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Wirtschaft:
Mit der Verfassung von 1992, die unter anderem das Recht auf Privateigentum sichert, werden die 1986
eingeleiteten marktwirtschaftliche Reformen weitergeführt. Trotz drastischer Marktöffnungs-maßnahmen
wird die wirtschaftliche Entwicklung vor allem durch das nach wie vor bestehende, 1975 von den USA
gegen Vietnam verhängte Handelsembargo gehemmt. Auch der Zerfall der Sowjetunion und damit der Wegfall
günstiger Rohstoff- und Maschinenlieferungen sowie die unterentwickelte Infrastruktur verhindern einen
raschen wirtschaftliche Aufschwung. Gemessen am Bruttosozialprodukt (BSP) je Einwohner von (1989)
215 US-$ gehört Vietnam zu den ärmsten Ländern der Erde. Die Inflationsrate lag im Zeitraum 1986-88
im Durchschnitt bei jährlich 450%, konnte jedoch in den Jahren 1989-91 auf durchschnittlich 60%
gesenkt werden und betrug (1992) 18 %. Der Kurs der Landeswährung ist seit Anfang 1993 gegenüber
dem US-$ stabil. Die Auslandsverschuldung in konvertiblen Währungen lag (1990) bei 3,7 Mrd. US-$, die
Schulden gegenüber der Sowjetunion beliefen sich auf 9,8 Mrd. Rubel.
Landwirtschaft:
Der Agrarsektor, in dem (1990) 72,3% der Erwerbstätigen arbeiteten und der 47% zur Entstehung des
Bruttoinlandsprodukts (BIP) beitrug, ist nach wie vor der bedeutendste Wirtschaftszweig. Die
landwirtschaftliche Fläche umfaßt ( 1984) rund 7 Mio. ha. Reis (bis zu drei Ernten jährlich) ist das
mit Abstand wichtigste Grundnahrungsmittel und wird auf rund 80% der landwirtschaftliche Nutzfläche,
vor allem im Mekongdelta, angebaut. Zusätzlich dient der Anbau von Mais, Hirse, Maniok, Bataten,
Gemüse und Obst (vor allem Bananen, Apfelsinen, Ananas) dem Eigenbedarf. Exporterzeugnisse sind in
erster Linie Kautschuk, Tee und Kaffee, darüber hinaus Zuckerrohr, Tabak, Jute, Baumwolle, Sojabohnen
und Kokosnüsse. Die Viehhaltung spielt eine große Rolle; es dominieren die Schweine-, Büffel- und
Rinderzucht (Bestand 1990: 12,2 Mio., 2,9 Mio. und 3,2 Mio.).
Forstwirtschaft:
Die Forstzerstörung durch chemische Kampfmittel während des
Vietnam-Kriegs, durch den Bau von Straßen
und Siedlungen sowie den Abbau von Bodenschätzen hat die Waldfläche auf (1984) 13,1 Mio. ha reduziert.
Der Holzeinschlag belief sich auf (1989) 27,2 Mio.m³, davon rund 88% Brennholz.
Fischerei:
Die Erträge der Küsten- und Binnenfischerei beliefen sich nach Schätzungen auf (1989) insgesamt
868'000t; davon waren 30% Süßwasserfische.
Bodenschätze, Energiewirtschaft:
Mineralische Bodenschätze finden sich fast ausschließlich im Norden des Landes. Von größter
Wichtigkeit ist Steinkohle, deren Förderung (1990) 4,6 Mio. t betrug. Darüber hinaus werden unter
anderem Eisen-, Zinn-, Chrom-, Wolfram- und Manganerze sowie Apatit abgebaut. Seit Ende der 1980er
Jahre wird Erdöl gefördert (Fördermenge 1990: 2,7 Mio. t). Die Energieerzeugung basiert vor allem
auf mit Kohle betriebenen Wärmekraftwerken.
Industrie:
Der Industriesektor (einschließlich Bergbau) beschäftigte (1990) rund 14% der Erwerbstätigen (davon
Beschäftigtenanteil des verarbeitenden Gewerbes: 11,2%) und erwirtschaftete (1989) rund 27% des BIP.
Im Zuge marktwirtschaftliche Reformen stieg die Industrieproduktion (1992) um 16% (1991: 5,3 %) an.
Infolge der Rohstoffvorkommen dominieren im Norden die Eisen- und Stahlindustrie, chemische und
Baustoffindustrie, während im Süden, dem heute wichtigsten industriellen Zentrum des Landes, das
Nahrungsmittel-, Textil- und Kunststoffgewerbe sowie die Elektroindustrie vorherrschen.
Hauptindustriestandorte sind Hanoi, Haiphong, Da Nang und Ho-Chi-Minh-Stadt.
Tourismus:
1991 besuchten rund 300'000 ausländische Gäste Vietnam. Landschaftlich reizvoll sind die Bergwelt im
Norden sowie die Strände in der Zentralregion und im Süden. Weitere touristische Anziehungspunkte
bilden die historischen Sehenswürdigkeiten (Tempelanlagen, Grabbauten).
Außenwirtschaft:
Die Außenhandelsbilanz, die seit 1980 durchweg negative Vorzeichen aufwies (Einfuhrwert 1990.2,6
Mrd. US-$; Ausfuhrwert: 2,2 Mrd. US-$), erreichte 1992 erstmals wieder einen positiven Saldo. Die
wichtigsten Exportprodukte waren (1991) Erdöl, Kohle und Textilien, importiert wurden vor allem
Brenn- und Rohstoffe, Maschinen sowie Konsumgüter. Bedeutendste Handelspartner waren (1991) Singapur,
Japan, Hongkong und Frankreich. Der Anteil osteuropäischer Staaten am Außenhandelsvolumen ging von
(1990) 50% auf(1991) 14% zurück.
Verkehr:
Nach Beendigung des Vietnam-Kriegs war die
Wiederherstellung der Infrastruktur eines der wichtigsten Ziele. Das Straßennetz wurde im Zeitraum
1976-83 von 173'000 km auf 347'000km erweitert. Die Hauptverkehrsader ist zusammen mit der parallel
verlaufenden Küstenstraße die 1'730km lange Eisenbahnverbindung Hanoi-Ho-Chi-Minh-Stadt. Zu den
Nachbarländern gibt es nur wenige Verbindungsstraßen. Der Transport auf den Binnengewässern, vor
allem im Mekongdelta, ist von großer wirtschaftliche Bedeutung. Wichtigste überseehäfen sind
Haiphong, Da Nang und Ho-Chi-Minh-Stadt. Internationale Flughäfen sind in Hanoi und Ho-Chi-Minh-Stadt.
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