, die meine Kirche zu meiner Verteidigung engagiert hatte.
Wir führen die Versammlungen im meinem Haus fort, obwohl die Nachbarn
das nicht gerne sehen. Dank Offene Grenzen habe ich ungezählte Briefe und Karten aus aller Welt erhalten. Das hat mir
sehr geholfen! Die Polizei traut sich deswegen nicht mehr, einzugreifen."
Quelle: Magazin 2/04 von Offene Grenzen.
Mit freundlicher Genehmigung von www.offenegrenzen.de.
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